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Die fünfte Auflage des Kurzfilm-Kinofestivals im Svetozor widmet eine besondere Vorführung in seinem Programm spanischen Werken.
Über die Arbeiten von Direktoren wie Koldo Serra oder Nacho Vigalondo hinaus kann sich das Prager Publikum an einem Zyklus erfreuen, der Japan gewidmet ist, und an einem über die Welt des Fußballs sowie auch an premierten Kurzfilmen wie 'La Tama' von Martín Costa, 'El Palacio de la Luna' (‚Der Palast des Mondes') von Ione Hernández y 'El Ataque de los Robots de Nebulosa-5' (‚Der Angriff der Roboter von Nebelfleck-5') von Chema García Ibarra. Die Vorstellungen beginnen diesen Mittwoch und enden am Sonntag.
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Von Jakob Strobely Serra So muß es gewesen sein: Fast viertausend Menschen, bestürzt von der Nachricht des frühen Todes, drängten sich im Sankt-Nikolaus-Dom, um ihrem Lieblingsgast die letzte Ehre zu erweisen. Nirgendwo sonst als in der gewaltigsten Barockkirche Prags konnte das Trauergerüst stehen, diesem Gottespalast, einer Oper würdig. So maßlos wie Mozarts Talent ist die Kirche mit ihrer Marmororgie und Blattgoldflut, ihrem Säulenwald und Orgelgebirge, dem Heiligenheer und Gotteskriegerbataillon, angeführt von Ignatius von Loyola, der als kolossale Altarfigur mit Rammenspieß einen gnadeflehenden Heiden tötet. Es ist ein einziger Dekorationsrausch, jesuitische Prunksucht im Namen des Herren, die in einem tausendfünfhundert Quadratmeter großen Deckengemälde gipfelt, der Apotheose des heiligen Nikolaus. Hoch oben wird sein Grab geöffnet, Wunderwasser fließt aus den Knochen, es heilt alle Leiden. Warum, werden sich die viertausend gefragt haben, warum gab man dem verzweifelten, todkranken Genie kein solches Wasser. Und warum nur verschachert Wien unseren Mozart im Armengrab mit Kondukt dritter Klasse, während ganz Prag weint beim Requiem mit Pauken und Trompeten. Prag liebte Mozart, und Mozart liebte Prag. Hier verbrachte er die glücklichste Zeit seines Lebens, hier feierte er seine größten Triumphe. Dreimal reiste er in die Hauptstadt Böhmens, um den „Figaro", den „Don Giovanni" und den „Titus" auf die Bühne zu bringen, und sein Ruf eilte ihm schon bei der ersten Reise voraus. Als er im Januar 1787 am Prager Stadttor seinen Paß zeigen mußte, fragte ihn der Zöllner, ob er der berühmte Komponist des „Figaro" sei, dessen Melodien schon in allen Gassen gesungen würden - welch ein Willkommen. Als er die „Prager Symphonie" uraufführte, war die ganze Stadt trunken vor Begeisterung - „nie sah man ein stärkeres, einstimmiges Entzücken, als sein göttliches Spiel erweckte", schrieb ein berauschter Zeitgenosse. Als er im Oktober 1787 Prag seinen „Don Giovanni" schenkte und die Stadt ihm den größten Triumph seiner Karriere, schrieb Mozart gerührt einen Satz für die Ewigkeit: „Meine Prager verstehen mich." Sie tun es noch immer, denn die Seelenverwandtschaft zwischen dem Musiker und der Stadt, die felsenfest an das tschechische Sprichwort glaubt, daß Musikanten in den Himmel kommen, hat alle Epochenwenden überdauert. So wie der rastlos reisende Mozart alle Grenzen übersprang und zum ersten globalen Komponisten der Musikgeschichte wurde, so ist Prag zum Prototyp der globalisierten Stadt geworden, deren Schönheit von der gesamten Welt beansprucht wird wie Mozarts Musik auch. Prag ist international wie New York, ein Sehnsuchtsziel auf allen Kontinenten, der Inbegriff des guten alten Europa, Fluchtburg und Ankerplatz für Menschen aus aller Herren Ländern, die für ein paar Monate oder Jahre an der Moldau Station machen. Und die duldsame Karlsbrücke ist einer der Haupttrampelpfade des Welttourismus, bestückt mit Heiligen aus Stein und Musikern aus Fleisch und Blut, die jederzeit Internationalität garantieren. Zu Füßen der heiligen Luitgard mit dem Gekreuzigten spielen zwei Gestalten mit Rasta-Locken und Nasenringen Südstaaten-Blues so schleppend wie ein hinkendes Unglück. Ein paar Meter weiter dreht ein Melancholiker im Zirkusdirektorenkostüm mit Stoffaffe und Dankeschönschild in fünfzehn Sprachen an seiner Drehorgel. Im Angebot sind tschechische Lieder, aber auch die Titelmelodie aus „Doktor Schiwago", Sinatras „New York, New York", der Zillertaler Hochzeitsmarsch und bei guter Laune sogar „Schmittchen Schleicher". Noch etwas weiter freut sich eine lokale Dixieland-Altherren-Combo mit dem programmatischen Namen „No Problem Praha" des Lebens, das anderswo nicht angenehmer sein könnte. Derweil lassen sich abergläubische Asiaten vor dem Relief des heiligen Nepomuk fotografieren, der als Beichtvater der Königin Sofia eisern schwieg, als deren eifersüchtiger Gatte Wenzel den Gottesmann zum Sprechen bringen wollte. Der unbeherrschte Herrscher ertränkte Nepomuk zur Strafe in der Moldau, so sieht man es auf dem Relief. Wenn man den blankgewetzen Körper des Heiligen berührt, gehen Wünsche in Erfüllung, das sagt jeder, so sei es wegen des Wunders des Nepomuk, einer Geschichte, die die ganze Welt versteht: Als man Jahrhunderte später, zu Mozarts Zeiten, sein Grab öffnete, fand man die Zunge unversehrt. Sie ruht jetzt zusammen mit den Knochen in einem Ehrengrab aus drei Tonnen Silber im Veitsdom auf dem Hradschin. Heute spricht Prag mit vielen Zungen, vor allem der englischen. Noch die kleinste Klitsche in der Altstadt hat ihre Speisekarte auf englisch verfaßt, das Wort „dumpling" liest man ungleich häufiger als „knedliky" und selbst öfter als Knödel. Es wimmelt von amerikanischen Fast-food-Ketten, schwedischen Möbelhäusern, französischen Supermärkten, italienischen Schuhgeschäften, deutschen Bausparkassen und thailändischen Fußmassage-Studios. Die Straßen sind bevölkert von Handzettelverteilern und Werbe-Sandwich-Männchen. Fünf Senegalesen, die in albernen Matrosenanzügen stecken, verteilen feixend Broschüren für Moldaukreuzfahrten, ungezählte Japanerinnen werben für klassische Konzerte, Bulgaren für Restaurants mit Showeinlage, Zigeuner eher unauffällig für ihre vorteilhaften Wechselkurse. Weit weniger diskret wird man auf das imposante Angebot an sündigeren Vergnügungen aufmerksam gemacht: auf das Spiel mit dem Glück und dem Trieb. Der Frauenfreund Mozart, der in einem Brief bekannte, gerne „all den schönen Mädchen und Weibern" in Prag nachzuschauen, hätte heute viel zu gucken. Und der Lüstling Don Juan, der die Frauen entehrte und Gott verspottete, wäre heute in Prag ein Unschuldsknabe. Die käufliche Lust ist allgegenwärtig, selbst die offiziellen Stadtpläne werden von einer Parade halbnackter Versuchungen eingerahmt, die ihre Dienste im „Darling Club" oder beim Escort-Service „Ariadne" anbieten. Es gibt sogar ein eigenartiges Restaurant - riesengroß auf drei Etagen, mit rot erleuchteten Fenstern wie ein klassisches Bordell -, das zum Dessert Massagen samt Dampfbad serviert. Und auf dem Wenzelsplatz, dem Wohnzimmer der Nation, dem Schrein der „samtenen Revolution" von 1989, hat die Straßenprostitution derart überhandgenommen, daß die Polizei dort jetzt präsent ist wie beim Atommülltransport. Das Geschäft mit dem Sex gedeiht nicht nur dank Prags traditioneller Freizügigkeit, sondern ist auch ein Fluch des Billigfliegerbooms. Seit Tickets nach Prag für eine Handvoll Euro zu haben sind, werden Horden vor allem britischer Wochenendtouristen an die Moldau gespült, die trotz des warnenden Beispiels von Don Juan, dem bestraften Lüstling, ausschließlich Sex und Saufen im Kopf haben. Besonders unangenehm sind sie, wenn sie als Pulk im uniformierten T-Shirt zum Junggesellenabschied auftauchen. Viele Lokale verwehren diesen Kumpanen inzwischen den Zutritt, Schilder mit der Aufschrift „No stag party" sollen sie fernhalten. Noch verblüffender ist die epidemische Präsenz von Casinos, meist kleinen, fensterlosen Kaschemmen mit Daddelautomaten und ein paar Roulettetischen. Draußen hängt immer eine Leuchtreklame, die die aktuelle Höhe des Jackpots anzeigt. Die Zahl steigt im Sekundentakt, ständig sind schwindelerregende Summen zu sehen, und irgendwann fragt man sich, ob das wirklich eine gute Werbung ist. Denn es kann nur bedeuten, daß kein Spieler je den Jackpot knackt, sonst stünde die Anzeige manchmal bei Null. Das hätte auch dem notorisch klammen Mozart nicht gefallen, der ohnehin weniger ein Glücks- als ein leidenschaftlicher Billardspieler war. Doch Prag ist nicht Las Vegas. Hier ist alles echt. Die Leuchtreklamen der Casinos sind winzige, bedeutungslose Pünktchen in einem Ozean der Schönheit, der seinen wichtigsten Wesenszug mit Mozart teilt: Er ist absoluter ästhetischer Konsens, weltweit, generationenübergreifend. Es gibt keine Zweifel, keine Diskussionen, keine Rechtfertigungsnot, keine Geschmacksstreiterei: Prag ist wundervoll, so wundervoll wie die Jupiter-Symphonie und das Serail. Das Stadtbild hat nie den sicheren Boden allgemeingültiger Schönheit verlassen und sich genau in dem Augenblick allen Neuerungen verweigert, als der Konsens brüchig wurde. Architekturgeschichte findet nur bis zum Jugendstil statt, moderner wird es nicht. Kein Bauhaus, kein Funktionalismus und - bis auf ganz wenige Ausnahmen - schon gar kein sozialistischer Protz stören die Harmonie. Es ist eine ästhetische Sprache, die jeder versteht, eine Schatzkiste voller verwinkelter Gassen und roter Ziegeldächer, klassizistischer Residenzen und barocker Prunkpaläste, gotischer Kirchen und Herrenhäuser aus der Renaissance, gepflastert, nicht geteert, gehegt und gehätschelt, eine strahlende, prunksüchtige, extrovertierte Stadt, die sich für ihre Besucher herausgeputzt hat und sieh ihnen im Sonntagskleid präsentiert - es bleibt einem nichts anderes übrig, als sich wohl und willkommen zu fühlen. Jede Fassade ist verziert und geschmückt, je früher, um so farbenfroher, je später, desto frivoler. Der Jugendstil entkleidete Prag, ersetzte die Fabelwesen und Drachenköpfe durch nackte Halbgötter und Nymphen mit prachtvollen Brüsten, ein Lendenschurz, eine Blumenranke, die Scham bedeckend, ist oft schon zuviel, ein Fest wäre es gewesen für Don Juan. Er ist geblieben in Prag, weit mehr als Mozart selbst, dem keine Altäre der Heldenverehrung errichtet werden wie in Salzburg, dazu ist die Geschichte Prags viel zu reich und sogar Mozart darin nur eine Episode. Es gibt die Villa Bertramká, eine Residenz in einem Vorort mit einem kleinen Museum, und ein Haus am Kohlenmarkt, in dem er einmal wohnte. Ein Medaillon an der Fassade und eine Marmortafel erinnern daran, nichts sonst. Es gibt Hunderte von Souvenirgeschäften, aber nichts von Mozart dort, statt dessen Bierhumpen mit dem Hradschin, das Prager Jesulein mit Samtkleidchen und T-Shirts mit blöden Sprüchen wie: „They say I was in Prague but I don't remember"; es zeigt einen kiffenden Suffkopf vor der Stadtkulisse. Don Giovanni aber wird in gleich zwei Puppentheatern tagaus, tagein gespielt und im Ständetheater, der Stätte seiner Uraufführung, den ganzen Sommer über gegeben. Der Steinerne Gast hockt als furchteinflößende Bronzeskulptur vor diesem Theater, nichts als ein Umhang ohne Inhalt, und sein Opfer leiht ungezählten italienischen Restaurants den Namen; das am höllischsten gewürzte Gericht, ein Filet mit Worcester-Sauce, ist dort indes nach einem anderen Schurken benannt, dem guillotinierten Guillotinisten Robbespierre. Sein Schrecken wütete nicht in Prag, dieser glücklichen Stadt, die immer nur Schönheit angehäuft hat, ohne sie je zu verlieren. Deswegen kann sie die Sehnsucht nach einem Europa ohne Krieg stillen, nach der Bruchlosigkeit einer Geschichte, die ihre Unschuld nicht verloren hat, die weiterlebt als selbstverständlicher Teil der Gegenwart und nicht mit sentimentalem Blick verklärt werden muß. Es ist ein Privileg, das wenigen Städten vergönnt ist, Sevilla etwa, einem anderen Lieblingskind der Geschichte, nicht aber Orten wie Florenz oder Siena, die unter der Last ihrer Attraktivität zu musealen Gerippen erstarrt sind, Geisterkulissen, in denen sich die Einheimischen vor ihren Gästen verstecken. Prag aber lebt. Die Goldene Stadt scheint ihren Goldenen Schnitt gefunden zu haben, das ideale Verhältnis zwischen Einheimischen und Besuchern trotz mancher Exzesse - so kann sie dank ihrer prachtvollen Vergangenheit einer komfortablen Zukunft entgegenblicken. In den prachtvollen Kaffeehäusern ist die Hälfte der Tische mit Touristen aus aller Welt besetzt, die andere mit tschechischen Geschäftsleuten oder Pragern, die gerade ihre Einkäufe erledigt haben. In den Kneipen teilen sich Reisegruppen aus Argentinien die langen Bänke mit den Urenkeln des braven Soldaten Schweijk und trinken für ein Spottgeld das beste Bier der Welt - keine Diskussion: das allerbeste Bier der Welt -, lustig und laut und frei von jeder slawischen Schwermut. Denn Prag ist nicht Osteuropa, schon Brunn ist es, keine zwei Stunden weiter östlich, nicht aber diese lebensfrohe, leichtlebige Stadt, die Bier trinkt, keinen Schnaps, weil sie sich nicht betäuben, sondern Spaß haben will. So einfach macht es sich Prag, das sich jedem Snobismus verweigert, obwohl es allen Grund zum Gegenteil hätte, und statt dessen seine Besucher in die Arme schließt so wie damals Mozart. Das standesbewußte, dünkelhafte Wien hatte nicht die Größe, ihn zu schätzen. Das flatterhafte, verschwenderische, wollüstige, gefühlsvernarrte Prag konnte es: nur diese glückliche, in sich ruhende Stadt, die kein infernalisches Mahl mit einem Steinernen Gast fürchtet und lieber schlemmt, ungeheure Portionen verschlingend, Braten und Schnitzel mit kleisterdicken Saucen und fußballgroßen Knödeln; die so herzhaft ißt, daß sie alles Gemüse den Kaninchen überlässt und Putenfleisch auf die vegetarische Karte verbannt; die so reuelos trinkt, als sei es der letzte Tag; und die doch ihrer Geschichte die beruhigende Gewißheit verdankt, daß es nicht so ist. An seinem letzten Tag in Prag, einem Septembertag des Jahres 1791, dem Moment des Abschieds von der Stadt, die er liebte und die er nicht wiedersehen sollte, an diesem Tag weinte Mozart. Und dann, ein paar Wochen später nur, starb er. „Um 6 uhr fuhr ich mit grafenCanal auf den sogenannten breitfeldischen ball, wo sich der kern der Prager Schönheiten zu versammeln pflegt. - das wäre so was für sie gewesen mein freund! - ich meyne ich sehe sie all den Schönen Mädchens, und Weibern nach - - laufen, glauben sie? - Nein, nachhinken." Mozart in einem Brief 1787 „Hier wird von nichts gesprochen als vom - figaro; nichts gespielt, geblasen, gesungen und gepfiffen als - figaro; keine Oper besucht als - figaro und Ewig figaro; gewiss grosse Ehre für mich." Mozart im selben Brief, 1787 Informationen: Tschechische Zentrale für Tourismus, Friedrichstraße 206, 10969 Berlin, Telefon: 030/2044770, Internet: www.czechtounsm.com. FAZ, 05.01.2006 |
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Von Dresden nach Prag und zurück fährt am 22. April der Sächsisch-Böhmische Freundschaftszug. Er bsteht aus Waggons der DDR-Reichbahn aus den siebziger Jahren, gezogen wird er bis Decin von einer Diesellokomotive und weiter bisPrag von einer tschechsischen Dampflokomotive. Die Abfahrt vom Dresdner Hauptbahnhof ist für 7.45 Uhr vorgesehen, die Ankunft in Prag für 11.30 Uhr. In der tschechischen Hauptstadt haben die Passagiere fünf Stunden Aufenthalt, der individuell genutzt werden kann. Die Abfahrt in Prag ist für 17.30 Uhr geplant, die Ankunft in Dresden wird um 21 Uhr sein. Die Rückfahrkarte kostet 49 Euro für Erwachsene und 39 Euro für Kinder bis zwölf Jahre. Weitere Informationen: Interessengemeinschaft Bw Dresden-Altstadt, Telefon: 0351/4043824, E-Mail: BwDresden@aol.com, Internet: igbwdresdenaltstadt.de . kn
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Eine tschechische Brauerei will ein spezielles Bier zum gedenken an die letzte Liebe Johann Wolfgang von Goethes auf den Markt bringen. Das Getränk solle nach Ulrike von Levetzow "Ulrika" heißen, sagte ein Mitarbeiter der Brauerei am Freitag. Es werde in der grenznahen Stadt Zatec (Saaz) gebraut. Im kommenden Jahr soll es anlässlich des 185. Jahrestages des Treffens von Goethe und Ulrike in die Geschäfte kommen und auch nach Deutschland exportiert werden. Goethe hatte die aus Sachsen stammende Adelige 1821 im böhmischen Kurort Marianske Lazne (Marienbad) kennengelernt. Mit einem Heiratsantrag war der 72 Jahre alte Dichterfürst bei der Siebzehnjährigen jedoch abgeblitzt. (dpa)
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Ehrung für "Tschechische Bibliothek"
Der Berliner Übersetzer Eckhard Thiele wird für die Förderung der tschechischen Kultur vom Außenministerium in Prag mit der Auszeichnung "Gratias Agit" geehrt. Grund ist das Konzept der "Tschechischen Bibliothek in Deutscher Sprache". Der Bohemist erhält die Auszeichnung gemeinsam mit anderen Persönlichkeiten oder Vereinen. Dazu gehöre auch die Robert Bosch Stiftung, die die Herausgabe der "Tschechischen Bibliothek" finanziert. Sie erscheint seit 1999 in der Deutschen Verlagsanstalt. Von geplanten 33 Bänden sind bislang sechsundzwanzig erschienen. 2007 soll die Reihe abgeschlossen sein. dpa
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Nachbarschaftshilfe: Eine Anthologie der tschechischen Moderne Die Beharrlichkeit und Sorgfalt, mit der die Herausgeber der „Tschechischen Bibliothek" ihre vier Bände pro Jahr vorlegen, kann man nur bewundern. Zwar teilt Deutschland mit der Tschechischen Republik seine längste Grenze, und wenn man der Statistik Glauben schenken will, dann war jeder dritte Deutsche bereits einmal in Prag. Aber was wissen selbst Intellektuelle von der Literatur unseres Nachbarlandes? Zu befürchten ist, daß sich diese Kenntnisse, wenn sie denn überhaupt vorhanden sind, auf die Literatur der sechziger und siebziger Jahre beziehen, also jene später so genannte „Dissidentenliteratur", die sich dem Prager Frühling verdankt und die eher unter politischen Gesichtspunkten als unter ästhetischen rezipiert worden ist. Diesem Umstand - einem Missverständnis - dürfte sie auch verdanken, daß sie heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Die „Tschechische Bibliothek", die ihre erstaunliche Existenz auf dem deutschen Buchmarkt einer großzügigen Förderung der Robert-Bosch-Stiftung verdankt, wollte von Anfang an kein Sammelbecken für diese Literatur sein, sondern das Interesse des deutschen Lesers für die tschechische Kultur insgesamt wecken. Thematisch haben die Herausgeber den Bogen denn auch konsequent weit gespannt. Philosophie und Musik, Literatur im engeren Sinne und Literaturwissenschaft werden benutzt, um dem Leser Einblicke in eine Geisteswelt zu ermöglichen, die zwar geographisch der deutschen unmittelbar benachbart ist, kulturgeschichtlich aber immer noch fern scheint. Die handlichen Bände in der DVA sind für Kenner und Liebhaber längst eine Fundgrube geworden, und die jeweiligen Neuerscheinungen, in denen sich stets auch kenntnisreiche Einleitungen und Kommentierungen finden, werden von ihnen stets ungeduldig erwartet. Ob sie bei einem breiteren Lesepublikum wirklich das Interesse an der tschechischen Literatur zu wecken in der Lage sind, mag man - jedenfalls bei einigen Bänden - dennoch bezweifeln. Das ist durchaus bedauerlich, finden sich doch immer wieder wahre Pretiosen in der „Bibliothek", wie etwa der „Ur-Schwejk" von Jaroslav Hasek oder Jirí Weils wunderbarer Roman „Leben mit dem Stern" (F.A.Z. vom 25. September 2001).- Auch der jüngste Band der Reihe, eine Anthologie zum „Fin de siècle", enthält solche Fundstücke. Dazu zählt die kleine Novelle „Zu den drei Lilien" von Jan Neruda, von Alexandra und Gerhard Baumrucker meisterhaft übersetzt. Sie handelt von der Begegnung des Helden mit einem jungen Mädchen auf dem Tanzboden, das dort ihre Lebensgier rauschhaft zu genießen scheint. Trotz eines starken Gewitters verläßt sie das Fest für eine Weile, und der sie von weitem anhimmelnde Held, dem gegenüber sie schließlich die Initiative ergreift, erfährt schaudernd, daß sie nach Hause zurückgerufen wurde, weil ihre Mutter gestorben war. Das Thema der europäischen Literatur des „Fin de siècle", Liebe, Eros und Tod in ihrer unlösbaren Verstrickung und die Erkenntnis der Unmöglichkeit der Erfüllung, wird von Neruda hier in nur wenigen Strichen gezeichnet, weist aber in seiner realistischen Darstellung schon über das in dem Band behandelte Genre hinaus. Die kenntnisreiche Darstellung der tschechischen Literatur der Jahrhundertwende von Marek Nekula, die den Band beschließt, läßt den nicht spezialisierten Leser dennoch etwas ratlos zurück. Zu unbekannt sind Autoren wie Jirí Karásek ze Lvovic oder Emanuel z Lesehradu, und zu weit entfernt erscheinen ihre übersteigerten, ins Mystische und oft verkappt Religiöse eingebetteten Novellen. Auch der Versuch der Herausgeber, eine Verbindung zur deutschsprachigen Prager Literatur herzustellen, will nicht überzeugen. Kaum zu bezweifeln ist die Anmerkung von Marek Nekula, dass beide Autorengruppen, die deutsche und die tschechische, weitgehend dieselben Materialien rezipiert haben. Aber es ist auch nicht zu übersehen, dass sie in zwei grundverschiedenen geistigen Welten lebten, die sich nach der Jahrhundertwende immer schneller voneinander entfernten. So bleibt dieser kleine Band doch vor allem eine Fundgrube für Spezialisten. Er wird damit wohl kaum als Initialzündung für ein breiteres Interesse an der tschechischen Literatur wirken. Nach der fast ausschließlich auf der tschechischen Sprache beruhenden nationalen Selbstfindung unserer Nachbarn ist das sehr bedauerlich. Denn der gesellschaftliche, politische und philosophische Kontext dieser Literatur vor dem Ersten Weltkrieg ist ein spannendes Kapitel europäischer Geschichte und Kultur, das aller Aufmerksamkeit wert ist. |
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Osteuropa-Studierende empfehlen sich der Wirtschaft Wenn Kulturen aufeinandertreffen, dann sind Missverständnisse programiert. Das bekommen Geschäftsleute immer wieder zu spüren. Je später die Konferenz, desto lockerer die Sprüche und desto größer das kommunikative Misslingen. Da sagt der russische Verhandlungspartner launig:"Ich könnte mit der Axt meine Tante erschlagen." Und sein deutscher Gesprächspartner ist geschockt ob des brutalen Bildes. Der Deutsche irrt. Sein Geschäftsfreund hat Dostojewski gelesen und ein abgewandeltes Schuld-und-Sühne-Zitat benutzt. "Das ist harmlos gemeint. In russischen Schulen werden die Klassiker intensiv besprochen. Und es ist selbstverständlich, dass Zitate als Metaphern auch im Alltag auftauchen", erklärt Vladimir Alexeev vom Slawistik-Institut der Frankfurter Universität. "Die territoriale Nähe ist da irreführend, die Unterschiede zwischen den Ländern sind immens", sagt Alexeev. Der in Hessen lebende Russe kennt einige solcher Missverständnisse. So etwa wenn Russen sagen: "Wir müssenin uns gehen" und damit lediglich die Pause einleiten möchten. Der Deutsche aber wittert den Verhandlungsabbruch und vernimmt die Botschaft: Es hat keinen Zweck. Auch Holger Kuße, Hochschuldozent für slawische Sprachwissenschaft der Goethe-Universität, weiß, wie irritierend manche solcher Begnungen verlaufen. "Die Kontakte fielen leichter, wenn Unternehmen sich von Geisteswissenschaftlern beraten ließen, die sich besser mit der Mentalität der fernen Nachbarn auskennen." So wie bei einem deutschen Automobilkonzern, der eine tschechische Marke kaufte und die Mitarbeiter intensiv schulte. Zuvor hatten sich die Deutschen beklagt, weil sie von den Tschen nie erfuhren, "was die eigentlich wollten". Und die Tschechen hatten geklagt: Die Deutschen sind immer so deutlich. Als interkulturelle Trainer empfehlen sich die Studenten der osteuropäischen und slawistischen Institute. Sie haben sich bundesweit zusammengeschlossen und die Initiative der Osteuropastudierenden (IOS) gegründet. Der Hintergrund ist bitter: Einige der meist kleinen Fakultäten werden geschlossen oder von anderen geschluckt. Der Frankfurter Studiengang Slawistik soll ab Wintersemester in die "Empirische Sprachwissenschaft" integriert werden. Künftig sind nur noch Russisch, Tschechisch und Serbisch/Kroatisch vertreten, andere Sprachen - darunter auch Polnich - gibt es künftig nicht mehr. An anderen Hochschulen gibt es ähnlich harte Schnitte. Deshalb wollen die Studenten, so schreiben sie in einer Erklärung, "die Existenz der osteuropäischen Fächer bundesweit sichern und ihre Bedeutung für die Gesellschaft stärker in der Öffentlichkeit präsent machen". Auf dem Jahreskongress der IOS sprach ein ehemaliger Absolvent: Heinz Ludwig Schudt ist Unternehmer und verkauft Medientechnik nach Russland und Osteuropa. Auf der Visitenkarte steht auch die Adresse seines Moskauer Büros. Schudt machte deutlich: Ohne sein Slawistikstudium hätte er diesen Erfolg nicht. Verhandlungen seien oft ddurch gerettet worden, dass er auf die Landeskultur eingehen konnte. "Mitbewerber ohne Kenntnisse sind längst weg vom Markt." Slawistik-Professor Gerd Freidhof versucht, den Dreiklang von "Sprache, Kultur und Mentalität zu vermitteln, das ist unser Frankfurter Modell". Deshalb gibt es zum Beispiel Seminare zur Höflichkeitstheorie. "Der Moskauer ist ein offen sprechender Mensch, der klar sagt, was er meint. Der Petersburger ist mitteleuropäischer und zurückhaltender, bei ihm gibt es eher indirektes Sprechen", skizziert Freidhof. Das ist diplomatisches Rüstzeug, das bei Wirtschaftskontakten helfe. "Entscheidend ist natürlich, dass man von den Sachthemen etwas versteht. Deshalb ist es sinnvoll, Kenntnisse in wirtschaft oder Jura draufzusatteln. Denn trotz aller Sprachkompetenz: Zunächst einmal geht es ums Geld. Das ist funktional zu sehen. Danach können wir mit empirischer Sprachwissenschaft helfen." Worin sich alle einig sind: Ohne Praktika geht gar nichts. So können sich die Geisteswissenschaftler qualifizieren, aber auch selbstbewusst festen, welches berufliche Milieu zu ihnen passt. Freidhof hat für seine Studenten Kontakte zu Betrieben geknüpft, "die Rückläufe sind gut". Von den Studierenden wird Offenheit erwartet. Seminare im "Altkirchenslawisch" oder Expertenwissen über "Mythologie und Baumkult bei den Slawen" bereiten auf harte Verhandlungen nicht vor. Sie können aber Brücken bauen auch ins Wirtschaftsleben. So wie bei Beatrix Kreß, die über "Streitgespräche im Russischen und Tschechischen" promoviert. "Unser Anspruch ist es, interdisziplinär zu arbeiten. Und da geht es nicht um Softskills, sondern um Hardware, nämlich Sprachen", sagt sie. Und Kreß nickt: "Wir müsen diese Kluft zwischen Theorie und Praxis überwinden. Denn es geht eigentlich immer darum: Was kommt nach dem Studium?" (uka.)
Mehr Informationen gibt es unter: www.ios-netz.de
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Der tschechische Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und Publizist Antonín Kratochvíl ist im Alter von 80 Jahren in München gestorben. Darüber berichtet die Tageszeitung Lidové noviny in ihrer Ausgabe vom 12.12.2004. Kratochvíl lebte seit 1952 im Exil in Deutschland, wo er für den Rundfunksender Radio Freies Europa arbeitete. Er verfasste eine Reihe von Studien über die tschechische Literatur. Im Sammelband "Ich klage an" dokumentierte er die Verfogung von demokratisch gesinnten Bürgern der Tschechoslowakei in den Jahren 1948-1968. In München gab Kratochvíl auch Werke tschechischer Exilautoren heraus.
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Schröder in Prag: Keine Grundlage für Entschädigung »Vertriebener« Bundeskanzler Gerhard Schröder sieht auch im Hinblick auf Tschechien keine Grundlage für Entschädigungsforderungen deutscher »Vertriebener«. Die Bundesregierung unterstütze keinerlei individuelle Entschädigungsforderungen vor nationalen oder europäischen Gerichten, sagte Schröder der tschechischen Tageszeitung Hospodarske Noviny (Montagausgabe). Dies gelte selbstverständlich auch für Tschechien, bekräftigte der Kanzler mit Blick auf die Entschädigungsklage von Sudetendeutschen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.
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Deutschland beharrt auf Rückgabe
Deutschland beharrt auf der Rückgabe des Gemäldes "Tarquinius und Lucretia" von Peter Paul Rubens (1577 bis 1640) aus Moskau. Die Bundesregierung unterstützt weiterhin das Anliegen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, ihr in den Nachkriegswirren verlorengegangenes Eigentum zurückzuerlangen. Daher wird das Rubens-Bild auch "weiterhin Gegenstand der deutsch-russischen Kulturgut-Rückführungsverhandlungen sein". Noch im April hatte Kulturstaatsministerin Weiss in Moskau eine Rückgabe des Gemäldes verlangt. Deutschland betrachtet das Bild, das etwa acht Millinen Euro wert ist, als Diebesgut. Ministerin Weiss reagierte mit ihrer Erklärung auf eine Entscheidung des Landgerichts Potsdam, das einen Beschluss des Amtgerichts zur Sicherstellung des Bildes aufgehoben hatte. Es gehöre rechtmäßig seinem russischen Besitzer Wladimir Logwinenko, meinte das Landgericht. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine Straftat des Kunstsammlers. dpa
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Else-Lasker-Schüler-Forum in Prag vom 16. bis zum 24. Oktober
Fünfzehn Jahre nach seinem historischen Auftritt auf dem Balkon der deutschen Botschaft in Prag kehrt Hans-Dierich Genscher an diesen Ort zurück. Auf dem Else-Laster-Schüler Forum, das die Wuppertaler Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft vom 16. bis 24. Oktober in Prag ausrichtet, wird er im Gespräch mit Jürgen Serke auf den Epochenbruch zurückblicken. Eröffnet wird die Reihe mit dem Podium "Präsidentenerfahrungen", auf dem Václav Havel, Arpad Göncz, Lech WalesaLennart Meri sich mit dem "Versuch, in der Wahrheit zu leben" beschäftigen. In der Nationalbibliothek wird Christina Weiss die Ausstellung "Liebes- und Musengeschichten: Das fragile Glück im Unglück von Verfolgung und Exil" eröffnen. Weitere Veranstaltungen befassen sich mit Böhmens Schriftstellern deutscher Sprache, der Literatur der Vertreibung sowie den Dichtern des Widerstands 1939 bis 1945 und 1969 bis 1989. Über die deutsch-tschechischen Literaturbeziehungen diskutieren Jirí Grusa, Peter Demetz und Tomas Kafka, über das veränderte Engagement der Dichter nach der Wende 1989" György Konrád, György Dalos, Ryszard Krynitzki, Pavel Kohout, Jirí Grusa, Jorge Semprún, Günter Kunert und Hans Christoph Buch.
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Ein Studium in der Tschechischen Republik ist erheblich billiger als in Deutschland / Von Clemens Bomsdorf
Seit dem 1. Mai ist das Interesse deutscher Studenten an einem Studium in der Tschechischen Republik deutlich gestiegen. Dorothea Uhle, Leiterin des Prager Büros des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), ist es nicht entgangen, dass die Deutschen sich häufig im Osten Europas umschauen, ob es dort nicht preiswerter zugeht. Dabei haben sie die Hochschulen entdeckt. Denn ein Studium dort ist erheblich billiger als im Westen Europas. Und nach Schätzung des DAAD sind 300 Euro monatlich ausreichend, um als Student in der Tschechischen Republik leben zu können, zumal eine Unterkunft ab 15 Euro im Monat zu mieten ist. „Sollten in Deutschland wirklich Studiengebühren eingeführt werden, erwarte ich, dass die Nachfrage nochmals zunimmt, weil hier die Studiengebühren deutlich geringer sind als in Deutschland", sagt Uhle. Für viele mögen die Preisunterschiede ein Grund sein, ein oder mehrere Semester in Prag, Brunn, Pilsen oder in einer der anderen tschechischen Universitätsstädte zu studieren. Doch die dortigen Hochschulen haben auch einiges zu bieten. Nicht zuletzt ist es einfacher, einen Studienplatz in der Tschechischen Republik als an einer Hochschule in England oder Frankreich zu ergattern. Zudem ist der Kontakt zum Professor oft enger als an einer deutschen Massenuniversität. „In manchen meiner Kurse saßen nur fünf Teilnehmer“, sagt Marlies Uken. Für ein Jahr hat sie die größte deutsche Hochschule, die Universität zu Köln, verlassen, um an der Karl-Universität in Prag Wirtschafts- und Politikwissenschaften zu studieren. „Im Vergleich zu Deutschland haben wir in Prag mehr Originalliteratur gelesen, und der gesamte Lernprozess war verschulter. Es gab ein Midterm und ein Schlussexamen, und daneben musste man noch ein Paper schreiben“, sagt sie. „Alles ist strukturierter, und es wird mehr Wert auf Faktenwissen gelegt“, bestätigt auch Dorothea Uhle. "In Tschechien gibt es zahlreiche private und staatliche Hochschulen jeglicher Größe und unterschiedlicher Qualität. Wer für ein oder mehrere Semester in das osteuropäische Land wechseln möchte, sollte sich die Wahl der Hochschule genauso gut überlegen, wie er es in Deutschland tun würde. In der Regel genießen die staatlichen Universitäten einen besseren Ruf als die privaten", sagt Uhle vom DAAD und ergänzt: "Es gibt aber auch sehr gute private Hochschulen." Die Karls-Universität, an der die angehende Volkswirtin Marlies Uken studierte, ist die älteste und bekannteste Hochschule des Landes. Uken belegte dort unter anderem Kurse in „European Social Policies" und „Political Economy of the European Integration". Dabei machte sie unterschiedliche Erfahrungen: „Einige Kurse entsprachen - obwohl sie für die letzten Studiensemester vorgesehen waren - vom Niveau her dem Grundstudium an meiner Heimat-Uni. Andere Kurse dagegen waren extrem anspruchsvoll." Für einen großen Teil der ausländischen Studenten ist die Karls-Universität die tschechische Hochschule ihrer Wahl. Als Universität bietet sie Bachelor- und Master-Studiengänge in fast allen Fächern sowie Promotionsmöglichkeiten an. Wer als Austauschstudent kommt, muss keine Studiengebühren zahlen, andernfalls werden jährlich zwischen etwa 800 und 10 000 Euro fällig. In Deutschland kooperiert die Karls-Universität unter anderem mit den Hochschulen in Köln, Leipzig, Bamberg und Potsdam. Doch auch wer woanders eingeschrieben ist, kann häufig kostenlos in Prag studieren. Denn noch wollen weniger Studenten aus Deutschland in Tschechien studieren als umgekehrt, und dadurch gibt es fast immer freie Plätze, die von Studenten anderer deutscher Hochschulen genutzt. Marlies hat besonders gut gefallen, dass viele ihrer Dozenten aus der Praxis kamen: „Die arbeiteten nebenher bei der Notenbank oder waren Politiker. Doch leider war das Englisch mancher Professoren sehr schwer verständlich. Darunter litt der ganze Kurs." Zwar bieten fast alle Hochschulen Kurse in Englisch und Spanisch an. Wer allerdings Tschechisch spricht, kann in der Regel aus einem deutlich größeren Angebot wählen. Als der Berliner Politik-Student Simon Dalferth an die Karls-Universität kam, reichte sein Tschechisch noch nicht aus, um Vorlesungen in der Landessprache zu hören. An der sozialwissenschaftlichen Fakultät, an die er als Austauschstudent der Freien Universität Berlin gekommen war, gab es nur wenige Kurse in Englisch. Ihm standen jedoch auch die anderen Fakultäten offen. So hatte er keine Mühe, sich interessante und zu seinem Politik-Studium passende Kurse auszuwählen und gleichzeitig auch Wirtschaftswissenschaften zu belegen, die nicht zu seinem Studium an der Heimatuniversität gehörten. Simon Dalferth belegte unter anderem „Transition in Central and Eastern Europe", „Writing for Journalism" und „Political Economy". Dass er sein Auslandssemester in Prag verbrachte, war eher Zufall. „Mir war damals klar, dass ich für mein Austauschsemester nach Osteuropa wollte. Welches Land, das war gar nicht so wichtig." Prag bot sich an, also ging Dalferth dorthin. Nach einem Semester wechselte er nach England, wo er sein Studium mit einem Master abschloss.Doch mittlerweile hat es ihn wieder nach Prag gezogen. Unterstützt von einem Stipendium der Europäischen Union, recherchiert Simon für seine Promotion über die „Europäisierung der tschechischen Polizei". Dieser Aufenthalt ist zunächst auf acht Monate beschränkt, doch kann sich Dalferth vorstellen, später wieder in die Tschechische Republik zurückzukehren. „Wenn sich dort eine interessante Arbeit ergibt, sage ich bestimmt nicht nein." Prag ist nicht nur bei ausländischen Studenten, sondern auch bei Touristen die beliebteste Stadt des Landes. Deshalb sind die Preise dort oft auf westlichem Niveau. Insgesamt sind die
Lebenshaltungskosten in der tschechischen Hauptstadt weiterhin niedriger als in Deutschland, so Simon Dalferth. „Zwar reichen die Mieten mittlerweile an die in Berlin ran, aber Lebensmittel und Ausgehen sind noch bedeutend billiger.Allerdings muss man die richtigen Ecken kennen und sollte nicht in den Touristenkneipen landen", sagt er. Ein Studium in einer der kleineren
tschechischen Städte ist mit Sicherheit billiger, bietet aber auch noch andere Vorteile. Wer die Sprache lernen und die Tschechen wirklich kennenlernen möchte, sollte lieber in die kleinen Städte gehen. Dort hat man einen engeren Kontakt zu den einheimischen Studenten", sagt Uhle vom DAAD. Bekannteste Hochschulen außerhalb der Hauptstadt sind die Masaryk-Universität in Brünn, die Palacký-Universität in Olmütz und die Westböhmische Universität in Pilsen. Neben der Prager Wirtschafts-Universität seien die Hochschulen in Brünn und Olmütz die beste Wahl für ein
Wirtschaftsstudium in Tschechien, so Uhle. Für Jura empfiehlt sie neben der Karls-Universität in Prag besonders die Brünner und die Pilsener Hochschule. Brünn kooperiert mit elf deutschen Hochschulen, darunter der in Greifswald, Dresden, Marburg und Regensburg. Studenten, die aus einer anderen Stadt kommen, müssen in der Regel Studiengebühren zahlen. Das kann auch Vorteile haben, denn für Studenten, die zahlen, organisiert die jeweilige Fakultät Unterricht in Englisch. Auch für Austauschstudenten gibt es einige Kurse, die nicht in Tschechisch abgehalten werden, und an der medizinischen Fakultät gibt es einen kompletten Studiengang in Englisch. Der allerdings kostet Studiengebühren.
Geisteswissenschaftler sollten an die Universität in Olmütz gehen. Ein Schwerpunkt in Lehre und Forschung dort ist die deutsch-mährische Literatur. Im landesweiten Forschungszentrum für patristische, mittelalterliche und Renaissance-Texte, zu dem auch die Universität in Brünn und die Akademie der Wissenschaften in Prag gehören, hat die Hochschule in der Provinz und nicht die Universität der Hauptstadt die leitende Position übernommen. Stipendiendatenbanken und hilfreiche Listen Informationen über das tschechische Bildungssystem sowie Links zu Hochschulen bietet die Internetseite: http://go-east.daad.de/content/laenderinformationen/cz_index. Die Karls-Universität in Prag ist unter www.cuni.cz zu finden, die Wirtschaftsuniversität der Hauptstadt hat die URL www.vse.cz. Die Westböhmische Universität in Pilsen informiert unter www.zcu.cz, die Uni Brünn unter www.muni.cz und die in Olmütz unterwww.upol.cz/UP_En, die dortige Arbeitsstelle für deutsch-mährische Literatur hat die URL www.germanistika.cz/Arbeitsstelle/indexAS.htm. Der DAAD hat einen Studienführer „Mittel- und Osteuropa" herausgebracht (W. Bertelsmann Verlag, 193 Seiten, 14,90 Euro). Stipendiendatenbanken gibt es beim DAAD (www.daad.de) und dem Stifterverband (www.stifterverband.de - Suche nur über Fachrichtung möglich). Die einfachste Möglichkeit, ein Austauschsemester in der Tschechischen Republik zu verbringen, ergibt sich im Rahmen einer Hochschulpartnerschaft. Informationen gibt es beim Akademischen Auslandsamt der Heimatuniversität. Die Hochschulrektorenkonferenz bietet eine Liste, in der die tschechischen Partnerinstitutionen aller deutschen Hochschulen verzeichnet sind (Bereich Internationale Kooperationen, Unterpunkt Kooperationsliste unter www.hochschulkompass.de).
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PRAG, 13 Juli. Was Günter Verheugen misslingt, schafft Harry Potter im ersten Anlauf. Die Tschechische Republik, die von der EU-Kommission wie von Menschenrechtsorganisationen seit Jahren wgen der menschenunwürdigen Behandlung von geistig behinderten Patienten kritisiert wird, schafft ab sofort die Verwendung von vergitterten Betten in den psychiatrischen Kliniken und Kinderheimen ab. Nochvor einem Monat hatte das für Heime zuständige Arbeits- und Sozialministerium die Abschaffung der Bettenkäfige in Abrede gestellt. Grund der raschen Meinungsänderung war ein Brief, den die Harry-Potter-Autorin Joanne Rowling an diesem Wochenende an Präsident Klaus, an den (noch) amtierenden Minsiterpräsidenten Spidla sowie an den tschechischen Botschafter in London, Jan Fuele, richtete. Die Bestseller-Autorin hatte sich einer Kampagne angeschlossen, die von der internationelen Menschenrechtsorganisation Mental Desability Advocacy Center (MDAC) seit Jahren gegen die Missstände in den psychiatrischen Kliniken der vier neuen EU-Mitgliedstaaten Tschechische Republik, Slowakei, Slowenien und Ungarn geführt wird. Die Verwendung von Käfigbetten wird von der EU-vom Europarat und von den Vereinten Nationen als menschenrechtswidrig abgelehnt. Auf eine Anfrage des britischen konservativen Europa-Abgeordneten John Bowis hatte Erweiterungskommissar Verheugen im Dezember vorigen Jahres versprochen, die Kommission werde alles tun, was in ihrer Macht stehe, bis das letzte Käfigbett aus jedem einzelnen diser Länder verschwunden ist. Aber keines dieser Länder reagierte. Bis jetzt. Die Ungarn machten am Montag den Anfang. In Budapest gab das Gesundheitsministerium einen Erlass heraus, der die anwendung dieser "mittelalterlichen Praxis" (MDAC) mit sofortiger Wirkung untersagte. In Prag ließ man sich etwas länger Zeit. Václav Klaus hatte in einer ersten Reaktion noch in Frage gestellt, ob Joanne Rowling tatsächlich informiert sei. Spidla ließ mitteilen, er wolle erst herausfinden, was hinter den Vorwürfen stecke, um dann den Brief zu beantworten. Die Verwendung der Bettenkäfige wurde von Direktoren der Heime und Spitäler bis zu diesem Wochenende noch mit dem Argument verteidigt, für Alternativen gebe es zu wenig Personal. Die neue Regelung läßt dies nicht mehr gelten. Harry Potters Stippvisite in Prag hat sich gelohnt. (kps.)
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Dvoráks Lieder pendeln zwischen Trauer und Glück Man versteht alles und versteht doch nichts. Nichts, weil Bernarda Fink sich tatsächlich darauf eingelassen hat, Antonín Dvoráks Klavierlieder auf tschechisch zu singen. Darunter beispielsweise die acht Liebeslieder op. 83 und zwei der Lieder aus op. 2. In beiden Werkgruppen sind revidierte Teile des Liederkreises "Zypressen" aufgehoben, den Dvorák 1865 nach Gedichten von Gustav Pfleger-Moravsky innerhalb weniger Tage komponiert hatte. Vor allem die Kollisionen zwischen korrekter Wortbetonung und Metrum und Melodie waren es, die ihn dann dazu bewogen, das Jugendwerk einstweilen beiseite zu legen, um es sich erst in den 1880er Jahren nochmals vorzunehmen oder aber es verwandelt fortleben zu lassen; manches überarbeitete er für neue Lieder, übertrug Motive in andere Werke und komponierte 1887 ein ganzes Zypressen-Stück für Streichquartett. Die ursprünglichen "Zypressen" wurden erst viele Jahrzehnte nach seinem Tod erstmals gesungen - und zwar in Prag, auf englisch. Man vesteht alles, weil die Lieder eine Sprache sprechen, die sich auch dem mitteilt, der des Tschechischen kaum mächtig ist; sogar bei Liedern auf Texte von Adolf Heyduk, Elisha Krásnohorka oder Ottilie Malybrok-Stieler, auf echte Volksdichtung oder auf unechte Vorlagen wie die "aus der Königinhofer Handschrift" - nicht dem Böhmen des 13. Jahrhunderts entstammend, sondern nach guter Art des mittelalterbegeisterten früher 19. Jahrhunderts ersonnen von einem jungen Dichter. Es ist schwer, das Image des naiv-musikantischen Komponisten, das Dvorák so oft angeheftet worden ist, in dieser Aufnahme wiederzufinden. Man hört ihr gerne zu. Unerhört sorgfältig und ideenreich gesetzt, von Finks klangschönem Mezzosopran und ihrem Begleiter Roger Vignoles sich trotz der Sprachbarriere immer mitzuteilen, worum es gerade geht: Es wird Schwer- oder Wehmut sein, enttäuschte Liebe, das immer neue Zerbrechen des Ringleins - einfach, aber kunstvoll überhöht. Die Identifikation der Sängerin mit ihren lyrischen alter egos ist berührend. Und man merkt, dass sie tatsächlich Tschechisch kann: Bernarda Fink hat eine Zeitlang in Prag gelebt. Dass sich all dies so unmittelbar und zugleich unverbraucht äußert, liegt weniger an der ebenfalls zeittypischen Sprache-über-der-Sprache-Formel, welche zur Erklärung der Macht der Musik gern appliziert wurde, sondern viel sehr wohl daran, dass sich Dvoráks Lieder auf vielfältige Weise mit denen seiner Vorläufer zusammenbringen lassen, dass das sinntragende musikalische Vokabular längst eingerastet ist und nun lauter Neues, feinsinnig Erdachtes, von volkstümlicher Harmonik Gefärbtes die Liederbühnen betreten kann. Dvorák bevorzugt ein klagendes Moll. Von Schumann und Heine übernimmt er den neuen Fokus auf die Instrumentalbegleitung und das zauberische Pendeln zwischen Traurigkeit und leisem Glück. Der Protagonist der "Dicherliebe" leidet womöglich ebenso tief wie jener, der in op. 83,1 gleich nach dem Küssen schon ans Aschiednehmen denkt. Aus den Liedern Schuberts dagegen kennt man die Einsetzung eines einzigen Eröffnungsmotivs und die klar-kunsthafte Strophigkeit. Wie dessen "Gretchen", so ähnlich klingt Dvoráks "Am Bach"anfangs: Dort läuft das Spinnrad, hier rieselt der Bach, beide Male in d-Moll. Die Instirationsquelle "Volkslied", die für das gesamte Jahrhundert und nicht zueletzt für Brahms wichtigt wird, - dessen wohlwollender Brief and den Verleger Simrock 1877 Dvorák zum Durchbruch verhalf -, stärkt auch den Blick auf die Semantik: Fikton des Fortschritts, Einholen durch Wiederholen. Wunderschön, wie Bernarda Fink vom Mädchen bei Temesvar ("Im Volkston") singt, das nach ihrem Liebsten ruft, den sie nicht heiraten darf. Auch in seinem Blick auf das Andere, Fremde trifft sich Dvorák mit den Zeitgenossen. Seine Anfang 1880 entstandenen Zigeunermelodien auf Texte von Heyduk erinnern deutlich an die Vertonungen von Johannes Brahms. Auch hier finden sich die zum Klischee gewordenen Zymbalklänge im Klavier oder charakteristisch übermäßige Sekundgänge. Doch vielleicht lassen sich die Vorbehalte gegen die Wunchprojektionen des zugleich von Abwehrmechanismen geprägten 19. Jahrhunderts, wie sie etwa die Musikwissenschaftlerin Susan McClary am Beispiel der "Carmen" formuliert hat, im Falle Dvoráks sogar zu seinen Gunsten entscheiden. Jahrzehnte nach der unglücklichen Liebe, die einst die "Zypressen" hervorgebracht hatte, begab er sich, glücklich verheiratet und beruflich arriviert, nach Amerika, um sich dort Melodien von Spirituals oder Plantagenarbeiterliedern vorsingen zu lassen und auf dieser Basis das Vokabular einer genuin amerikanischen Musik zu entwerfen. Über die Authentizität der Gesänge, die ihm dabei präsentiert wurden, ist seither viel gestritten worden. Die Aufrichtigkeit seines Ansinnens jedoch, die sorgfältige Einarbeitung des Materials in das eigene musikalische Schaffen lassen sich kaum anfechten. Insgesamt hat Antonín Dvorák mehr als hundert Lieder und Duette verfasst, von denen die meisten immer noch nicht zum gängigen Lied-Repertoire gehören. Es braucht offensichtlich erst ein Dvorák-Jahr, damit so schöne Einspielungen wie diese herausgebracht werden. Christiane Tewinkel
Antonín Dvorák, Lieberslieder op. 83; Lieder op. 7 und op. 82; Zwei Lieder aus "Zypressen" op. 2; Im Volkton op. 73; Zigeunermelodien op. 55. Bernarda Fink, Roger Vignoles. harmonia mundi HMC 901 824.
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MDR kauft tschechische Klinikserie
Der Mitteldeutsche Rundfunk hat dreizehn neuproduzierte Folgen der tschechischen Fernsehserie "Das Krankenhaus am Rande der Stadt" gekauft. Die zweite Staffel war vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Tschechien (CT) vor wenigen Monaten, zwanzig Jahre nach der ersten Staffel, mit großem Erfolg ausgestrahlt worden (F.A.Z. vom 3. Februar): Jede Folge hatte in Tschechien durchschnittlich 3,3 Millionen Zuschauer vor dem Bildschirm versammelt, die erste Episode hatten vier Millionen Menschen gesehen, was im tschechischen Fernsehen einer Einschaltquote von siebenundsiebzig Prozent entspricht. Der MDR habe für jede Folge der Serie den überaus geringen Preis von 2500 Euro gezahlt, hieß es jetzt im Prager Rundfunk. Die Ursprungsserie war seinerzeit auch mit großem Erfolg im deutschen Fernsehen gelaufen. Die neuen Folgen wurden jetzt weitgehend mit Schauspielern aus der Originalbesetzung gedreht, die Dreharbeiten dauerten zwei Jahre, die Produkiton kostete umgerechnet 2,4 Millionen Euro. Die Sendung, die man getrost als Geburtsstation aller Krankenhausserien bezeichnen kan, spielt in der orthopäischen Abteilung einer Klinik in der Nähe von Prag. In der neuen Staffel werden auch politische Themen behandelt, wie die Flucht aus der kommunistischen CSSR, die vor zwanzig Jahren noch nicht ins Drehbuch aufgenommen werden durften. |
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Programm des Tübinger Bücherfests
Tübingen wird vom 25. bis zum 27. Juni zum Treffpunkt tschechischer und deutscher Literatur. Insgesamt gibt es über hundert Veranstaltungen, unter anderen mit Hilde Domin, Urs Widmer und Benjamin von Stuckrad-Barre sowie Schriftstellern aus Tschechien, wie der 1916 geborenen Lenka Reinerová. Neben den lakonischen Gedichten des Autors Petr Borkovec und den absurden Geschichten Jirí Kratochvils entlarvt Daniela Fischerová die sozialistischen Mythen ihrer Heimat in der Nachkriegszeit. Das genaue Programm ist im Internet unter www.tuebinger-buecherfest.de einzusehen. FAZ.
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Am 14. Februar 2004 starb im kanadischen Hamilton (Ontario) im Alter von fast 90 Jahren Rev. Imrich G. Fuzy, eine bis dahin lebendige Legende des slowakischen Exils, die den außergewöhnlichen Ereignissen seiner Zeit statthielt. Für seine Überzeugungen und aneckenden bürgerlichen Vorstellungen kam er in ein deutsches Konzentrationslager (1944) und war später in volksdemokratischen (1945-46) sowie in kommunistischen (1948) Gefängnissen in Haft.
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Der Produzent Jan Mojto wächst
Jan Mojto ist wieder da, und sein Auftritt auf der Fernsehmesse Mip TV in Cannes hat die Branche offenbar so bewegt wie in früheren Jahren. Der "Beta-Brunch", auf welchem der Produzent und einstige zweite Mann bei Leo Kirch seine schweijkischen Unterhalterqualitäten bewies, ist wieder zur Attraktion geworden. Was damit zu tun hat, dass Mojto nicht nur mit seiner kleinen Firma "Eos" große Eventprogramme entwickelt, sondern die ehemals zu Kirch gehörende Vertriebsfirma "Beta Film" übernimmt. Damit, sagte der Insolvenzverwalter Michael Jaffé in München, sei die Verwertung der Kirch-Media "einen weiteren großen Schritt vorangekommen". Deshalb hat Mojto aber nicht, was als Vermutung gleich die Runde machte, Leo Kirch als Finanzier im Rücken. Es seien andere Investoren, heißt es. Mojto hatte erst kürzlich die "Unitel" erworben, die für die Produktion klassischer Musik zuständige Firma aus dem eheligen Kirch-Reich. Für die Beta war in der Branche über einen Kaufpreis von fünfzig Millionen Euro spekuliert worden. Mit der Beta erwirbt Jan Mojto auch die Rechte an internationalen Filmen und Serien. Sie wird zwar mit Eos zusammenarbeiten, doch werde diese weiter die Event-Programme" produzieren, mti denen Mojto zuletzt bei Sat.1 und ZDF reüssierte. miha.
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Die Vertreibung als deutsch-tschechische Katastrophe Peter Glotz: Die Vertreibung. Böhmen als Lehrstück. Ullstein Verlag, München 2003. 287 Seiten, 22,- €. Das Thema der Vertreibung ist in Deutschland zwar längst nicht mehr tabu, aber es scheint an das stillschweigende Einverständnis gebunden zu sein, dass sich alle dazu äußern dürfen außer den Betroffenen, denn die stehen weiter unter Revanchismusverdacht. Exemplarisch vorgeführt wurde diese Ausgrenzung in der öffentlichen Debatte um die Errichtung eines Zentrums gegen Vertreibungen, in der sich Peter Glotz als einziger prominenter deutscher Sozialdemokrat für das Recht auf Erinnerung und den Standort Berlin ausgesprochen hat. Sein Buch nimmt auf diese Debatte nicht explizit Bezug, kann allerdings in ihrem, Zusammenhang mit besonderem Interesse rechnen. Die Literatur über die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei, die abseits der historischen Forschung entstanden ist, ist äußerst vielfältig, umfangreich und oft auch problematisch. Gerade weil die deutschen Fachhistoriker das Thema jahrzehntelang vernachlässigt haben, trat der ungebändigte Strom der Erinnerungen und Reflexionen der Vertriebenen nicht selten über die Ufer. Der Wunsch, Zeugnis abzulegen, damit das erlittene Unrecht nicht in Vergessenheit gerät, ist für die seriöse deutsch-böhmische Publizistik ebenso charakteristisch wie der immer wieder aufs neue unternommene Versuch, sich selbst und den anderen die Katastrophen von 1938 und 1945 zu erklären. Hier reiht sich Glotz, geboren 1939 in Eger (Cheb), ein: als bewusster „Europäer“, als Vertriebener und als Sozialdemokrat. Sein Buch teilt die Vorzüge wie die Mängel der Tradition, der es verpflichtet ist. Glotz ist der Ansicht, dass die Demokratie über den Nationalstaat nicht nur hinauswachsen müsse, sondern das auch könne. Er beruft sich auf den Österreicher Karl Renner und auf den Tschechen Bohumír Smeral, auf den Mährischen Ausgleich, der gescheitert ist, aber von Glotz dennoch als Vorbild für, „komplizierte Minderheitsabkommen“ genommen wird, die allemal besser seien „als brutale Entflechtungen“. Dies steht nun außer Streit, leider aber entscheidet nicht die Nachwelt darüber, ob ein Ausgleichsmodell praktikabel ist. „Erzwingt die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Emanzipation schließlich auch die politische, und zwar in Form des Nationalstaates“, fragt Glotz und antwortet: „Das sicher nicht. Es gibt viele Gegenbeispiele auf der Welt, von Kanada über die Schweiz bis zu Indien. In den böhmischen Ländern aber fanden Deutsche und Tschechen keinen Ausgleich.“ Glotz entgeht der deterministischen Falle, sein Ringen um eine Antwort auf. Die Frage nach der Ursache der deutsch-tschechischen Katastrophe aber droht zur Tautologie zu verkommen: Der Nationalismus hat sich durchgesetzt, weil Deutsche und Tschechen keinen Ausgleich zustande brachten; sie brachten ihn nicht zustande, weil sie Nationalisten waren. Die Schuld am Nationalismus gibt Glotz dem armen Herder. Die Deutschen mahnt er, sie sollten „nie vergessen, dass es ein Deutscher war, der die erste nationalistische Theorie erfand, die sich dann in den böhmischen .Ländern und in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas festfraß“. Er zitiert die berühmte Stelle über die friedfertigen Slawen, an denen „sich mehrere Nationen, am meisten aber die vom deutschen Stamme“, versündigt hätten. Herder, so Glotz, habe damit dem Tschechen Palacky Argumente geliefert und „zwei ziemlich schreckliche Jahrhunderte“ geprägt. Tatsächlich? Über Masaryks Wende vom Föderalismus zu Nationalismus an der Schwelle des Ersten Weltkrieges schreibt Glotz: „Irgendwann“ müsse er „geahnt haben, dass in diesem Historischen Moment nur ein Nationalist die große Rolle spielen konnte“. Der Leser profitiert von dem über weite Strecken durchaus ergiebigen Querfeldeinlauf des Autors durch mehrere Jahrhunderte böhmischer und europäischer Geschichte desto mehr, je besser es ihm gelingt, über die großzügig gestreuten Urteile, hinwegzulesen. Über die Massaker am 4. März 1919, als tschechische Soldaten auf Streikkundgebungen unbewaffneter deutscher Arbeiter schossen, schreibt Glotz etwa: „Es war genauso, wie es neulich in irakischen Städten war, in denen amerikanische Soldaten gelegentlich Dutzende von Zivilpersonen töteten.“ War es wirklich genauso? Gelegentlich unterlaufen Glotz auch faktische Fehler. So kam zum Beispiel der Antrag im Tschechischen Nationalrat, Edvard Benes für seine Verdienste um den Staat zu würdigen, nicht von der Regierung, die ganz im Gegenteil ‑ von einem solchen Schritt ausdrücklich abgeraten hat, sondern von einer Gruppe von Abgeordneten. Nicht zu Unrecht wird die Arbeit an deutsch-tschechischen Beziehungen oft mit dem Bohren harter Bretter verglichen. Beim Bohren kommt es darauf an, den Bohrer richtig anzusetzen, sonst bricht er ab. KARL-PETER SCHWARZ
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Jan Mojto kauft Kirchs "Unitel"
Der Produzent Jan Mojto kauft aus der Insolvenzmasse der Kirch-Gruppe die Musik-Produktionsfirma Unitel. Der Gläubigerausschuss hatte dem Verkauf bereits zugstimmt, der Insolvenzverwalter machte das Geschäft jetzt perfekt. Die Unitel zählt zu den führenden Produzenten von klassischen Musik-Programmen für Kino, Fernsehen und Video.
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Gastspiel des Schauspiels Hannover / Aufführungen und Lesungen in deutscher Sprache Mit dem Stück "Mamma Medea" in der Inszenierung von Sebastian Nübling ist am Sonnabend in Prag das diesjährige Theaterfestival deutscher Sprache zu Ende gegangen. Die Aufführung des Schauspiels Hannover rief beim Publikum im ausverkauften Prager "Theater in den Weinbergen" begeisterten Applaus hervor. Seit dem 18. November wurden insgesamt neun Aufführungen und Lesungen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Tschechien präsentiert. Im Mittelpunkt standen junge Regisseure, die Klassiker modern inszenierten. Tschechische Theaterkritiker äußerten sich überwiegend positiv über die dargebotenen, oft umstrittenen Inszenierungen. Tschechiens Außenminister Cyril Svoboda warb in einem Grußwort für das Kennenlernen unterschiedlicher Stile und Interpretationen im dramatischen Schaffen. Der Ko-Geschäftsführer des deutsch-tschechischen Zukunftsfonds, Tomas Kafka, sagte, wie im Theater, so sei auch in den deutsch-tschechischen Beziehungen der Vorhang hinter der Vergangenheit gefallen. Die Diskussion aber gehe weiter. Der tschechische Autor Pavel gilt als geistiger Vater des Festivals, das seit 1996 an die jahrhundertelange gegenseitige Bereicherung der tschechischen, jüdischen und deutschen Kultur in Prag in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg anknüpfen will. epd
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Neuerscheinungen über die Benes-Dekrete: Dokumente und Studien Karel Jech (Herausgeber): Die Deutschen und Magyaren in den Dekreten des Präsidenten der Republik. Studien und Dokumente 1940-1945. Zweisprachige Ausgabe. Herausgegeben vom Institut für Zeitgeschichte der tschechischen Akademie der Wissenschaften. Doplnek Verlag, Brünn 2003. 688 Seiten, 378 CZK (11,60 €). Niklas Perzi: Die Benes-Dekrete. Eine europäische Tragödie. Niederösterreichisches Pressehaus, St.Pölten/Wien/Linz 2003. 364 Seiten, 23,90 €. Wenn sich die Geschichtswissenschaft der Politik gleich doppelt andient, nämlich zur Regierungsberatung wie zur Verteidigung sogenannter „nationaler Interessen“ auf dem ideologischen Schlachtfeld, dann bringt sie manchmal merkwürdig zwiespältige Produkte hervor. Ein Beispiel dafür ist die jüngste Publikation des Instituts für Zeitgeschichte der tschechischen Akademie der Wissenschaften über die Benes-Dekrete. Es wurde vom deutsch-tschechischen Zukunftsfonds finanziert und soll „zur Beseitigung früherer sowie so mancher noch andauernder Missverständnisse“ beitragen, wie Karel Jech in seinem Vorwort schreibt. Denn es käme darauf an, gegen „Entstellungen“ aufzutreten, „die ganz bewusst durch politische Kampagnen oder Polemiken in den Medien verbreitet werden.“ Die These, die Jech im wissenschaftlichen Gewande propagiert, ist die regierungsoffizielle. Die Benes-Dekrete, behauptet er, seien „zur Gänze vergleichbar mit den entsprechenden Gesetzgebungsakten für andere von den Nazis besetzte Länder“, ihr Ziel sei lediglich die „Liquidierung des nazistischen und faschistischen Totalitarismus“ gewesen, sie seien „im Kontext mit dem damaligen internationalen, vor allem dem europäischen Recht“ entstanden und „brachten ... zugleich die Ausgangsvorstellungen von einer friedlichen Nachkriegsordnung zum Ausdruck“. Dies alles wird behauptet, aber nicht weiter argumentiert. Ganz im Gegenteil führen die in diesem Buch enthaltenen Dokumente sehr anschaulich vor Augen, wie radikal das revolutionäre Regime der Nationalen Front in der Tschechoslowakei schon lange vor der Machtergreifung der Kommunisten mit den europäischen Rechtsnormen gebrochen hatte. Entnommen sind diese Dokumente der 1995 erstmals in Brünn in zwei Bänden vorgelegten und 2002 neu aufgelegten tschechischen Gesamtedition der „Dekrete des Präsidenten der Republik 1940-1945, die von Karel Jech und Karel Kaplan besorgt wurde. Aus den insgesamt 143 Dekreten wurden zwei aus dem Jahr 1940 ausgewählt, die die Basis der Dekretalgesetzgebung abgaben, sowie „dreizehn in polemischen Darstellungen oft zitierte Dekrete“ (Jech), also jene, mit denen die Entrechtung und Enteignung der Deutschen und Magyaren verfügt wurde. Sie wurden alle neu übersetzt, denn angeblich würden „einige Dekrete des Präsidenten nach nicht ganz zuverlässigen und teilweise sogar gezielt entstellenden Übersetzungen zitiert“ werden. Tatsächlich haben die Übersetzer, wie sie selbst schreiben, dann nur wenige „inhaltliche Ungenauigkeiten“ in den bisherigen Übersetzungen festgestellt, die „meist nicht erheblich“ sind. Jetzt heißt es „natürliche Person“ und nicht, „physische Person“, und die uneinheitliche Übersetzung von „vyhlásení“ als „Kundmachung“ oder „Bekanntmachung“ wurde ebenfalls beseitigt, womit die textkritische Debatte beendet sein dürfte und man sich wieder dem Inhalt zuwenden könnte. Positiv zu erwähnen sind auch die Anmerkungen zu den Dekreten, die unter anderem auf mit ihnen zusammenhängende Rechtsvorschriften verweisen. Zudem enthält der Band Auszüge aus den Protokollen der Regierungssitzungen, die sich mit der Behandlung der Deutschen und der Ungarn beschäftigten. Zwei erfreulich sachliche und unpolemische Beiträge von Jan Kuklík über die Entstehungsgeschichte der Dekrete und von Vladimír Mikule über ihre heutige rechtliche Bedeutung ergänzen den Band. Mikule weist zu recht darauf hin, dass der den Dekreten diskriminatorisch zugrunde gelegte Begriff der „deutschen Nationalität“ eben nicht an die Staatsbürgerschaft gebunden war, sondern aus Sprache und „Stammeszugehörigkeit“ abgeleitet wurde. Eben diese ethnopolitische Grundierung der Dekrete wurde ja bestritten, nicht zuletzt vom Brünner Verfassungsgerichtshof. Eine Anmerkung der Herausgeber zum ‑ Straffreistellungsgesetz vom 8. Mai 1946 stellt richtig fest, dass auf seiner Grundlage auch Verfahren gegen solche Täter eingestellt wurden, „die bei der Internierung und während der sogenannten wilden Abschiebung im Frühjahr und Sommer 1945 mit verabscheuungswürdiger und brutaler Gewalt gegen Deutsche vorgegangen waren oder die als pseudorevolutionäre Usurpatoren sich den verlassenen deutschen Besitz angeeignet beziehungsweise den Diebstahl ermöglicht und dergleichen gedeckt hatten.“ Ebendies aber wurde im Zuge der Debatte um den EU-Beitritt der Tschechischen Republik nicht nur von tschechischen Diplomaten, sondern schließlich auch von EU-Kommissar Verheugen vehement in Abrede gestellt. Der junge österreichische Historiker Niklas Perzi fügt die Problematik der Benes-Dekrete in den großen Zusammenhang der deutsch-tschechischen Geschichte ein und folgt ihr weiter bis in die jüngsten Debatten, die er akribisch registriert hat. Perzi ist die mit Abstand beste und intellektuell anregendste Einführung in dieses Thema gelungen, die zur Zeit auf dem deutschen Buchmarkt erhältlich ist, sachlich, fair und flüssig geschrieben. Im Gegensatz zu einem großen Teil der sudetendeutschen Publizistik argumentiert er mit Nachdruck, dass die „ethnische Flurbereinigung“ bei Benes eben nicht chauvinistisch, sondern positivistisch-szientistisch motiviert war. Benes verstand sie „als Beitrag zur Stabilisierung des Staates, den er als sein ureigenstes Geschöpf betrachtete, und Beginn einer sozialen Revolution. 1945 erklärte Benes, dass man nun, nach Herstellung der nationalen Einheit des Landes, darangehen könne, den demokratischen und sozialen Neuaufbau zu bewerkstelligen. 1918 habe man diesen noch, ‚aus Rücksicht auf unsere Deutschen und Magyaren’, welchen man dieses ,Maß an Freiheit und Demokratie’ nicht habe zugestehen können, aufschieben müssen, heute sei die Zeit auch international reif dafür." Neben dem Rachedurst des Mobs und dem kalkulierten Einsatz von Gewalt zur Zerstörung der sozialen Ordnung durch die Kommunisten bildete der szientistische Glaube der tschechischen Elite in die Plan und Machbarkeit des Fortschritts ein drittes und entscheidendes Element in der „endgültigen Liquidierung“ der „deutschen Frage“. Über den dabei einzuschlagenden Weg herrschte breiter Konsens, seit sich Benes 1943 in Moskau mit Stalin verbündet hatte, ebenso über das Ziel, nämlich die Vollendung der nationalen und sozialen Revolution, die Hitlers Zerstörung der europäischen Ordnung ermöglicht hatte. „Die Vertreibung und Enteignung der Deutschen war nur ein Teil davon, wenn auch kein unwichtiger. Rechtlosigkeit, Repressalien gegen angebliche Volksfeinde, Massenmorde, Säuberungen ‑ das alles war keine Erfindung der KP, sondern geschah unter den Augen und mit Zustimmung der Demokraten, mit Benes an der Spitze, schon vorher.“ Die These von der „Spontaneität“ der Befreiung weist Perzi zurück, es handele sich dabei um eine „Schutzbehauptung der wirklich verantwortlichen politischen Eliten des Landes, die keine andere Alternative“ als die Vertreibung gesehen hätten. Natürlich ist unter den tschechischen Demokraten keiner mehr, der so weit ginge, Massenmord, Massenvergewaltigung und roten Straßenterror als unvermeidliche Begleiterscheinung des Aufbaus der neuen Nachkriegsordnung zu rechtfertigen. Die Vorstellung aber, die „endgültige Lösung“ der nationalen Frage sei ein Gebot der aufklärerischen Vernunft gewesen, wirkt bis heute weiter, etwa in der Bemerkung des gegenwärtigen tschechischen Ministerpräsidenten Spidla, der „Transfer“ der deutschen Bevölkerung habe den Frieden in Europa gesichert. „1918 wie 1945 waren die Tschechen doppelte Sieger, die
Sudetendeutschen doppelte Verlierer ‑ des Krieges wie des Friedens. Beide
Male erwiesen sich die Tschechen als schlechte, weil wenig großzügige Sieger.“
„Nun“, bilanziert Perzi nach der erfolgreichen
Verteidigung der Dekrete durch die Prager Diplomatie vor der Europäischen
Union, „steht die tschechische Politik wiederum vor der Alternative, entweder
die böhmischen Deutschen wenigstens symbolisch heimzuholen oder auf ihrem zwar
rechtlich argumentierbaren, politisch jedoch unklugen Standpunkt zu beharren
und damit jenes Gefühl zu erwecken, das schon Arnold Toynbee
in den dreißiger Jahren als kleingeistige Rechthaberei brandmarkte ‑
wurzelnd in der so typischen Mischung aus äußerem Triumphgehabe und tiefer
innerer Unsicherheit ob der Leichtigkeit des errungenen Sieges“.
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Dreihundert Jahre Kontakt zu Petersburg
Alexander Puschkin prägte einst den Begriff der "Göttingischen Seele". Was dahinter steckt, zeigt jetzt die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek mit der Ausstellung "300 Jahre St. Petersburg - Russland und die 'Göttingische Seele'".
Aus Anlaß der dreihundertsten Wiederkehr der Gründung St. Petersburgs beschreibt die Ausstellung das Wirken bedeutender Göttinger Gelehrter in Russland. Vom 26. Oktober bis zum 18. Januar 2004 veranschaulichen im Historischen Bibliothekssaal der Paulinerkirche seltene Drucke, wertvolle Handschriften Urkunden, Landkarten, Stadtansichten, Gemälde, Kupfestiche, Photographien, Tier- und Pflanzenpräparate, ethnographische Gegenstände, Medaillen und wissenschaftliche Instrumente die mannigfaltigen Beziehungen zwischen Göttingen und Russland. Viele Stücke sind erstmalig in Deutschland zu sehen. (chal) (FAZ 17.10.2003) |
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Zwei katholische Geistliche, der Pilsener Bischof Frantisek Radkovský und der Ettaler Benediktiner Angelus Graf Waldstein, sind am Mittwoch in Budweis mit dem Kunstpreis zur deutsch-tschechischen Verständigung ausgezeichnet worden, der alljährlich vom Adalbert-Stifter-Verein und der Prager Union für gute Nachbarschaft vergeben wird. Radkovský, der häufig an Veranstaltungen von Tschechen und Sudetendeutschen teilnimmt, hat die Vertreibung der Deutschen mehrmals verurteilt. Waldstein, der "böhmische Graf und bayerische Benediktiner", bemüht sich seit Jahrzehnten um Versöhnung und Zusammenarbeit.
(kps.) (FAZ 16.10.2003) |
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Die Moskauer Buchmesse findet in diesem Jahr vom 3. bis zum 8. September statt, wie üblich im alten Messepark im Norden der Stadt. Man erwartet Aussteller aus mehr als sechzig Ländern; als besondere Gäste werden literarische Botschafter verschiedener afrikanischer Länder zugegen sein. Auftritte von Folklore-Ensembles sollen de Ereignis zusätzlichen Glanz verleihen. Im Rahmen der Messe werden die Bestseller des Jahres gekürt und mit Preise ausgezeichnet. |
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Eine Familie wurden sie erst nach 1945 Das weiträumige Gelände der Messe scheint für die Teilnehmer eine Nummer zu groß zu sein. Es entsteht das Gefühl von langen Wegen. Ist das angesichts der schrumpfenden Besucherzahlen ein Zeichen dafür, dass es „dem Ende entgegen geht“, wie es ein anwesender Beamter eines Prager Ministeriums im Vorbeigehen beschreibt? In den 50er und 60er Jahren waren es Hunderttausende, die mit Bussen, ja sogar Sonderzügen anreisten. Das Sudetendeutsche Treffen am Pfingstwochenende in Augsburg ist dennoch immer noch ein Großereignis. Die Veranstalter sprechen von 60 000 Teilnehmern. „Totgesagte leben länger“, meint ein altgedienter Sudetendeutscher zu den Unkenrufen. „Vielleicht sollte man sich heute einmal zur Abwechslung darüber wundern, dass auch jetzt, ganze 58 Jahre nach der Vertreibung immer noch Tausende kommen.“ Was führt die Menschen hierher? Wieso setzten sich die die vielen alten Leute der Strapaze einer Massenveranstaltung aus? Warum kommen so viel Jüngere zum Treffen. Bei den scharfen Worten Stoibers an die Adresse der tschechischen Regierung, der Forderung der Abschaffung der „Benes-Dekrete“ sind es gerade auch sie, die Jüngeren, die applaudieren, wenngleich hier jung schon bei sechzig abwärts beginnt. Zum Beispiel der Trachtenträger aus der Oberpfalz, Jahrgang 1955. Er wird sich trotz Temperaturen von über 30 Grad an beiden Tagen in seiner aus dicken Stoffen hergestellten Bekleidung zeigen. Detailgenau erläutert er, dass die Egerländer Männertracht keineswegs Jahrhunderte alt sei, wie man vermuten könnte, sondern dass ihre jetzige Form aus den 30er Jahren stammt, also dem „Volkstumskampf“ entsprungen ist. Freimütig erläutert er das besondere Strickmuster seiner weißen Kniestrümpfe, und da er Lehrer und gebildet ist, weiß er, dass diese weißen Kniestrümpfe einst das Erkennungszeichen der deutschnationalen Anhänger der Henlein-Partei waren. Wie ein Lauffeuer muss sich Anfang der 30er Jahre, die „Mode“ der weißen Kniestrümpfe verbreitet haben und mit ihr die Gewissheit, dass man mit ihr „die Tschechen“, von deren Staat man sich diskriminiert fühlte, ärgern kann. Auch wenn Folkloristisches, darunter auch Fragwürdiges, bisweilen dem Bedürfnis nach Verklärung der Vergangenheit entgegenkommt, bestimmen nicht die Trachtenträger und Trachtenträgerinnen das Bild. So war es schon in den früheren Zeiten. „Bei uns hat man keine Trachten getragen, die Sudetendeutschen waren ein Industrievolk“, kommentiert er stolz die Identität seiner Landsmannschaft. Gleichwohl ist er gerührt beim Einzug von Fahnenträgern mit ihren bunten Trachten. Sie halten die Namen all der Landschaften Böhmens, Mährens und Böhmisch-Schlesiens hoch, die einst von Deutschen bewohnt waren: „Mit den vielen Ortsnamen auf den Fahnen wird man sich bewusst, was da alles untergegangen ist.“ 1946 war er gerade erst 14 Jahre alt, als er mit einem der zahllosen Güterwaggontransporte nach Heidelberg kam. Ein typischer Fall. Die meisten, die heute zu Sudetendeutschen Tagen kommen, waren damals Kinder oder Jugendliche. Oft haben sie die Umstände der Vertreibung ihrer Familien bis heute nicht verarbeitet, wie auch der emeritierte Professor. Am Abend des ersten Tages geht er in die große Show folkloristischer Darbietungen aus dem alten Böhmen. Auch die Lesung des Adalbert-Stifter-Vereins aus dem Werk des deutsch-böhmischen, antifaschistischen Schriftstellers Josef Mühlberger findet nicht seine Aufmerksamkeit. Es zieht ihn in den Vortrag von Hartmut Jatzko über „Das Trauma der Vertreibung“. Jatzko erlebte selbst als böhmisch-deutsches Kind das Chaos des Kriegsendes und machte sich als Chefarzt einer Klinik für psychosomatische Erkrankungen später einen Namen. Auch Tilmann Zülch von der Göttinger Gesellschaft für bedrohte Völker ist gekommen. Als Kind erlebte er in Nordböhmen, wie leicht und schnell man ein ganzes Volk verschwinden lassen kann. Ganze 12 000 Menschen umfasst die gigantische Schwaben-Halle, in der die Hauptkundgebung stattfindet. Schon zur katholischen Frühmesse hatte sie sich gefüllt, die meisten Menschen bleiben sitzen, um auf der Hauptkundgebung, bei der Edmund Stoiber eine Rede halten soll, dabei zu sein. Ähnlich wie schon Bernd Posselt, der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft, und Johann Böhm, Sprecher der Sudetendeutschen, proklamiert Stoiber, dass man in Tschechien nur ja nicht auf eine biologische Lösung der sudetendeutschen Frage hoffen solle. Wer die tschechische Politik der letzten Zeit verfolgt hat, der weiß, dass in Prag genau auf diese biologische Lösung gesetzt wird. Nicht, erst seit gestern tut nach Ansicht der Sudetendeutschen die tschechische Regierung so, als wäre unter den „odsun“, dem „Abschub“, wie die Zwangsaussiedlung bis heute in Tschechien umschrieben wird, längst ein Schlussstrich gesetzt. „Wir sind eine Familie“, ist ein beliebtes Motto aus dem Munde des Vorsitzenden Posselt. Wie wird man aber so eine Familie? Die einst deutschsprachigen Landschaften der heutigen Tschechischen Republik unterschieden sich beträchtlich voneinander – durch Dialekt, Kultur, soziale Struktur. Bis 1918 verband einen Südmährer mit einem böhmischen Erzgebirgler am ehesten die gemeinsame Reichshauptstadt Wien, dann nur noch wenig. Nach der Gründung der Tschechoslowakei wurden sie alle eine Minderheit im eigenen Land und damit immer mehr Sudetendeutsche. Eine Familie wurden sie dann endgültig nach 1945, oft über Nacht ‑ getrieben von bewaffneten tschechischen Nationalgardisten. Das prägt einige bis in die zweite und dritte Generation. Von einigen anderen Familienmitgliedern ist die Rede. In der Gedenkminute für die Toten wird nicht an die Sozialdemokraten und andere Gegner des Nationalsozialismus erinnert. Nach der Angliederung an das Dritte Reich wurden sudetendeutsche Antinazis in KZ’s verschleppt, nach dem Ausbruch des Krieges wurden sie in Strafbataillone der Wehrmacht gesteckt. Viele verloren ihr Leben, Tausende flohen wegen ihrer Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus ins Ausland. Auf dieses Erbe könnte jeder sudetendeutsche stolz sein. Doch werden sie übergangen oder nur am Rande erwähnt. Auch der ermordeten jüdischen Bewohner Böhmens, Mährens und Böhmisch-Schlesiens wird kein einziges Mal gedacht. Auch das gehört zu Sudetendeutschen Tagen: Die Bögen, die manche Menschen umeinander machen. Roswita D., die einer sozialdemokratischen Familie entstammt, kommt jedes Jahr, aber sie legt Wert auf Distanz zu einem Mann im Raum. Er war seinerzeit HJ-Führer. Seine Angehörigen gehörten zu den Stützen des Dritten Reiches im Dorf. Dennoch klatschen sowohl Roswita D. wie auch der ehemalige HJ-Führer später bei Stoibers Forderung nach der Abschaffung der „Benes-Dekrete“. Also doch eine Familie? Möglich, aber keine so harmonische, wie es sich Bernd Posselt manchmal vielleicht erträumt. Das übergreifende Merkmal eines Sudetendeutschen Tages ist
gewiss die Wärme und Aufgeschlossenheit, mit der Menschen, auch Fremde, einander
begegnen. Besonders jüngere haben es bei den Alten leicht, die sich darüber
freuen, dass jemand an Lebensgeschichte interessiert ist. Hier sind sie zwei Tage
ganz unter sich, hier wird sie keiner „Sudetengauner“ oder „Rucksackzigeuner“
nennen, wie in den ersten Jahren in Deutschland, damals, als man in ihnen Eindringlinge
sah und sie noch nicht zum „Stamm Bayerns“ avancierten. Hier, in den geräumigen
Hallen, kann auch Peter Fischerbauer durchatmen, der Tschechisch gelernt hat,
tschechische Freunde gefunden hat und der, so oft er kann, in die südböhmische
Heimat seiner Eltern fährt, sich dort sogar verfallenen Stall zu einer
bewohnbaren Behausung umgebaut hat. Dort hat er ein Stück seiner verlorenen
Identität gefunden. Auch er, ein moderner Zeitgenosse und zeitgenössischer
Künstler, ist hier unter den seinen. Das zeigt sich spätestens, als er schon.
zum Gott wievieltem Mal die Formulierung vom „vierten Stamm“ hört: „Was heißt
hier der vierte Stamm, wir sind der erste, ohne uns wäre Bayern immer noch ein Agrarland.“
So viel sudetendeutsches Selbstbewusstsein sein lässt vermuten, dass es die biologische
Lösung eben doch so bald nicht geben wird.
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Dieser slowakische Ikarus ist ein Phönix aus der Asche
Europas:
Walzer auf italienisch und Walzer auf deutsch sind zweierlei. Nicht zwei Herzen im Dreivierteltakt, eher schon zwei Rhythmen, die aneinander vorbeischlagen. Anna Valle jedenfalls scheint eher zu hüpfen denn zu gleiten, dabei hat sie einen Tanzpartner, der elegant vom leicht graumelierten Scheitel bis zur glanzpolierten Sohle zu führen weiß. Erol Sander gibt sich alle Mühe, Mal um Mal drehen sie ihre Runden durch den großen Ballsaal, die Statisten, die eine Prunkgesellschaft darstellen, warten geduldig, um sich ebenfalls unter den Kamerakran zu stürzen. Sie spielen die Hochzeit des Schahs von Persien, den Erol Sander gibt, Anna Valle ist „Soraya“. So heißt auch der Zweiteiler, der hier für die ARD und die Rai gedreht wird. Der ihn produziert und an einem frischen, sonnigen Januartag im Mantel durch die kalten Säle des Palazzo Royale in Neapel stapft, sich den Weg durch hingestellte Garderoben und über Kabelberge hinweg bahnt und, wo immer er auftaucht, von Schauspielern und Filmleuten voller Wärme begrüßt wird, ist dafür bekannt, ambitionierte Großprojekte ins Werk zu setzen. Er ist der Mister Europa des Produzentengewerbes. Er ist der Mann, der die Programmberge des Leo Kirch in Bewegung setzte, die „Bibel“ verfilmen ließ und nach unwürdigem Abschied ‑ vor der Pleite und dem Zusammenbruch des Imperiums ‑ mit seiner eigenen, viel kleineren Firma „Eos“ weitermacht, wo er bei Kirch aufhören musste. Er macht weiter mit dem großen Film, mit dem großen Fernsehen, mit „Napoleon“ und Gerard Depardieu, mit „Papst Johannes XXIII.“ und mit „Caesar“. Heute bekommt Mojto in Aachen die „Karlsmedaille“ verliehen wie zuletzt Cees Noteboom und davor Lord Weidenfeld. Morgen kommt der Bayerische Fernsehpreis in München hinzu. Endlich Rampenlicht für den, der sonst hinter den Kulissen wirkt. Jan Mojto sieht, wenn er der Verfertigung seiner Filme beiwohnt, immer ein wenig besorgt aus. Was einen bei dem organisierten Chaos, das Filmarbeit nun mal ist, nicht wundert. Was das alles kostet an Zeit, Mühe, Aufwand, Blut, Schweiß, Tränen und Geld. Doch so angespannt der Produzent wirkt, so kindlich staunt er und begeistert er sich allein für die Perfektion der Kulissen. Im tunesischen Hammamet hat sein Produktionspartner, die italienische Lux-Vide, für zehn Millionen Euro das Forum Romanum im Maßstab eins zu eins hingestellt. Vier Mehrteiler über die „Caesaren“ werden hier gedreht, „Augustus ‑ Der erste Kaiser“, mit Peter O’Toole, Benjamin Sadler und Ken Duken in den Hauptrollen, läuft Ende des Monats bereits bei der Rai und zum Jahreswechsel im ZDF, im Herbst beginnen die Aufnahmen für „Nero“, dessen Darsteller noch nicht feststeht. Vierhunderttausend Euro haben die Kostüme gekostet, die Soraya, den Schah und die anderen kleiden, die für den Dreh zwischen Neapel, Rom, Fez, Marrakesch, Sofia und Köln getourt sind. Sie spielen in echten Kulissen oder in solchen, deren Samt, Seide und Damast so erlesen und klug drapiert ist, dass es nur so aussehen kann, als ob Erol Sander und Claude Brasseur als Ministerpräsident Mossadeq wirklich im Palast des Schahs über das Schicksal Persiens verhandeln. Ausstattung und Flair nehmen den Schauspielern viel von dem Zwang zur Vorstellung ab, die sie sonst im Studio, womöglich vor dem Blue Screen aufbringen müssen. Das ist das Gegenteil von „Matrix Reloaded“, das ist, wenn man so will, das „alte Europa“, das deshalb aber noch lange nicht altbackene Filme. sondern solche mit einer Opulenz macht, die Fernsehnationen mitreißt oder zumindest kalt lässt, so wie es zuletzt bei dem Vierteiler „Napoleon“ in Frankreich und Deutschland geschah. „Zum alten ‚Europa’ zähle ich mich eindeutig hinzu“, sagt Jan Mojto, „doch ich empfinde die Äußerung nicht als Schimpfwort, sondern als Herausforderung zu zeigen, dass wir genauso gut, in manchem vielleicht sogar besser sind als die Amerikaner.“ Es ist kein Großsprechertum, wenn Mojto für das hiesige Fernsehen reklamiert, was dem europäischen Film ‑ jenseits von Cannes ‑ nur an lichten Tagen im Kino gelingt. Die Stücke, die der „überzeugte Europäer“ Mojto inszenieren lässt, sind nicht immer das Lieblingsprogramm der Kritiker, wohl aber der trotz Konjunkturflaute erfolgreiche Versuch, großes Fernsehen zu machen. Sein stärkster persönlicher Antrieb wiederum verbindet Jan Mojto mit Amerika – der Gedanke der Freiheit. „Wenn man von Freiheit geträumt hat, dann hat man von Amerika geträumt, nicht von Europa“, sagt Mojto. Und meint mit „man“ sich selbst und Freunde, die aus dem Osten Europas flohen, als es noch den Eisernen Vorhang gab. Mojto, am 13. Mai 1948 im slowakischen Nitra geboren, flüchtete 1969 als junger Mann in den Westen. Er ging nach Paris und München, zehn Jahre darauf landete er bei Leo Kirch, der ihn zur Nummer zwei in seinem Konzern machte und einmal einen Filmdeal mit dem tschechoslowakischen Staatsfunk einging, dessen Gegenleistung hauptsächlich darin bestand, dass Mojtos Eltern ihren Sohn ein-, zweimal pro Jahr im Westen besuchen durften. Seine Familiengeschichte hat den Mann aus Nitra denn auch gelehrt, niemals für selbstverständlich zu nehmen, was im „alten West-Europa“ von Status-quo-Gläubigen schnell vergessen wird: „der Drang zur Freiheit“. Mit diesem verbindet sich auch eine der Figuren, die dem achtsprachig verhandelnden Mojto einfallen, wenn es um historische Größen geht, deren Leben er noch verfilmen möchte: Neben dem Eroberer Alexander dem Großen und dem Archäologen Heinrich Schliemann, der wie er Geschichte respektive Geschichten ausgräbt, ist es der Astronom, französische Offizier und eigentliche Mitbegründer der Tschechoslowakei, Milan Rastislav Stefánik (1880-1919). Der kämpfte für eine von Österreich unabhängige Republik in seiner Heimat, in die er nach dem Versailler Vertrag zurückkehren wollte, dort aber lebend nicht ankam. Das Flugzeug, in dem der zwischenzeitlich zum General beförderte Stefanik saß, zerschellte am 4. Mai 1919 bei der Landung auf einem Flugplatz nahe Bratislava. Seinen Tod empfänden die Slowaken bis heute als nationale Tragödie, schrieb die „Neue Zürcher Zeitung“ und berichtete, dass es auch eine Theorie gebe, dass dieser „slowakische Ikarus“ nicht einem Unfall, sondern einem Attentat seines Widersachers Edward Benes zum Opfer gefallen sei. Nahe der Sonne, aber nicht zu nahe zu siedeln, darum müht sich wiederum Jan Mojto, dessen Firma „Eos“ an die Göttin der Morgenröte zwar erinnert, in Wahrheit aber nur das englische „Events on Screen“ abkürzt. Worin sich das Spitzbübische dieses erfahrenen Produzenten ausdrückt, von dem die Schauspieler schwärmen, um dessen Überzeugungskraft die Senderverantwortlichen wissen und der, wenn man seine Vita, sein Oeuvre und den Geist, aus dem heraus dieses entsteht, ein wenig kennt, kein überraschender Träger eines europäischen Preises ist, den vor ihm Nooteboom und Weidenfeld bekamen. „Den Begriff ‚europäische Produktion’ gibt es ja gar
nicht“, sagt Jan Mojto, nicht nur im Fernsehen. Ihm
reicht das Label „Produktion in Europa“ vollends, wenn es um Stoffe geht, die „national
definiert sind, aber über die Grenzen eines Landes hinaus wirken“. Neben „Nero“ wird er sich darum als nächstes ‑ wieder mit
seinem Freund Depardieu ‑ auf „Die drei Musketiere“ stürzen, bei uns zu
sehen irgendwann bei Sat.1. Mit seiner neunundachtzigjährigen Mutter in Nitra hat Mojto sich zuletzt aber
über etwas ganz anderes gefreut. Über das positive Votum zum EU-Beitritt in der
Slowakei. „Es zählt schließlich jede Stimme“, habe sie gesagt und sei zum
Referendum gegangen. Hätten es nur zwei Prozent Wähler weniger ihr gleichgetan,
wäre Europa ein Stück kleiner geworden. In der Welt ihres Sohnes greift es bis
Afrika und in die ganze Welt aus.
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Glühendes Rot, gleißender Lack: Das neue alte Bernsteinzimmer ist vollendet
ZARSKOJE SELO, 13. Mai Die überragende Bedeutung, die dem Bernsteinzimmer heute für die russische Kultur zugemessen wird, ist ohne sein abenteuerliches historisches Schicksal undenkbar: Das kunstgewerbliche Wunderwerk, das ursprünglich den Reichtum des armen stolzen Preußen verherrlichte, hat sich seit seiner Verschleppung durch die deutsche Wehrmacht und seinem Verschwinden in das mystische Symbol eines zauberischen Raumes verwandelt, wie es wohl nur dem leidgeprüften russischen Boden entwachsen kann. Das so mit russischer Bedeutung aufgeladene deutsche Kunsthandwerk verkörperte als solches schon die deutsch-russischen Beziehungen, deren Kriegsbelastungen durch die soeben feierlich abgeschlossene Wiederherstellung des Prachtstücks durch russische Kunsthandwerker und Geld des deutschen Erdgaskonzerns Ruhrgas in ein schönes Beispiel freundschaftlicher Zusammenarbeit verwandelt wurden. Dies stellten mit Genugtuung das Ruhrgas-Vorstandsmitglied Middelschulte und der russische Kulturminister Schwydkoj fest, als sie gestern das originalgetreu vollendete Werk zur Vorbesichtigung präsentierten. Es stellt sich die Frage, inwieweit das Bernsteinzimmer mit seiner materiellen Wiedergewinnung seine mythische Kraft verlieren wird. Der Senior der russischen Bernsteinkunst, Alexander Kedrinski, der sich noch an das echte Bernsteinzimmer aus der Vorkriegszeit erinnert, ist von der Rekonstruktion begeistert. Der hochglanzpolierte Bernstein leuchtet in kräftigen Farbschattierungen von hellgelb über senf- und karamelfarben bis blutrot, während der Farbton des Originalwerks bei Kriegsbeginn rostartig gewesen sein soll, nicht zuletzt weil die stumpf gewordene Oberfläche überlackiert worden war. Wegen schlechter Wartung waren damals außerdem viele Steinfragmente verloren gegangen. Jetzt kann man in allen Einzelheiten die kleinen geschnitzten Girlanden, Blumenmotive, allegorischen Figuren bewundern, außerdem Miniaturlandschaftsbilder, die als Negativform in die Rückseite durchsichtiger Bernsteinklumpen geritzt und durch unterlegte Metallfolie gehöht sind. Selbst solche Einzelheiten können Originaltreue beanspruchen, weil das Bernsteinzimmer Ende des neunzehnten Jahrhunderts mit großen Negativen in Gänze fotografiert worden war. Nur den genauen Farbton mussten die Restauratoren am Helligkeitsgrad der Schwarzweißaufnahmen erschließen. An dem stellenweise glühenden Rotton des neuen Bernsteinzimmers hat sich denn auch die Kritik der Fachleute entzündet. Auch der Bernstein für das ursprüngliche Bernsteinzimmer wurde farblich verändert, durch Techniken der Erhitzung und Pigmentbehandlung, welche die russischen Kunsthandwerker nach historischen Rezepten eigens erlernten. Doch da keine Farbe dokumentiert ist, entscheiden am Ende auch die ästhetischen Überzeugungen und persönlicher Geschmack der Künstler. Einige sollen die Werkstatt im Protest verlassen haben. Aber auch der an den älteren Paneelen mehr beigefarbene und an den neuesten mehr dunkelrote Farbton kündet von einer künstlerischen Evolution während der Arbeit am Bernsteinzimmer. Die den drei großen Fenstern nächsten Flächen entsprechen am ehesten dem, was man sich unter Bernstein vorstellt. Mit der Zeit wird die Politur ihren beinahe kunststoffartigen Glanz verlieren, ist von den Restauratoren zu erfahren, und die innere Zeichnung des Steins wird stärker hervortreten. In dem Katharinenpalast der Zarenresidenz Zarskoje selo
wird das „achte Weltwunder“, bearbeitet durch den russischen Barockarchitekten
Rastrelli, in Szene gesetzt, unterstrichen und gerahmt durch hohe Spiegel und
vergoldete Holzschnitzereien. Unmittelbar vor dem Abschluss der Restauration
fand im nahe gelegenen Puschkin-Museum eine Konferenz zum Thema Beutekunst
statt, auf welcher abermals die unterschiedlichen Rechtsauffassungen in
Deutschland und Russland erklangen und einiger praktischer Restitutionserfolge,
aber auch der Rückschläge, insbesondere mit der sogenannten Baldin-Sammlung,
gedacht sowie die zahlreichen Hypothesen über den Verbleib des echten
Bernsteinzimmers rekapituliert wurden. Die Anwesenden zeigten sich überzeugt,
dass die Suche nach dem Original weitergehen wird.
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Kanada umspielt die „schwedische Falle“ und wird Weltmeister
HELSINKI. An der Stätte seines letzten WM-Triumphes ist Olympiasieger Kanada auf den Eishockey-Gipfel zurückgekehrt. Die Profis aus dem Eishockey-Mutterland setzten sich im spannenden Finale von Helsinki mit 3 : 2 nach Verlängerung gegen Schweden durch und gewannen zum 22. den Weltmeistertitel. Kanada, das im Viertelfinale die deutsche Nationalmannschaft mit 3 : 2 in der Verlängerung bezwungen hatte, wiederholten vor 13 400 Zuschauern in der Hartwall-Arena in Helsinki den Erfolg von 1997, als sie an gleicher Stelle in drei Finalspielen ebenfalls über die Skandinavier triumphiert hatten. Anson Carter erzielte nach 13:49 Minuten der Verlängerung das entscheidende Tor für den Olympiasieger von Salt Lake City, der wie vor sechs Jahren vom früheren Berliner Coach Andy Murray trainiert wurde. Verteidiger Daniel Tjärnqvist (11.) und Stürmer Per-Johan Axelsson (19.) hatten die Schweden, die zuletzt 1998 in der Schweiz den WM-Titel gewonnen hatten, mit 2 : 0 in Führung gebracht. Shawn Horcoff (20.) und Shane Doan (50.) glichen für die kanadischen NHL-Profis aus und erzwangen die Verlängerung. Einsatz, Kampf, Spannung bis ins Finale, dieser Trend hat sich bei der WM abgezeichnet. 1998 hatte die destruktive taktische Entwicklung im Eishockey ihren Höhepunkt erreicht. Schweden gewann den WM-Titel in den beiden Finalspielen gegen Finnland im Zürcher Hallenstadion 1 : 0 und 0 : 0. Die Schweden zelebrierten die totale Spielkontrolle, „schwedische Falle“ genannt. So konnte, so durfte es nicht weitergehen im Eishockey. Der Zweilinienpass wurde abgeschafft. Statt nur an der Mittellinie können die Stürmer jetzt aus der eigenen Zone heraus mit Steilpässen auch ganz vorne an der gegnerischen Blauen Linie angespielt werden. Diese Regeländerung hat das Spiel geöffnet, der „Schweden-Falle“ die Grundlage entzogen und die erhoffte Rückkehr zum Spektakel gebracht. Stehen die wirklich großen Stars auf dem Eis, wird wieder Offensiveishockey zelebriert wie zu den unvergesslichen Zeiten der Makarow, Larionow, Krutow & Co. in den achtziger Jahren. So wie beim Viertelfinale dieser WM in Finnland zwischen Finnland und Schweden. Die Finnen führten 5 : 1 und verloren 5 : 6. Diese größte WM-Show seit den großen Zeiten des sowjetischen Nationalteams zelebrierten Spieler, die zu den Besten der Welt zählen: die Schweden Peter Forsberg, Mats Sundin und Henrik Zetterberg, die Finnen Saku Koivu und Teemu Selänne. Die Tschechen, diese Meister der Taktik, oft als Italiener des Eishockeys bezeichnet, zahlten die Zeche für diese Entwicklung. Ihr perfektes Mannschaftsspiel half ihnen diesmal nichts. Zum ersten Mal seit 1981 kassierten sie im Halbfinale beim 4 : 8 gegen Kanada bei einer WM wieder acht Tore. Das war noch nicht alles: Sie verloren im Spiel um Platz drei gar zum ersten Mal bei einem WM- oder Olympiaturnier gegen ihren Erzrivalen Slowakei. Die Kanadier boten bei dieser WM mehr als nur Teamwork. Ihr
Stürmer Dany Heatlev gilt nicht zu Unrecht als „the next one“
‑ als legitimer Nachfolger von Wayne Gretzky. Und Olympiasieger Ryan Smyth gilt als einer der Besten der Welt. Er verbindet
technische Klasse und beinharten Einsatz zu einem explosiven Gemisch, gewinnt
alle Bullys und kann der Bande entlang eigentlich nur
durch Foulspiel von der Scheibe getrennt werden. Auf den ersten Blick läuft da
eine Entwicklung gegen das deutsche Eishockey. Denn Superstars fürs
internationale Parkett produziert das deutsche Eishockey nicht. Aber auf den
zweiten Blick kommt diese Renaissance der Stars dem Team von Hans Zach durchaus
entgegen. Wenn die Spielsysteme zerfallen, dann erlebt nicht nur der technisch
und läuferisch begabte Spieler eine Renaissance. Dann gelangt auch der gute
alte edle Zweikampf Mann gegen Mann zu neuer Blüte. Das einfache, altmodische
Hockey mit einem Riegel von vier Mann an der Blauen Linie, das Bundestrainer
Zach mit einer selbst im internationalen Hockey nur ganz seltenen Disziplin
spielen lässt, kommt wieder ins Spiel.
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Seit vergangenen Samstag zieht sie wieder Abertausende Zuschauer weltweit in ihren Bann: die Eishockey-Weltmeisterschaft, die diesmal bis zum 11. Mai in Finnland ausgetragen wird.
Bleibt abzuwarten,
welche Mannschaft sich diesmal den WM-Titel sichern wird, den sie dann in zwölf
Monaten bei der WM 2004 in Tschechien an den Spielorten Prag und Ostrava verteidigen zu haben wird.
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Vaclav Havel hat 1996 heimlich eine Runde mit dem
Rolls-Royce von Konigin Elisabeth II. gedreht. Das verriet Havels ehemaliger
Sprecher Ladislav Spacek der Prager Zeitung ”Lidove noviny” vom Freitag.
Während eines Besuchs der Königin im März 1996 habe er sich aus Neugier
gemeinsam mit Havel in der Garage der Prager Burg in den Wagen der Monarchin
gesetzt, sagte Spacek. Mit einem Mal habe Havel das Gefährt gestartet und sei
in den Innenhof der Burg gefahren: ”Zum Glück war das Burgtor verschlossen,
sonst wäre der Präsident noch auf die Straße gebogen.” |
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Am 27. Mai 1703 begannen Bauarbeiter Zar Peters des Großen an der Mündung der Newa mit dem Bau der Peter-und-Paul-Festung. Das zukünftige St. Petersburg war geboren. Für die Dreihundertjahrfeier in diesem Jahr sind zahlreiche historische Gebäude und Plätze restauriert worden. Andere Vorhaben sind in der Bürokratie hängen geblieben, wie der Zoo, der zu einer Dauerbaustelle verkommen ist und dem jetzt sogar der Rauswurf aus der European Association of Zoos and Aquaria droht. Gefeiert wird zwar das ganze Jahr über, aber den Schwerpunkt bilden die zehn Tage vom 23. Mai bis 1. Juni. Da zu den Feierlichkeiten auch mehr als 1500 hochrangige Staatsgäste, unter ihnen die Präsidenten und Staatsoberhäupter aus insgesamt 45 Ländern, erwartet werden, gilt die höchste Sicherheitsstufe. Vom Mittag des 29. Mai bis Mittag des 1. Juni sind alle Inlandsflüge abgesagt worden. Über den internationalen Flugverkehr soll bis spätestens Ende März entschieden werden. Das Programm (Auszug): ![]() (S.V., 21.03.2003)
Seit 1998
veranstaltet die Messestadt Brünn das Feuerwerkfestival ”Ignis Brunensis”. Vom
30. Mai bis 7. Juni treten an sechs Abenden Feuerwerker aus Tschechien,
Deutschland, Spanien und Italien zum Wettbewerb um die Zuschauergunst an. |
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Einer der Preisträger der tschechische Germanist Ludvík Václavek Die Herder-Preise 2003 der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. Hamburg gehen an
sieben Wissenschaftler und Schriftsteller aus dem osteuropäischen Raum: an den
bulgarischen Historiker Vassil Gjuzelev, an den Schriftsteller Drago Jancar aus
Slowenien, an den ungarischen Sprachwissenschaftler Károly Manherz, den
Kunsthistoriker Stanislaw Mossakowski aus Polen, an den Schriftsteller Ales
Rasanau aus Weißrussland, an den Germanisten Ludvik Václavek aus Tschechien und
an die rumänische Architekturtheoretikerin Ana-Maria Zahariade. Die Preise der
Stiftung sind mit jeweils 15 000 Euro dotiert.
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Im Februar dominierte in den Medien der Sänger Karel Gott
In den Medien hat im Februar bei den Künstlern eindeutig der Sänger Karel Gott dominiert. Häufig hat man auch über die Sängerin Helena Vondrackova, den Schauspieler Miroslav Hornicek, den Regisseur Zdenek Troska und die Sängerin Lucie Bila geschrieben und gesprochen. Das ergab eine Untersuchung der Gesellschaft Newton Information Technology (Newton IT). Gott wurde in den Medien am häufigsten im Zusammenhang mit der erfolglosen zweiten Parlamentswahl des Präsidenten und der Entstehung der Initiative „Karel Gott – prezident“ erwähnt. Zum gleichen Ergebnis kommt die Fernsehumfrage, TyTy, die Gott ebenfalls zum Sieger kürte, und das schon zum sechsten Mal. Helena Vondrackova wurde am häufigsten im Zusammenhang mit ihrer Hochzeit mit dem Unternehmer Martin Michal genannt, die am
Monatsende auf Karlstejn stattfand. Der bekannte Filmschauspieler Miroslav Hornícek war nach einer längeren Krankheit am 15. Februar in
Liberec gestorben. Die Beiträge über ihn
erinnerten an seine künstlerische Vielseitigkeit, sein Theaterverständnis,
seinen einmaligen Humor und seinen Einsatz in der Sendung „Hovory
H.“. Die Medien widmeten sich detailliert der Freundschaft Horníceks
mit weiteren Legenden des tschechischen Theaters und Films. Einen bedeutenden
Raum erhielt die Verabschiedung des Künstlers durch das Nationaltheater. Im Fall der Sängerin Lucie Bila ging es im Februar vor
allem um die Informationen über ihre Trennung von Ehemann Stanislav Penka und
um ihr erfolgreiches Konzert in New York. Sie wurde auch Siegerin in der
Kategorie Sängerinnen bei der Fernsehumfrage TyTy. Zu Monatsende referierten
die Medien dann über die Begeisterung der Sängerin über die Wahl von Vaclav Klaus
zum Präsidenten der Republik. Die neue Komödie von Zdenek Troska “Kamenak” wurde im
zweiten Monat ihrer Ausstrahlung zum Gegenstand von zahlreichen Rezensionen.
„Andelska tvar“, der vorjährige Film des Regisseurs, erhielt dann die
Nominierung in vier Kategorien für den Preis der Tschechischen Film- und
Fernsehakademie, den Tschechischen Löwen. |
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Stalins wahres Geburtsdatum entdeckt
Die echte Geburtsurkunde von Josef Stalin wurde erst jetzt bei ZDF-Recherchen im Staatsarchiv in Georgien gefunden. Sie belegt, dass das überlieferte Geburtsdatum (21. Dezember 1879) falsch ist. Anhand des Originals steht fest: Stalin wurde am 6. Dezember 1878 (nach dem alten, damals gültigen Julianischen Kalender) geboren. Offenbar wollte der Diktaktor biographische Angaben verschleiern. (pps)
![]() Zum 50. Todestag Stalins, der eigentlich Josif Dschugaschwili hieß, will einer seiner Urenkel in Amerika politisches Asyl beantragen. Der 37 Jahre alte Wissarion Dschugaschwili sagte einer kanadischen Zeitung, er habe wegen seines Nachnamens nicht als Dokumentarfilmer in Georgien arbeiten können. Er sei in Georgien mehrfach bedroht und kürzlich sogar zusammengeschlagen worden. Der Vater von Wissarion, Jewgenij Dschugaschwili, ist ein überzeugter Anhänter Stalins und hat auch schon in Russland für eine stalinistische Splitterpartei bei den Parlamentswahlen erfolglos kandidiert. Er hat seinen Sohn Wissarion genannt, und der wiederum seinen Sohn Josif, so dass der kleine Sohn des Asylsuchenden nun so heißt wie sein Ururgroßvater: Josif Wissarionowitsch Dschugaschwili. Eine Entscheidung über das Asylgesuch des taktlosen Vaters beim ehemaligen Klassenfeind ist noch nicht bekannt. (mwe.) (F.A.Z., 05.03.2003) |
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Bisher wurden 150 Kandidaten, davon 21 Organisationen, für den diesjährigen Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Die Zahl der für die renomierteste internationale Auszeichnung vorgeschlagenen Namen nähert sich dem Rekord des Vorjahres mit 156 Vorschlägen und kann ihn sogar noch schlagen. Einige Nachrichtenagenturen führen unter den diesjährigen Kandidaten den tschechischen Ex-Präsidenten Vaclav Havel an, der seit Anfang der 90er Jahre als der bedeutendste Bewerber für den Friedensnobelpreis angesehen wurde. Nach bisherigen Informationen sind unter den Vorgeschlagenen beispielsweise auch der Ex-Gouverneur des amerikanischen Bundesstaates Illinois, George Ryan, der unmittelbar vor dem Auslaufen seines Mandats im letzten Monat die Todesstrafen von 156 Verurteilten in lebenslängliche Strafen umgewandelt hat, oder die Chefs der Waffeninspektionen OSN im Irak, Hans Blix und Muhammad Baradej. Außer vom tschechischen Ex-Präsidenten spricht man auch vom Regierungschef Frankreichs, Jacques Chirac. Nach der Agentur AFP sind unter den Kandidaten auch Papst Johannes Paul II., der Sänger der irischen Gruppe U2, Bono, und der kubanische Dissident Oswaldo Paya. Aus der ehemaligen Tschechoslowakei sind bei früheren Bewerbungen
für den Nobelpreis die folgenden fünf Persönlichkeiten am weitesten gekommen: T.G. Masaryk,
Edvard Benes,
Alexander Dubcek, Jiri Hajek und
Vaclav Havel. Kein einziger ist
jedoch mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden. In der mehr als hundertjährigen
Geschichte des Nobelpreises sind lediglich zwei Tschechen mit diesem Preis
gewürdigt worden: der Chemiker Jaroslav Heyrovský (für Chemie 1959) und der Dichter Jaroslav Seifert (für Literatur im Jahr 1984). Einige Preisträger hatten aber immerhin tschechische
Wurzeln, so z.B. Friedensnobelpreisträgerin Baronin Bertha von Suttner (geborene Gräfin Kinsky). |
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Die in deutscher Sprache schreibende Schriftstellerin Lenka Reinerova erhielt die diesjährige Goethe-Medaille. Diese Ehrung bekommen bereits seit dem Jahr 1954 alljährlich Persönlichkeiten, die sich im Ausland um die deutsche Sprache und den kulturellen Austausch mit Deutschland verdient gemacht haben. Der Schriftstellerin wird die Medaille am 22. März, dem Todestag Goethes (22. März 1832) in Weimar aus den Händen von Jutta Limbach, der Präsidentin der deutschen kulturellen Goethe-Gesellschaft – Institut Inter Nationes überreicht werden. Die Prager Schriftstellerin, die im Jahr 1916 geboren ist, lebte inmitten der ständigen Entwicklungen und Umwälzungen unterworfenen deutschen, jüdischen und tschechischen Kulturen. Erst kürzlich beschrieb sie die Zeit ihrer dritten Gefangenschaft während der Stalinistischen Säuberungen im Jahr 1952, und dies in dem Buch „Vsechny barvy slunce a noci“ (Alle Farben der Sonne und der Nacht), das in der Tschechischen Republik im vergangenen Jahr im Verlag Labyrint erschienen ist und in Deutschland Ende März auf den Buchmarkt kommt. (S.V.; radio.cz) |
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Der aus Potsdam stammende Slawist Wolfgang Kasack, der mehr als zwanzig Jahre, bis 1992, das Slawische Institut der Kölner Universität leitete, hat stets über die Grenzen der akademischen Literaturwissenschaft hinausgestrebt. Er wollte den Deutschen eine echte, lebendige Kultur Russlands der Moderne, wie er sie verstand, vermitteln. Deswegen hat der Gelehrte seinen besonderen Ehrgeiz darauf verwandt, den unter der Sowjetmacht stark begradigten Kanon der neuen russischen Literatur um Dissidenten und Emigranten zu erweitern. Den Ertrag dieser Arbeit stellt Kasacks „Lexikon der russischen Literatur ab 1917“ dar, in welchem er offiziöse Sowjetautoren mitberücksichtigt, deren revolutionären Furor er jedoch oft als literarisch platt abtut und im übrigen aus seiner Sympathie für die klassischen Traditionen kein Hehl macht. Verdienstvoll ist auch sein Nachschlagewerk „Russische Literatur des 20. Jahrhunderts in deutscher Sprache“, welches unbekannte Namen festhält, durch Kurzrezensionen erschließt und obendrein durch die Berücksichtigung verstreuter Pressestimmen die seinerzeit aktuelle kritische Debatte rekonstruiert. Doch
Kasacks Vermittlermission richtet such auch auf die offizielle
Sowjetwissenschaft. Ende der siebziger Jahre widmete er der sowjetischen
Akademie der Wissenschaften eine Studie, welche deren Geschichte bis zu den
Gegenwartsgelehrten samt Fachbereichen, sozialer Stellung und sogar Gehältern
auflistet und der Öffentlichkeit eine Terra incognita einsichtig machte.
Außerdem betätigte sich Kasack als Übersetzer; so hat er unter anderem Gogols „Tote Seelen“ neu übertragen. Mit Leidenschaft
verfolgte er in der Perestrojka-Zeit die damalige Aufarbeitungsliteratur in den
Zeitschriften, was sein Sammelband über die sozialkritischen Erzählungen aus
der Illustrierten „Ogonjok“ zusammenfasst. Eine
schöne Würdigung kam aus Russland, wo sein Literaturlexikon auf Russisch
herauskam. Wolfgang Kasack ist am 10. Januar im Alter von 75 Jahren in seinem
Wohnort Much bei Köln gestorben. Kho. |
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Unter dem Namen „Lasst uns im Werk das Vaterland rühmen“ (Twortschestwom slawim otetschestwo) ist in Moskau eine internationale Kulturstiftung gegründet worden. Erklärtes Ziel der Organisation ist es, das patriotische Bewusstsein der Russen zu entwickeln und, orientiert an der russischen Kultur und Geschichte, Russland ein neues „Image“ sowie einen würdigen Platz in der Weltkultur zu verschaffen. Zu den Gründungsmitgliedern gehört das militärkünstlerische Grekow-Studio in Moskau, die Zeitschrift „Slowo“ sowie die deutsche Firma „Kunst-Agentur“. Die Stiftung will junge Küstler durch Stipendien fördern. |
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Blahoslav Hecko wurde am 18.9.1915 in Suchá nad Parnou
als der jüngere Bruder von Frantisek Hecko, des Autors von „Cervené
víno“, geboren. Blahoslav Hecko studierte zunächst Pädagogik
und anschließend romanische Philologie an der Philologischen Fakultät
der Slowakischen Universität in Bratislava (1941-43). Seine Studien
setzte er an den Universitäten Rom und Neapel fort. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er für Kulturinstitutionen
und Redaktionen tätig. Vor seiner Pensionierung arbeitete er ein ganzes
Jahrzehnt als Redakteur des Verlag „Slovenský spisovatel“.
Für seine außergewöhnlichen übersetzerischen Leistungen hat man ihn in seiner Heimat wie im Ausland mit Ehrungen gewürdigt. Der Präsident der Slowakischen Republik hat ihm 1997 die Auszeichnung „Pribinov kríz“ I. Klasse verliehen. Zu den Ehrungen, die er am meisten schätzte, gehörte der italienische Preis für Übersetzung „Premio Nazionale per la Traduzione“, die ihm der Präsident der Italienischen Republik für seine Übersetzungen aus dem Italienischen ins Slowakische verliehen hat. Erst kürzlich übergab der italienische Botschafter in der SR seiner Ehefrau Marína eine weitere Ehrung. Hecko gehörte zu den wenigen Übersetzern, die den Titel des „Verdienten Künstlers“ der Slowakischen Republik zuerkannt bekommen haben (1981). Nationale Ehrungen erhielt er von beinahe allen Verlagen vor 1989. Blahoslav Hecko starb am 22.12.2002 nach langer Krankheit. (Sme, TASR, 25.12.2002) |
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Eine Große Russische Enzyklopädie in
dreißig Bänden soll in den kommenden zehn Jahren von der Russischen
Akademie der Wissenschaften herausgebracht werden. Ein Erlass von Präsident
Putin sichert dem Unternehmen die vollständige Finanzierung aus Haushaltsmitteln
zu. Der erste, der Russichen Föderation gewidmete Band soll 2004 erscheinen.
(F.A.Z., 11.12.02)
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Von Prag nach Paris:
Er kam als verfolgter Dissident und wurde zum gefeierten „écrivain
francais“, einem der angesehensten und erfolgreichsten – wird Milan Kundera,
weltweit strahlender Leuchtturm der französischen Literatur, aus Neid
und als Rivale von seinen neuen Kollegen und den Kritikern geschmäht?
Gibt es ein Komplott mit fremdenfeindlichen Untertönen? Lange wurde
der Dichter, der seine Bücher seit bald fünfzehn Jahren auf französische
schreibt, in seinem Exil einmütig gefeiert. Doch seit geraumer Zeit
schon ist eine Entfremdung zwischen Kundera und Paris zu beobachten. Kundera,
der keine Interviews gibt und nicht ins Fernsehen geht, bleibt stets auf
Distanz zum Literaturbetrieb. Inzwischen verweigert er sich seinen Ritualen
nicht nur mit zunehmender Hartnäckigkeit: Seinen vorletzten Roman
„die Identität“ veröffentlichte Kundera nicht in der Sprache
seiner Entstehung, sondern zuerst in Italien. Die Originalausgabe erfolgte
mit gebührender Verspätung. Paris war beleidigt und deckte den
einst gehätschelten Star mit hämischen Verrissen ein, wie sie
Kundera nie zuvor erlebt hatte. Doch es gab auch für „Die Identität“
noch reichlich Lob in der Hauptstadt der Literatur. Das bislang einzige
Buch seither trägt den Titel „Die Unwissenheit“ und erschien als Weltpremiere
im April 2000 in Spanien. Die Übersetzungen folgten einer Reihenfolge,
welche fast schon die jeweilige Zuneigung der Kritik und Kulturszene für
Kundera widerzuspiegeln scheint. In Italien wurde das Werk hoch gelobt
und zum Bestseller, in Deutschland erschien es im Frühling 2001 bei
Hanser, in den Vereinigten Staaten im vergangenen Januar, und soeben kam
es in England heraus. Doch in der Sprache, in der es geschrieben wurde,
kann „Die Unwissenheit“ noch immer nicht gelesen werden. Der „Figaro littéraire“
bat Kundera jetzt um ein klärendes Gespräch und wurde mit einer
ebenso freundlichen wie ironischen Antwort fernschriftlich abgewiesen:
„Ich bin langsam.“ Und nachtragend, zitiert die Literaturbeilage einen
Freund des Schriftstellers. Schmollt Kundera? Der „Figaro“ rekapituliert
die enthusiastische Aufnahme des Romans in Italien, Spanien, Amerika –
ohne ein Wort über die Rezeption in Deutschland zu verlieren. Auch
die Würdigung seines Gesamtwerks durch die „Académie Francaise“
hat Kundera nicht versöhnlicher gestimmt. Kritisch äußert
sich der „Figaro“ über den Pariser Literaturbetrieb, der die Moden
liebe. Kundera sei nicht der erste, den man hochspiele und wieder fallenlasse.
Man verzeihe dem ehemaligen Dissidenten, mit dem man so gerne die Anziehungs-
und Integrationskräfte der eigenen Kultur demonstrierte, womöglich
auch nicht, dass er zum Konkurrenten geworden sei. Weltweit und in der
Gunst des heimischen Publikums. Tatsächlich erreicht Kundera in Frankreich
hohe Auflagen. Um so verzweifelter ist sein Verlag Gallimard. Und um so
grotesker wirkt die Provinzposse in Paris. Ein zweiter Hintergrund seines
Ärgers könnte die Enthüllung seiner stalinistischen Anfänge
in Prag sein. Pessimisten fürchten inzwischen sogar, dass Milan Kundera
überhaupt kein Buch mehr in seiner Wahlheimat veröffentlichen
könnte. Vielleicht will er auch nur – und sei es auf Kosten seiner
treuen Leser, die sich schon ziemlich verschaukelt fühlen müssen
– die Kritiker umerziehen. In der Tat würde es den Pariser Literaturpäpsten
nicht schlecht anstehen, auch einmal ein Buch in einer Fremdsprache zu
lesen. J.A. (F.A.Z. vom 14.11.2002). Siehe zu Kundera auch das Walk-Lexikon.
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"Selbst auf den Sesseln
sehr entfernter Länder einmal sitzen", hoffte Franz Kafka, als er
im Oktober 1907 seine Stelle bei der Versicherung Assicurazioni Generali
am Prager Wenzelsplatz antrat. Doch "Zuckerrohrfelder oder mohammedanische
Friedhöfe" vor den Bürofenstern blieben ein Wunschtraum. In Briefen
an die Freunde Max Brod und Hedwig Weiler klagte der Schriftsteller vor
allem über endlose Arbeitstage: Eine "Eisenbahnfart durch Nacht und
Tag" mit nie nachlassendem Druck seien diese - "die Stunden außerhalb
des Bureaus fresse ich wie ein wildes Thier". Das neobarocke Gebäude
der Versicherung, in dem Kafka neun unfrohe Monate verbringen sollte, wurde
am 30. Oktober 2002 in der tschechischen Hauptstadt für 11,7 Millionen
Euro von der Firma Josefska 1 ersteigert (Die Abbildung zeigt die heutige
Ansicht des Eckhauses). Auf eine Versetzung an einen angenehmeren Ort hat
Franz Kafka damals nicht gewartet, sondern schied im Juli 1908 aus der
Assicurazioni Generali aus. Seine neue Anstellung als Aushilfsbeamter der
halbstaatlichen "Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich
Böhmen in Prag" behielt er bis 1922 - sie ließ ihm mehr Freizeit
für das Schreiben. (zerp.) (FAZ, 01.11.2002; Foto: Frank Röth)
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In einem Interview für
die Umfrage "VIPs und Minderwertigkeitskomplexe" antwortete Karel Gott
auf die Frage, ob er jemals unter Minderwertigkeitskomplexen gelitten habe:"Man
sagt wohl nicht umsonst, dass ein Mensch voller Komplexe nichts erreicht.
Aber je älter ich werde, desto deutlicher wird mir bewusst, dass ich
mich einer Menge von Dingen einfach oberflächlich gewidmet habe, ohne
tiefere Kenntnis oder ein Studium. Das gilt wohl nur nicht für die
Musik, da ich ihr eigentlich meine ganze Zeit gewidmet habe, und das freiwillig.
Es ärgert mich, daß ich mit den Fremdsprachen so gebummelt habe
- da könnte man vielleicht von Minderwertigkeitskomplexen sprechen.
Deutsch habe ich erst Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger gelernt,
als ich anfing, für Polydor zu drehen und zwischen der Heimat und
Deutschland pendelte. Aber sonst? Ich hatte die ideale Chance, auf dem
Konservatorium Italienisch zu lernen, denn dort sang man doch fast alles
auf Italienisch. Ich tat es nicht. Zwar kann ich mich jedes Mal irgendwie
verständigen, genauso wie auf Englisch, Russisch, aber ich würde
es gerne vollkommen können. Und Französisch? Das ist eine Tragödie.
Und dabei würde ich gerne nach Frankreich reisen, mir alle wunderschönen
Orte ansehen, die ich nur aus Büchern und Filmen kenne, mit den Winzern
über Wein reden. Ich kann leider nur ein paar Höflichkeitswendungen,
und so fahre ich dort am liebsten gar nicht hin. Denn ich unterhalte mich
gern mit Leuten, frage sie nach allem aus, und ohne Sprachkenntnisse geht
es einfach nicht." (nach: www.tvoje.cz, 14.10.2002)
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Stand: 25.05.2003