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Die Inszenierung von Georg Büchners Woyzeck im Prager Theater Divadlo na Vinohradech wurde mit dem Alfréd-Radok-Theaterpreis für die Inszenierung des Jahres ausgezeichnet. Regie des Stücks hatte Daniel Špinar. Den Titel "das Theater des Jahres" gewann bereits zum dritten Mal die Prager Bühne Pražské komorní divadlo. Mit dem Alfréd-Radok-Jubiläumspreis wurde der deutsche Szenograph Tom Schenk für das Bühnenbild für Benjamins Brittens Oper "Der Tod in Venedig" ausgezeichnet, die in der Prager Staatsoper aufgeführt wurde. Über die Preise entschieden die Theaterkritiker in einer Umfrage, die von der Fachzeitschrift "Sve(t a divadlo" initiiert wurde. Die Preise wurden am Samstag im Prager Theater Kolowrat verliehen. ![]() |
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KPdSU-Parteichef zögerte mit dem Einmarsch in Prag R.O. WIEN, 12. November. Bislang galt Leonid Breschnew, der von 1964 bis 1982 Parteichef der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und damit „erster Mann" der Sowjetunion war, als Hardliner. Nun wird man an dem Bild, das er hinterließ, gewisse Korrekturen vornehmen müssen, auch und gerade im Westen. Breschnew war es, der sich im Konflikt um den „Prager Frühling" 1968 um eine „politische Lösung" bemüht hatte. Wie der österreichische Historiker Stefan Karner, Leiter des in Graz, Wien und Moskau wirkenden „Ludwig-Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgen-Forschung", soeben in Wien darlegte, wollte Breschnew einen Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts zur Niederschlagung der Demokratiebewegung in der damaligen Tschechoslowakei bis zuletzt verhindern. Wie die von ihm favorisierte „politische Lösung" hätte aussehen sollen, erläuterte der Berliner Historiker Manfred Wilke: Breschnew bemühte sich um eine Restauration der Machtposition der Partei der tschechoslowakischen Kommunisten unter Alexander Dubcek, was aber nicht gelang. Dafür gab es systemimmanente ideologische wie auch paktinterne Gründe. In Moskau plädierte vor allem der Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Marschall Andrej Gretschkow, für die Niederschlagung der „Prager Konterrevolution". Zuvor hatte die SED in der DDR als erste Partei die Ereignisse in der Tschechoslowakei als „Konterrevolution" bezeichnet. Walther Ulbricht befürchtete, dass sich die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei (KPTsch) in Richtung Sozialdemokratie wandeln könnte. Die „Aggressivität" der DDR in dieser Frage erklärte Wilke aber auch mit den - angesichts der Prager Ereignisse - aufkeimenden Diskussionen über die stalinistischen Verbrechen. Ulbricht habe verhindern wollen, dass derlei Stimmen als „Propaganda der BRD" und des Westens gegen die Ostblockstaaten hätte verwendet werden können. Neben Ulbricht waren es vor allem der polnische Parteichef Gomulka und der Bulgare Todor Schiwkow, die ein militärisches Vorgehen befürworteten. Schon im April 1968 hatte auch Gretschkow intern Pläne erläutert, denen zufolge die Armeen des Warschauer Pakts „dem tschechoslowakischen Volk zur Hilfe kommen" sollten, sagte Karner. Ministerpräsident Alexej Kossygin, neben Breschnew der zweitwichtigste Mann in der sowjetischen Hierarchie, gebardete sich in den Sitzungen des Politbüros und des Zentralkomitees (ZK) zunächst als Vertreter der harten Linie, rückte davon aber ab, als er, wie wohl auch Breschnew, ein klareres Bild über die Vorgänge in Prag gewonnen hatte. Letztlich beugte aber auch er sich der „Mehrheitsmeinung" im Politbüro und in den Führungen der Bruderparteien. In Moskau sprachen sich neben Gretschkow der führende Ideologe Michail Suslow, KGB-Chef Jurij Andropow, das ukrainische Mitglied Pjotr Schelest und ZK-Generalsekretär Andrej Kirilenko als treibende Kräfte für eine militärische Lösung in Prag aus, der sich Breschnew und Kossygin letztlich „unterordneten". Die Wissenschaftler beziehen ihre Erkenntnisse über die Vorgänge vor und nach dem Einmarsch in der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 aus der Arbeit an einem zeitgeschichtlichen Großprojekt. Dass ihnen bisher unzugängliche Beschlüsse und interne Berichte des Zentralkomitees der KPdSU über den Prager Frühling, der sich im Jahr 2008 zum 40. Mal jährt, zur Verfügung stehen, verdanken sie der Kooperation mit zwei der in dieser Angelegenheit sachkundigsten Moskauer Institutionen: dem Historischen Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften und dem Russischen Staatsarchiv für Zeitgeschichte unter der Leitung Michail Prosumenschtschikows. Auch das Tschechische Institut für Zeitgeschichte unter seinem Leiter Oldrich Tuma ist an dem Projekt beteiligt. Insgesamt haben mehr als 50 international renommierte Forscher an den Untersuchungen zum Prager Frühling mitgewirkt. Die Arbeiten werden 2008 abgeschlossen und in einer zweibändigen Publikation (getrennt nach Akten und Darstellungen) veröffentlicht. Der Aktenband enthält die erstmalige Veröffentlichung der Beschlüsse des ZK und des Politbüros der KPdSU, Verhandlungsprotokolle sowie Berichte aus Botschaften, etwa über die Reaktion der internationalen Öffentlichkeit. Die Forschungsergebnisse und Publikationen sollen am 40. Jahrestag der gewaltsamen Niederschlagung des Prager Frühlings in einer Konferenz in Wien präsentiert werden. FAZ, 13.11.2007 |
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Der Komponist Petr Eben ist tot
Der tschechische Komponist Petr Eben ist im Alter von achtundsiebzig Jahren nach langer Krankheit gestorben. Ebens Sohn Marek sagte der Nachrichtenagentur CTK am Donnerstag in Prag: "Mein Vater ist kurz vor Mitternacht zu Hause entschlafen." Eben wurde im tschechischen Zamberk geboren und studierte Klavier und Komposition an der Universität in Prag, wo er später auch Komposition lehrte. Er komponierte Opern, Oratorien, Chorwerke, Konzerte, Orchesterwerke und Kammermusik. Bekannt wurde er jedoch vor allem durch seine Orgel-Kompositionen, etwa der 1957 bis 1958 entstandenen "Sonntagsmusik". Als Interpret trat Eben in den großen Konzertsälen Europas auf und wurde auch für seine kunstvollen orgelimprovisationen gerühmt. Im Jahr 2000 erhielt er den Preis der Europäischen Kirchenmusik. Eben überlebte das Konzentrationslager Buchenwald, in das er 1945 wegen seiner jüdischen Herkunft verschleppt worden war. F.A.Z.
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Josef Skvoreckys »Jazz-Geschichten« sind vielleicht das beste, was je über Jazz geschrieben wurde Jürgen Lentes Der Jazzer war von Natur aus ein Außenseiter, stand außerhalb der etablierten Gesellschaft: »Ich war ein Dandy, ein Hipster, ein Schniegel – doch, doch, das war ich; das hatte auch seinen politischen Sinn, es legitimiert eine oppositionelle Haltung, und nicht nur das, es hat auch mit dem Mythos zu tun, der Jugend, dem Mythos an sich ...«, so charakterisiert sich einer von den Helden in Josef Skvoreckys »Jazz-Geschichten«, die unter dem Titel »Das Baßsaxophon« vorliegen. Denn nicht nur in den Staaten, auch in Europa, auch in der Tschechoslowakei war der Swing ein süßes Gegengift zum Establishment und den Katastrophen der Zeit. Ganze Städte, auch in der Provinz, swingten, Namen schwirrten durch die verräucherten Clubs, Bars und Kaffeehäuser: Chick Webb, Andy Kirk, Duke Ellington, Mary Lou Williams, Count Basie oder Bing Crosby. »Auch untrüglich nichtarische Namen wie zum Beispiel Benny Goodman waren im Gespräch, doch ein Name vor allem: Louis ›Satchmo‹ Armstrong. Nachts vor den Radioempfängern brachten uns Synkopenstürme aus Stockholm zum Schwingen, wo man sich in Zeiten arischer Tonkunst verdient machte um die Verbreitung jenes Giftes, das für uns, wenn ich so sagen darf, das Leben bedeutete. Für uns das Leben, für sie der Tod. Darum ging ihnen unsere Musik so auf die Nerven, darum spielten wir sie mit solcher Ausdauer.« So wie auch der 1924 im ostböhmischen Náchod geborene Josef Skvorecky begeistert zum Saxophon griff. Seinen Heimatort hat er in vielen Romanen als Kostelec auf der literarischen Landkarte verewigt, sein Alter ego Danny Smiricky ist in vielen Romanen mit ihm gealtert. Skvoreckys umfangreiches Romanwerk, das man in mehrere Zyklen aufteilen kann, ist nicht mehr und nicht weniger als eine Geschichte Mitteleuropas des 20. Jahrhunderts: Demokratie, Naziokkupation, Krieg und Kriegsende, die Befreiung durch die Russen, Stalinismus, Reformversuche des sozialistischen Systems und deren Niederschlagung, Exil. Wie auch Skvorecky 1969 mit seiner Frau Zdena Salivarnová-Skvorecky ins kanadische Exil ging und in Toronto den wichtigsten tschechischen Exilverlag, die »68 Publishers«, gründete. In der Tschechoslowakei hat man Skvorecky nie vergessen. Als sein Roman »Feiglinge« dort 1948 erschien und verboten wurde, sorgte dies für einen der größten Literaturskandale der Nachkriegszeit. Sein halbstarker Held interessiert sich nicht die Bohne für die große Politik, es ist der Jazz und es sind die Mädchen, die in seinem Kopf herumspuken. Vor allem das Mädchen, das er eines Tages in Prag kennenlernen wird. Zum ersten Mal in deutscher Sprache (hervorragend übersetzt von Andreas Tretner, Marcela Euler und Kristina Kallert) ist nun ein Band mit Erzählungen erschienen, die um das zentrale Motiv des Jazz kreisen. Herzstück der Sammlung ist zweifelsohne die Titelgeschichte »Das Baßsaxophon«, ein novellistisches Meisterwerk, von dem der berüchtigte Kritiker der New Yorker Village Voice, John F. Szwed, behauptete, es sei die beste Prosa, die je über Jazz geschrieben wurde. Der jugendliche Held spaziert durch Kostelec, Noten unter dem Arm, und sieht, wie einem seltsamen Mann der Instrumentenkoffer aufgeht. Er eilt hinzu, um zu helfen und sieht ein Baßsaxophon, wie »ein Waschzuber so groß ... ein Traum, ein theoretisches Rechenexempel ...« Er hilft dem Mann, es ins Hotel zu tragen, dort ist dessen Kapelle schon versammelt, ein wahres Panoptikum von Musikern, wie einem Tom-Waits-Cover entstiegen. Sie bitten ihn, da der Saxophonist erkrankt ist, mit einzusteigen bei dem Konzert, das »Lothar Kinze und sein Unterhaltungsorchester« am Abend geben sollen. Abgesehen davon, daß die Band überhaupt nicht swingen kann, ist da noch ein anderes Problem. Der Auftritt ist ein »Konzert für die deutsche Gemeinde in Kosteletz«. Undenkbar in Zeiten der faschistischen Besetzung, daß ein tschechischer Junge für die Okkupanten musiziert. Doch das Baßsaxophon ist zu verlockend: »Erst hauchte ich nur. Ganz schwach. Dann stärker. Ich spürte, wie das Blatt vibrierte. Nun pustete ich ins Mundstück, ließ die Finger über die Klappen wandern ... Vielleicht, daß sterbende Brachiosaurier so röhrten.« Alles läuft gut im Konzert vor den Nazi- und Kollaborateursschergen, bis der »erkrankte« Saxophonist seinen Ersatzmann von der Bühne zerrt und selbst einsteigt: »... der Baßsaxophonist holte Luft; auf der Bühne explodierte ein grauenerregender, düsterer, prähistorischer Ton; er sprang auf das mechanisch ruckende Walzerwägelchen; begrub es unter sich; verschlang alle Disharmonie, sie zerfloß in seinen Tiefen; der Mann blies in das Instrument mit maßloser, wütender, verzweifelter Lungenkraft ... ein Mann kämpfte mit einem Saxophon ...; vorne Lother Kinze und sein Unterhaltungsorchester, dahinter die von Horst Hermann Kühl und seiner Entourage; eben noch butterweich und fließend, nun vor Schrecken starr; der bayrische Traum wie Äther verdunstet; man konnte zusehen, wie die überrumpelten milden Züge sich zur ovalen Maske eines römischen Konquistadoren formierten ...« In dieser meisterhaften Erzählung zieht Skvorecky alle ihm zur Verfügung stehenden Register: die Geschichte ist ein einziger großer »Stream of consciousness«, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden verschränkt, die Worte und die Musik verschmelzen auf unnachahmliche Weise. Eine Prosa schreibt der Mann, die ist zum Niederknien lebendig und schön. * Josef Skvorecky: Das Baßsaxophon, Jazz-Geschichten. Übersetzt von Andreas Tretner, Marcela Euler und Kristina Kallert. Ausgewählt und mit einem Nachwort von Jirí Holy. Die Tschechische Bibliothek, DVA, München 2005, 364 Seiten, 19,90 Euro
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Lyrikerin Jirina Hauková gestorben
Die tschechische Lyrikerin Jirina Hauková ist im Alter von sechsundachtzig Jahren in Prag gestorben. Hauková wurde 1919 in Prerov (Mähren) geboren und studierte Philosophie. Später war sie Mitglied der tschechischen Künstlerorganisation "Gruppe 42". In ihren von der modernen amerikanischen und englischen Poesie beeinflussten Gedichten beschäftigte sich Hauková besonders mit der Entfremdung der Menschen in den Städten. Nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei 1968 durfte sie als "politisch Unzuverlässige" nicht publizieren. dpa
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Die Welt, gesehen von Zelary aus: Kveta Legátovás großer Roman „Die Leute von Kummersdorf", das wäre es vielleicht - denn Zelary verspricht nichts Heiteres, und mit ein wenig Slawischem im Ohr denkt man gleich an Kummer, Klage und Bedauern. Die Romanschriftstellerin Kveta Legátová, die jahrzehntelang als Lehrerin in mährisch-slowakischen Dörfern arbeitete, hat am eigenen Leibe erfahren, in welchen engen Grenzen die Menschen dort leben und wie schwer es ihnen fällt, sich in einem plötzlichen Moment des Selbstvertrauens und Glücks zur Freiheit emporzuschwingen - wie der blutjunge Vratislav, der „Augenblicke erlebt hatte, die nichts trüben konnte, in denen er frei atmete, in vollkommener Harmonie mit allem, was da lebendig war". Die Geschichten von Zelary bilden ein anziehend altmodisches Buch, das die Tradition immer wieder beiseite schiebt. Die Dorfwelt, in welche die Autorin zurückblickt, ist jene der fernen Jahre der Republik, von ungefähr 1925 bis 1935, aber sie hat kein Genügen am überlieferten Dorfroman (dem die tschechische Literatur das Edelste und später das ideologisch Suspekteste verdankt) und setzt Kompositionskraft und sprachliche Energie daran, das Vorgegebene in überraschender Modernität zu revidieren. Ihre Nostalgie verbindet sich mit einer artistischen Konsequenz, die zwar so tut, als erzähle sie die Dinge einfach, wie sie geschehen, aber auch dafür sorgt, dass die unerwartetsten Wendungen und Überraschungen nicht fehlen. Wir sind bald sehr gespannt darauf zu wissen, was es mit Pavlina (vorbestraft und später Schwester Andrea im Nonnenheim), der sechsjährigen Katinka Bojarová, die schon Latein studiert, und dem Landstreicher Florysek, einst Clown im Wanderzirkus, auf sich hat. Wenige der acht Geschichten dieses Bandes sind in gerader Linie erzählt, wie die von der schönen, stolzen und reichen Gutstochter Zusanka, die Eltern und Freunde verlässt, um ihrem geliebten Pferdeknecht zu folgen (er wird im Steinbruch verschüttet, als sie ihm ihre Schwangerschaft gestehen will, und sie ist dankbar für ein Jahr ungetrübten Glücks). Als Autorin hält sich Kveta Legátová lieber an die Technik der wandernden Kamera und der verstreuten Indizien; und indem sie ihren Film langsamer oder schneller abzuspulen beginnt, verrät sie ihre private Neigung zu ihren Lieblingsfiguren, der zierlich sehnigen Kräuterfrau und Hebamme Lucka, „ein Luder, aber kein Mistvieh", wie sie sich selber bezeichnet (viele Männer einst, und jetzt der Sliwowitz im Wirtshaus); der merkwürdig habgierigen Zefia, welche die einfallsreichsten Werke der Volkskunst produziert, ohne zu wissen, was sie tut; und, vor allen anderen, der sechsjährigen Katinka Bojarová, „Milchschwester" des unruhigen Vratislav Lipka, die einander in einer untrennbaren Freundschaft anhängen, ehe er ins Erziehungsheim muss, aus dem er wieder entflieht. Zuchthäusler, schöne Zigeuner und Zigeunerinnen, ein haltloser Hütteningenieur, Mägde, die rasch in fremden Betten landen - aber selbst die traditionellen Figuren des Dorfromans fügen sich nicht ganz in die Schablonen. Der Dorflehrer (dem die Kollegin das Privileg zugesteht, in der ersten Person sprechen zu dürfen) scheitert fast an der Widerborstigkeit der Kinder, und der Dorfpfarrer, der die Brutalität der Männer und die „freiwillige Leibeigenschaft" der Frauen so lange gesehen hat, zweifelt, in aller Demut, an sich selbst und an den Worten des Evangeliums. Um so willkommener, dass viele Dorfleute, alt und jung, bei den Theateraufführungen mitmachen, die der junge Honza im Wirtshaussaal und anderswo veranstaltet, und nicht nur die alten Biedermeierstücke einstudiert, sondern auch neue Poesie in Begleitung von Geige und Zimbel inszeniert und mit den jungen Leuten Ausflüge nach Brünn und sogar Prag unternimmt, um dort den neuesten Aufführungen beizuwohnen. Honza und Kveta Legátová halten das Gehör des Dorfes für die Sprache der Poesie offen und zelebrieren Otokar Brezina, den mystischen Lieblingslyriker Kveta Legátovás, aber auch ihren Zeitgenossen Jaroslav Seifert. Die Romanschriftstellerin ist eine Lyrikerin von Rang, und es wäre falsch, an ihren Gleichnissen ungeduldig vorbeizulesen, die Nacht „dunkelrot wie böhmische Granaten", Kinderblicke „wie verschlossene Muscheln" und Zelary im Winterschnee „ein gepuderter Mohr". Die Übersetzerin Sophia Marzolff, die im Wechsel der Töne keine einfache Arbeit hat, folgt auch dem lyrischen Idiom loyal und genau und zeigt, was sie alles kann.
Kveta Legátová überraschte ihre heimische Leserschaft mit dem Zelary-Roman gerade um die neue Jahrhundertwende (2001), publizierte die strenger komponierte Novelle „Jozova Hanule" (deutsch „Der Mann aus Zelary") ein Jahr darauf, und der Publikation folgte dann der Film, mit dem sich der Regisseur Ondrej Trojan, leider vergeblich, um einen Oscar bewarb. Im Herbst 2002 wählte die intellektuelle Prager Zeitung „Lidové Noviny" den Zelary-Roman zum Buch des Jahres, und noch im selben Jahre wurde Kveta Legátová mit dem Staatspreis der Republik ausgezeichnet. Vieles drängte sich plötzlich zusammen, und man fragte sich, hüben und drüben, wer Kveta Legátová eigentlich war und warum die mehr als achtzigjährige Pensionistin so lange auf ihre Anerkennung warten musste.
Die Wahrheit über ihr Leben ist noch komplizierter als die Gerüchte: Kveta Legátová oder eigentlich Vera Hofmanová studierte Tschechisch (beim berühmten Konservativen Arne Novák), Deutsch, Mathematik, Chemie, von anderen Fächern nicht zu reden, wurde als Lehrerin, politisch undiszipliniert oder gar widerborstig, von Schule zu Schule versetzt und begann schon im Sommer 1948, unter dem Namen einer Freundin, Beiträge für das Brünner Radio zu schreiben, wo die provinziellen Zensoren noch glimpflich verfuhren. In den Jahren 1957 bis 1961 publizierte sie sogar zwei Prosabücher, und in der Zeitschrift „Host do Domu" (Ein Gast ins Haus), in der sich die Opposition zu regen begann. Kleinere Prosastücke, darunter drei Seiten über „Vratislav Lipka und die kleine Katarina Bojarová" (1959), ihre späteren Lieblingsfiguren, und die Zelary-Geschichten entstanden dann, für die Schublade, in den späteren sechziger Jahren.
Ich bin eigentlich dazu gedrängt, dieses Buch, um ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, doppelt zu lesen - einmal als Leser heute, aber auch mit den Augen von damals, und ich entdecke, deutlicher denn je, den nostalgischen Rückzug ins Dorf, aber auch die Entschlossenheit zum intellektuellen Widerstand, der die agrarischen Arbeits- und Eigentumsverhältnisse, wie es der sozialistische Realismus forderte, ganz und gar ignoriert und eigensinnig darauf besteht, die Sehnsucht, die Gier, die Melancholie, die Grausamkeit und das seltene Glück in der Welt der fernen Dörfer zu entziffern. PETER DEMETZ
Kveta Legátová: „Die Leute von Zelary". Aus dem Tschechischen übersetzt von Sophia Marzolff. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2005. 397 S., br., 16- €.
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Freut euch, ihr Stühle: Ivan Blatnys Gedichte aus dem Irrenhaus
Ivan Blatny - 1919 im mährischen Brünn geboren, 1990 gestorben in Clacton-on-Sea - hatte während des Zweiten Weltkriegs in Prag als Lyriker debütiert und in kurzer Folge drei bemerkenswerte Gedichtbände vorgelegt, bevor er sich 1948 aus politischen Gründen nach Großbritannien absetzte. Noch im selben Jahr wurde er, an schwerem Verfolgungswahn leidend, psychiatrisch interniert und verbrachte den Rest seines Lebens, mit nur kurzen Unterbrechungen, als Schizophreniepatient in verschiedenen englischen Kliniken und Krankenasylen.
Erst ab 1969 scheint er wieder mit einer gewissen Regelmäßigkeit literarisch gearbeitet zu haben, doch wurden seine Texte - zumeist auf Zetteln notiert und achtlos liegengelassen - vom Pflegepersonal während langer Zeit unbesehen dem Müll zugeführt, bis eine aufmerksame Krankenschwester sie zu sammeln begann, so dass 1977 bei einem tschechischen Exilverlag in Toronto ausgewählte Stücke aus dem umfangreichen, völlig ungeordneten Konvolut in Buchform erscheinen konnten. Anhand jener Auswahl (die bei heutigem Kenntnisstand keineswegs als repräsentativ gelten kann und die auch editorisch manche Wünsche offenlässt) hat nun die Wiener Edition Korrespondenzen zusammen mit der Übersetzerin Christa Rothmeier eine zweisprachige Ausgabe erarbeitet, deren Erscheinen dem fast vergessenen Autor hoffentlich neue - deutsche wie tschechische - Leser zuführen wird.
Dass Blatny jahrzehntelang von Verfolgungs-, Verlust- und Todesangst gequält war, ist seinen in der Psychiatrie entstandenen Versen kaum anzumerken. Deren thematischer Einzugsbereich bleibt, eher konventionell, auf Momente der Kindheit und Jugend, auf Provinz- und Großstadtszenen, vor allem aber auf Tages- und Jahreszeiten beschränkt, die er in immer wieder anderen, meist sehr schlichten, dabei kraftvollen Stimmungsbildern vergegenwärtigt. Im ersten seiner acht „Mai"-Gedichte verbinden sich, was für Blatny durchaus charakteristisch ist, sinnliche Wahrnehmung und literarische Reminiszenz zu einem ephemeren poetischen Eindruck: „... das dunklere Grün des Efeus der das ganze Jahr grünt / hebt sich ab von den jüngeren helleren Grüntönen / Schwalben umschwärmen sie wie in Macbeth." - Nachhaltiger wirken demgegenüber jene Texte oder Textstellen, die noch merklich von der Poetik des Surrealismus geprägt sind und selbstironisch gebrochene Bilder wie dieses bereithalten: „Im goldenen Kalifornien eines altsurrealistischen Kutscheninneren / erfreut die durch die Ritzen stechende Sonne Billardtische und Stühle / der Herzog stirbt an einer langen tödlichen Krankheit."
Formal fallen bei Blatny zwei Besonderheiten auf. Einmal die häufige Verwendung von realen Personen- und Ortsnamen, welche die abgehobene, oft inkohärente Einbildungskraft des Autors mit zeitlich wie räumlich exakten Koordinaten versehen, was die Phantastik bisweilen zusätzlich überhöht: „Warum steht... der bei Haugwitz beschäftigte Hirsch nicht im Dienst der Mythologie / Rilke und Rainer zu Seiten wie zwei Bäumlein und / in der Mitte in den Luftströmen Maria." - London, Wien, Türin, Prag, Liechtenstein, Paris, Kopenhagen und Colombe-sur-Seine, Flaubert, Toyen, Mallarme, Medek, Nezval, Martow, Kundera, Hitler und Napoleon gehören zu den namentlichen Fixpunkten, durch die Blatny seine Texte mit der Geschichte wie auch mit seiner eigenen Biographie vernetzt.
Die andere Besonderheit besteht darin, dass Blatny (sieht man von seinen wenigen Sonetten ab) auf syntaktische und strophische Fügungen wie auch auf Interpunktion weitgehend verzichtet zugunsten additiver Aufreihung, auch Wiederholung von Satzteilen, Wortverbindungen oder einzelnen Begriffen und Namen. So wird unter dem lyrischen Titel „Stimmung" zunächst eine ländliche Szene evoziert, die dann aber gleich, durch die Benennung großstädtischer Örtlichkeiten, verfremdet und auf das prosaische Stilniveau eines Reiseführers heruntermoderiert wird: „Die Felder erstrecken sich/vom Stadion zum Scheckamt / vom Scheckamt zum Militärkommando / vom Militärkommando zur Juridischen Fakultät / von der Juridischen Fakultät zum Sportplatz S. K. Zabovresky." Blatny steckt hier nicht nur ein räumliches, sondern auch ein sprachliches Terrain aus, das auf dem Stadtplan wie im Wörterbuch vom „Scheckamt" bis zum „Sportplatz" reicht.
Die vorliegende Übersetzung begnügt sich mit der philologisch korrekten Wiedergabe dessen, was Blatnys lapidare Gedichte benennen und besagen. Rhythmische und vollends klangliche Gestaltungselemente gehen damit spurlos verloren, und selbst die sorgfältig gebauten und ingeniös gereimten Sonette lesen sich nun auf deutsch wie linkshändig hingeworfene, unkontrolliert ausufernde Skizzen. Dadurch wird der irrige Eindruck erzeugt, Blatny habe das Schreiben in der Klinik lediglich nebenbei - sei's als Zeitvertreib, sei's als Therapie - praktiziert. Doch die Zeit des Wahnsinns war bei ihm, wie beim späten Hölderlin, die hohe Zeit der Dichtung, da die Sprache selbst nach ihrer eigenen Regelhaftigkeit durch den Dichter sich ausspricht. FELIX PHILIPP INGOLD
Ivan Blatny: Alte Wohnsitze". Gedichte. Aus dem Tschechischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Christa Rothmeier. Edition Korrespondenzen, Wien 2005. 179 S., geb., 22,20 €.
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Die erschriebene Traumwelt Jakub Deml, Tschechiens vergessener Dichter, ist zu entdecken Sein Leben war ein einziger Albtraum. Jakub Deml, ein Tscheche, wurde noch in die Zeit hineingeboren, als sein Land weit entfernt von nationaler Selbstbestimmung war. Ein Mann, der von früh auf litt und der tiefste Demütigungen durch den kommunistischen Terror erlebte. Kein Wunder also, dass er sich im realen Leben nicht zurechtfinden konnte. Er flüchtete in das einzige Exil, das ihm zugänglich war: die Literatur. Seit der brutalen Unterwerfung des tschechischen Geisteslebens durch die Wiener Gegenreformation hatte sich die politische Nationalbewegung an dieser Niederlage abgearbeitet. Deml wurde in ein katholisches Milieu hineingeboren, und sein Lebensweg als Priester schien problemlos vorgezeichnet. Aber allzuschnell offenbarte sich auch bei diesem sensiblen Geist die Gespaltenheit der tschechischen Nation. Da war die Rebellion gegen die Fremdbestimmung durch die katholische Kirche, die mehrheitlich der vom hussitischen Widerstandsgeist geprägten Intelligenz verhasst war. Und da war das sich langsam formierende nationale Bewusstsein der Tschechen, das sich in der Literatur des neunzehnten Jahrhunderts zuerst zeigte und die Rebellion gegen die autoritären und repressiven staatlichen Strukturen der Wiener Doppelmonarchie beflügelte. Deml war ein Kind des neunzehnten Jahrhunderts und damit tief geprägt durch diesen doppelten Loyalitätskonflikt, politisch und religiös. Von der Amtskirche wurde er als Priester schnell isoliert und schließlich, nach verschiedenen Bestrafungen und Zwangsversetzungen, relegiert. Der Staat in seinen verschiedenen Ausformungen, die Deml während seines achtzigjährigen Lebens erlebte, sah in ihm immer nur den Aufrührer und Oppositionellen. Früh war er sich der Tatsache bewusst, dass er Kräften gegenüberstand, gegen die er nicht gewinnen konnte. Statt zu resignieren, wich er aus in Bereiche, in die ihm niemand folgen konnte. Früh zeigte sich das in der Auseinandersetzung mit der ersten bewusst wahrgenommenen Autorität, dem Vater. Dieser hatte ihn verflucht, und Deml reflektiert in der Novelle „Der spielende Revolver“ die Gründe dafür: „... sondern aus der Befürchtung, die Ungerechtigkeit, die man in seinem Leben begangen hatte, würde an meinem Leben um so größer sein, je näher ich durch meine Stellung und die Logik der Liebe und der Verehrung dem Entschluss zum Kampf wäre, also an jenen Orten, wo der letzte Ausbruch der Besiegten nur mehr sein kann: Mystiker, Mittelalter, Katholik, Priester“. Zeit seines Lebens ist dieser zu seinem Unglück so außerordentlich begabte Jakub Deml ein Ausgestoßener, ein vom Tod Gezeichneter. Als Schriftsteller wie als Mensch spielt sich seine Existenz deshalb zunehmend im Traum ab, einem Traum, der ihm allerdings immer mehr noch schrecklicher vorkommt als das Leben, in dem er sich weniger und weniger zurechtfindet. Über allem steht der Tod, als Sehnsucht und Horror zugleich: „Wie herausfordernd und sehnsuchtsvoll sucht der Mensch den TOD und begegnet unaufhörlich dem LEBEN. Aber sobald er sich ereifert und das LEBEN sucht, begegnet er unaufhörlich dem TOD; auch derjenige, der ihn nicht für sich sucht.“ Demls eigentliches, sein wahres Leben findet in der Literatur statt. Und da diese Literatur für ihn auch ein Ersatz gewesen ist, ergießt sie sich wie ein unendlicher Strom aus Worten und Sätzen. Wer nach der Form dieser Literatur fragt, wird nur schwerlich eine Antwort finden. Sie besteht aus Briefen, Tagebüchern, Essays und endlosen theoretischen Reflexionen über die Religion, den Staat und schließlich in der Auseinandersetzung mit seinen Träumen. An einer Stelle schreibt er einem Freund, sich verteidigend für seine Texte und seine Obsessionen, dass er sich schließlich seine Träume nicht ausdenke und warum er denn solche absurden Geschichten und Fakten erfinden solle. Tatsächlich gehört Deml, lange bevor die Surrealisten den Traum als eine unendliche Ressource der Imagination literarisch ausgebeutet haben und auch lange vor der theoretischen Aufarbeitung durch Sigmund Freud, zu den ersten Surrealisten. In seinen Texten kann man kaum unterscheiden, was Traum ist und was Realität, was also sein Leben als Priester ausmacht. Je schwieriger seine Situation in der Kirche und in der Gesellschaft wird, um so mehr scheint Deml sich in seine Traumwelt zurückgezogen und abgekapselt zu haben. Dort gelingen ihm dann erstaunliche Texte, die in ihrer thematischen Verschlüsselung und formalen Raffinesse in der tschechischen Literatur, und über sie hinaus, ohne Beispiel sind. Dennoch ist Jakub Deml selbst in seinem Heimatland ein nahezu Unbekannter geblieben. 1961 starb er, ohne dass seine Texte einem auch nur kleinen Publikum bekannt geworden wären. Er verlegte sie im Eigendruck und verschickte sie an die kleine Schar seiner Bewunderer. Auch in der intellektuellen Aufbruchssituation der sechziger Jahre gehörte Deml nicht zu jenen Autoren, die nun, weil sie zuvor vom kommunistischen Regime unterdrückt worden waren, „entdeckt" wurden. Und dennoch hätte die tschechische Moderne gerade von Deml ungeheuer viel lernen können. Einige immerhin haben Deml nicht nur gekannt, sondern geschätzt. Hrabal hat in eines seiner „Lesebücher" einen Text von Deml aufgenommen, Kolár hat seine Technik der Kollage bewundert und sie für sich selber angewendet. Aber Demls Auseinandersetzung mit dem Glauben und der katholischen Amtskirche erschienen zu weit von der politisch-gesellschaftlichen Realität der sechziger Jahre entfernt, als dass er wirklich wiederentdeckt werden konnte. Die einzige größere Ausgabe seines Werkes - wenngleich keine Gesamtausgabe - ist im Samisdat erschienen und hat bis heute keinen Verleger, weder in der Tschechischen Republik noch gar im Ausland, gefunden. Nur ein subventioniertes (und erst kürzlich ausgezeichnetes) Unternehmen wie die „Tschechische Bibliothek" konnte es denn auch wohl wagen, Deml aus der Vergessenheit zu erlösen. Das Buch mit dem schönen, seiner Literatur wie seinem Leben so angemessenen Titel, das Christa Rothmeier mustergültig übersetzt und ediert hat, ist dennoch auch in der Übersetzung ein Brocken, auf den sich einzulassen Mut und Ausdauer erfordert. Wer allerdings neugierig und offen in diese Traumwelt des Jakub Deml eindringt und sich von ihr gefangennehmen lässt, der wird durch eine eigenartig schillernde, zum Teil fremde und sogar befremdliche Literatur belohnt, die in der Moderne nur wenige Parallelbeispiele kennt. HANS-PETER RIESE Jakub Deml: „Pilger des Tages und der Nacht". Prosa, Lyrik, Tagebuchtexte. Übersetzt von Christa Rothmeier, ausgewählt und kommentiert von Christa Rothmeier und Vladimir Binar. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2005. 328 S., geb., 19,90 €.
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Jirí Menzel verfilmt Bohumil Hrabal Der 1997 verstorbene tschechische Schriftsteller Bohumil Hrabal zählte zu den wichtigsten Filmstoff-Lieferanten der tschechoslowakischen der tschecho-slowakischen Neuen Welle. Sein 1971 fertiggestellter Schelmenroman "Ich habe den englischen König bedient" konnte in seiner Heimat allerdings nur heimlich im Eigenverlag erscheinen. Die offizielle Publikation musste bis 1989 warten. Die Tragikomödie erzählt vom Austieg und Fall eines Kellners in einer böhmischen Kleinstadt zwischen 1930 und 1950. Dessen Traum vom schnellen Geld und sexuellen Erwachen wird nach der deutschen Besetzung, nach der Zeit der Kollaboration und des plötzlichen Reichtums mit dem Putsch der Kommunisten jäh zerstört. In der Erinnerung des schelmischen Helden vermischen sich Glück und Unglück, Fantasie und Realität. Sein Streben nach Anerkennung gipfelt im Vorbild eines Oberkellners, der den englischen Monarchen bedient haben will. Bohumil Hrabals überaus populärer Roman und die Rechte zu dessen Verfilmung erregten nach dem Tod des Autors immer wieder die Gemüter. Als Regisseure waren Karel Kachyna, Jan Sverák, Jan Hrebejk im Gespräch. Das Rennen hat nun Jirí Menzel (Jahrgang 1938) gemacht, der mit "Perlchen am Meeresgrund", "Liebe nach Fahrplan", "Lerchen am Faden", "Kurz geschnitten" und "Das Wildschwein ist los" bereits zahlreiche literarische Arbeiten Hrabals adaptiert hat. "Ich liebe alte Filme, und das wird mehr ein altmodischer, schwarzweißer, deutscher Film als einer dieser modernen Actionthriller", erklärte Menzel auf einer Pressekonferenz seine Konzeption. Die Dreharbeiten zu "Ich habe den englischen König bedient" sollen Ende des Jahres beginnen. J.N.
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"Wir haben in Deutschland 2004 zweiundzwanzig Prozent mehr Filme auf dem Markt als 2003. Warum brauchen wir auch noch einen tschechischen Schwarzweißfilm von und mit Menschen, die keiner kennt?" Es kommt nicht oft vor, daß die Filmverleiher öffentlich ihr Gewissen befragen, wenn sie eine neue Produktion anzeigen. Die Leiterin des Berliner Ventura-Verleihs muss einen besonderen Grund dafür gehabt haben. Vielleicht war sie sich länger als gewohnt über den (Markt-)Wert dieses Kinodebüts eines tschechischen Theaterdirektors im Unklaren. "Nuda v Brne", Langeweile in Brünn - der Originaltitel sorgt von Vornherein für Klarheit. "Sex in Brno", wie Ventura forsch übersetzt, weckt ganz andere Erwartungen.
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In der Innenstadt von Prag an der Malá Strana will die in Hongkong ansässige Hotelgruppe Mandarin Oriental einen Gebäudekomplex aus dem vierzehnten Jahrhundert zur modernen Herberge mit 98 Zimmern umbauen. Es sollen die größten Hotelzimmer in der ganzen Stadt werden. Das Unternehmen plant, das Mandarin Oriental Prag Anfang 2006 zu eröffnen, es wird der fünfte Standort des Unternehmens in Europa, nach Genf, München, London und Paris. Weitere neun Häuser sollen in den nächsten Jahren in Mexiko, Hongkong, Tokio und Boston eröffnet werden. Informationen im Internet: www.mandarinoriental.com tsb.
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Wir fahren, weiter, immer weiter Notizen von der Pop-Erweiterung Ost: Wie tschechische Musiker ihren Platz in Europa suchen
Die Sängerin krallt sich in die Knopfreihen des Akkordeons, Augen zu und durch, ihre Stimme hat die Wucht einer Propagandistin. "Jedem, jeste jedem, druhej jako jeden, svedem co svedem" - "Wir fahren, weiter, immer weiter, jeder soll weiter, immer weiter", singt Raduza. An drei aufeinander folgenden Abenden ist die derzeit bekannteste Songwriterin Tschechiens in der Prager Balbinova Poeticka Hospudka zu Gast. Der Literatur- und Folk-Club, nur ein paar Meter abseits der touristischen Einfallwege gelegen, ist einer der Orte, an denen die junge tschechische Musikszene ihr neues Selbstbewusstsein probt.
Im Ausland war Cesky Pop bislang kein Thema Prag im Frühling 2004. Der Touristenstrom schiebt sich über den Wenzelsplatz und die engen Gassen am Staromestské Námestí einmal durch das Herz der alten Metropole und wieder zurück. Und trifft am Eingang zur Karlsbrücke auf den anderen großen Strom, die Moldau. Goldgräberstimmung in der Goldenen Stadt: Es wird eröffnet und renoviert, Fassaden werden schick gemacht, Stände mit Kafka-Devotionen eilig aufgebaut. In Prag spielt die Popkultur an allen Ecken und Enden. Die Stadt zieht seit Jahren die großen Namen an, sagt der Gitarrist Petr Filak, und er zählt Peter Gabriel, Robbie Williams und David Bowie auf. Im Ausland war Cesky Pop bislang allerdings kein Thema. Diejenigen tschechischen Bands und Ensembles, die sich auf europäischen Bühnen durchsetzen konnten, variieren über dem lyrischen Grundton, der viele kulturelle Erzeugnisse des Landes geprägt hat, als bräuchte Tschechien einen Überbau des Gefühlvollen, so hart eingebettet zwischen den alten Gegensätzen Ost und West. Die Musik der besten neuen Bands ragt jetzt ins Kosmopolitische, das Spiel mit den Soundfarben und Phonemen ist eröffnet. In den mäandernden Liedverläufen des mährischen Cello-Duos Tara Fuki sucht sich die Sehnsucht ihr Idiom und ihre Melodie. Hier ein Song in Tschechisch, dort einer in Polnisch oder Französisch, und wenn am Ende keine Sprache mehr gesprochen werden kann, erfinden die Musiker einfach eine. Einfache Songs über universelle Erfahrungen Solche Spielformen verweisen am ehesten auf die onomatopoetischen Gesangsspuren der großen Iva Bittová, die bis in die New Yorker Knitting Factory zu verfolgen sind. Die Band Maraca vertont Texte des portugiesischen Literaten Fernando Pessoa, sowohl in Tschechisch als auch in Portugiesisch und Englisch. Ihre Kompositionen, teils mit Smples elektronisch erweitert, teils durch den Einsatz antiker Instrumente in außereuropäische Kontexte verschoben, finden weiche Übergänge vor allem zwischen Jazz und Folk. "Colour Music" nennt Petr Filak das. Das Gros der auf acht Musiker angewchsenen Band spielt hauptberuflich in Orchestern und für Musical-Produktionen, leben kann man derzeit von Maraca nicht. Peter Filak ist dennoch bereit, den weiten Weg der Eigenständigkeit zu gehen: "Einfach nur die Amerikaner zu kopieren war für viele der falsche Ansatz. Die Amerikaner haben mehr Geld, sie haben den Soul und die besseren Sänger. Da kommen wir niemals hin." Raduza hat sich eines Tages selbst erfunden, das Mädchen, das vom Großvater draußen auf dem Land in Böhmen die alten Folksongs gelernt hat über den Krieg und die Arbeit und all das, worüber damals Lieder gesungen wurden. Später ist sie mit ihrer Gitarre durch halb Europa getrampt, und wahrscheintlich würde sie das immer noch tun, sagt sie, wenn es sie nicht so erschöpft hätte. Raduza ist die weibliche Form von Raduz, und Raduz ist ein Märchenprinz, der sein Mädchen nicht haben darf und in eine gefährliche Liebesgeschichte schlittert, erfunden von Fin-de-Siècle-Schriftsteller Julius Zeyer, ein Populärer Opernstoff. Die Songs der Prager Sängerin klingen wie ferne Echos auf die 100 Jahre alten Evergreens ihrer Kindheit. Raduza sagt, sie möchte einfache Songs über universelle Erfahrungen machen. Vielleicht, weil das Tschechische mit seinen Konsonantenreihen schon schwer genug zu singen ist. "Aber wenn wir Erfolg haben wollen in Europa, dann geht das nur mit der tschechischen Sprache." Mehr als zehn neue Idiome drängen mit der EU-Erweiterung auf den Markt. Jetzt werden erst mal Identitätskarten in der Familie der Europäer ausgespielt. ZDF-Trommelwirbel! EU-Ballyhoo! Nina Ruge moderierte den Grand Prix der zehn neuen Kulturen in der Beitrittsnacht zum 1. Mai, ein rauschendes Fest mit illustren Gästen und putzmunteren Videos. Für Raduza und ihre auf dem tschechischen Label Indies vertretenen Musikerkollegen bedeutet der "Beitritt", in deutschen Plattenläden aufzutauchen. Der unabhängige Vertrieb NRW veröffentlicht gerade 25 CDs von Indies-Künstlern. Es ist ein Anfang, die Pop-Erweiterung Ost hat eben erst gewonnen. "Die Tschechen besitzen ein Potential für den deutschen Markt, sagt NRW-Labelmacher Jürgen Czisch, "weil ihre Bands sich deutlich abheben von den furios aufspielenden Balkan-Blaskapellen, der Tempo-Musik der benachbarten Regionen. Es gibt einen selbstverständlichen Umgang mit Songstrukturen wie im Pop und fließende Übergänge zwischen Folk, Pop und World Music." Vor dem Hintergrund von Folksongs und Volksliedern proben die jungen Sänger und Songwriter eine eigene Form der Identität, in den historischen Aufnahmen suchen sie nach Dauer, die über die Eröffnung der nächsten McDonald's-Filiale hinausreicht. Volkslieder künden heute wieder von den kleinen Wundern der Regionalmusik, die mit Zymbal und Waschbrett, mit Glöckchen, Kobza, Dudy und diversem Kinderspielzeug betrieben wurde. Einen Jahrhundertüberblick über die mährische Folklore gibt die opulent aufgemachte Doppel-CD Promeny V Case. Aktuellen Ausprägungen der Re-Regionalisierung ist die Indies-Zusammenstellung Carohraní Z Korenu - Moravského Folklóru gewidmet, auf der sich neben Songs von Iva Bittová auch ein semifolkloristischer Beitrag der Doom-Metal-Band Stream Of Godless Elegy befindet. Die Verbindungslinien zwischen Zeiten und Stilen werden allenthalben mit Akribie gezogen, und so finden sich folkloristischer Ernst wie lockere Aneignung und ironischer Kommentar. "Girl Force 3" ist quer über Raduzas T-Shirt zu lesen. Vielleicht macht Raduza sich auch nur ein bisschen lustig über die Klischees im globalen Pop-Dorf, auf dessen Schwelle sie schon einmal ihre Fußabdrücke hinterlassen hat. Von Frank Sawatzki Raduza: ...Pri Mne Stuj Maraca: Longe, Tara Fuki: Kaptka Iva Bittová: J.H. (Zusammenstellung aus ihren Alben bvon 1987 bis 2002) Carohraní Z Korenu - Moravského Folklóru (Sampler mit aktueller mährischer Volksmusik) (alle Indies/NRW Records) Promeny V Case / Transitions in Time (historische Zusammenstellung mährischer Lieder Gnosis Records zu beziehen über www.tamizdat.org) (DIE ZEIT, Feuilletonbeilage POP, vom 19.05.2004; die Fotos sind nach Reflex 2/2004 nachgearbeitet, dekujeme) |
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Karel Gott wurde in einer Telefonabstimmung zum 30. Mal seit 1963 als "Bester Sänger des Landes" mit dem Preis "Goldene Nachtigall" ausgzeichnet. Während eines Gala-Abends in der Prager Staatsoper am Samstag kommentierte Gott die Ehrung wie jedes Jahr mit den Worten: "Also diesmal habe ich das wirklich nicht erwartet." In weiteren Hauptkategorien haben die Sängerin Lucie Bílá und die Band Kabát ihre Titel vom vergangenen Jahr verteidigt.
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Was wäre, wenn wir 300 Jahre oder noch länger leben würden? Elina Makropulos macht diese Erfahrung. Ihr Vater erfand ein Lebenselixier, das er an ihr ausprobierte. Nun beginnt die Wirkung nachzulassen...
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Ein Ereignis der Vielfalt Während des Janácek-Festivals, das durch die Stadt Brünn ausgerichtet wurde, gab es ausverkaufte Häuser, was in Tschechien selten geschieht. Für das Oeuvre des vor 150 Jahren geborenen Komponisten reiste man aus London, Paris, New York und Tokio an. International am bekanntesten sind die von Janácek erst im fortgeschrittenen Alter geschriebenen Opern, weniges aus seinem Kammermusikschaffen, sowie einige tänzerische Suiten. Der Sohn eines armen Dorfschullehrers war ein kompositorischer Spätentwickler. Janáceks ganzes Leben spielte sich später in der mährischen Metropole ab. Dort gründete er nach dem Studium eine Orgelschule. Er sammelte systematisch Volkslieder um sie originell zu bearbeiten. Hierauf fußten seine ersten Bühnenkompositionen. Janáceks erster großer Erfolg war die Oper „Jenufa“, an der er zehn Jahre lang gearbeitet hatte. „Jenufa“ hatte ihre Uraufführung in Brünn, als Janácek bereits 50 Jahre zählte. Desinteresse und Intrigen vereitelten zunächst eine Aufführung in Prag, die erst 12 Jahre später stattfand. Daraufhin wurde der schwierige Komponist in ausländischen Metropolen gefeiert. In einer Ko-Produktion mit der Wiener Staatsoper kam es nun in Brünn zu einer umstrittenen, von David Pountney inszenierten Aufführung. Es folgte die konzertante Aufführung von „Schicksal“, einer vor diesem Erfolgswerk komponierten Künstleroper im großbürgerlichen Milieu. Als 33-Jähriger hatte sich Janácek mit der tschechischen Sagengestalt „Sarka“ beschäftigt, die nicht unähnlich der Penthesilea ist. Das Libretto hierzu wurde von Janáceks Freund Dvorák abgelehnt, doch Janácek ließ sich nicht abschrecken. In Brünn war es nun konzertant zu hören und man registrierte Assoziationen mit Wagner, obwohl Janácek ihn stets abgelehnt hatte. Aus Irland kam die Opera Company Dublin und hatte eine allzu ironisch vermenschlichte Kurzfassung der bezaubernden Tieroper „Das schlaue Füchslein“ mitgebracht. Sie wurde einer traditionell gehaltenen Inszenierung der Brünner Janácek-Oper gegenübergestellt. Auch „Katja Kabanova“, die bereits bei der Brünner Uraufführung aufgrund ihrer Gefühlstiefe ein Riesenerfolg war, gab es zweifach, einmal durch die Brünner, dann durch das Ensemble aus Bratislava. In den 20er Jahren interessierte sich Janácek für eine „moderne, historische Oper“, für „Die Sache Makropulos“. Eine der ewigen Jugend anhängenden Diva setzt erst 300jährig ihrem Leben ein Ende, in der Erkenntnis, dass „man nicht 300 Jahre lang lieben kann“. Man sah eine seriöse, ältere Brünner Aufführung, in der die Einspringerin Nina Warren Triumphe feierte. Aus Prag war die überzeugende, filmisch aufbereitete Inszenierung von „Die Ausflüge des Herrn Broucek“ eingeladen. Hier träumt sich ein besoffener Spießer auf den Mond, später in die Hussitenzeit. Solcher Skurrilität setzt Janácek als sein letztes Werk „Aus dem Totenhaus“ entgegen. Er schildert den Alltag in einem sibirischen Straflager mit aller Depression, aber auch grotesker Aufmüpfigkeit. Fazit des Festivals: Die stimmlich gut besetzten solide
dirigierten Produktionen machten deutlich, welche erstaunliche stilistische
Vielfalt, je nach den behandelten Sujets, Janáceks Schaffen auszeichnet.
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Prager Winter: Jáchym Topol führt an die Grenze der Geschichte Der kurze Sommer der Anarchie, der Winter unseres Missvergnügens, Deutscher Herbst und Prager Frühling ‑ wenn die Jahreszeiten als historische Metapher dienen, dann wird die Geschichte zum Kreislauf. Der Fortschrittsglauben muss sich die Zeit als linear vorstellen, wer in Zyklen denkt, hat immer schon die ewige Wiederkehr des Gleichen vor Augen: die Aufhebung der Historie in der Naturgeschichte, in der jedes Tauwetter die zugeschneiten Zeichen früherer Katastrophen freilegt. Der Schnee von gestern wird zum giftigen Niederschlag von morgen. Der vierzehnjährige Ondra kennt das böhmische Dorf nahe der Grenze nur im Sommer. Bei seinem Großvater, gleich nah zur deutschen wie zur polnischen Grenze, hat er oft die großen Ferien verbracht, hier hat er sich zum ersten Mal verliebt. Bislang hat er das Dorf mit Kinderaugen gesehen, als eine Idylle fern der Hauptstadt, wo er mit seinem jüngeren Bruder, dem „Kleinen“, ein trauriges Leben führt. Die Mutter ist über den Verlust einer Tochter erst zur Alkoholikerin und dann zu einem Fall für die geschlossene Anstalt geworden; der bewunderte Vater ist ein erfolgreicher „Erfinder“ im Dienst des Staates, der wenig Zeit für seine Söhne hat. Die Handlung setzt im August 1968 ein, als die sowjetischen Panzer schon durch die Straßen Prags rollen. Der wegen seiner Arbeit verfolgte Vater setzt seine Söhne allein in den Bus, um sie in Sicherheit zu bringen. Sie kommen gerade noch rechtzeitig zur Beerdigung des Großvaters an; ein kauziger Onkel namens Polka, der sich als „Dichter“ und „Weltreisender“ vorstellt, kümmert sich um sie. Doch ist Ondra hier auf sich allein gestellt. Er versucht Anschluss an die tonangebende Jugendclique zu finden und nimmt als „Prager“ dafür Mutproben und Erniedrigungen in Kauf. Nicht gerade hilfreich ist, dass der Vater im Dorf unbeliebt ist; für seine Forschungszwecke hat er in den Haushalten geheimnisvolle meteorologische Messgeräte installiert, die den fortschrittsskeptischen Hinterwäldlern unheimlich vorkommen. Prag ist weit, der lange Arm der Obrigkeit – „irgendeine Regierung gibt es ja immer“ ‑hat hier keine Hebelwirkung mehr. Der Dorfpolizist ist eine Witzfigur, das Leben hat hier seine eigenen, in Aberglauben und Vorurteilen wurzelnden Gesetze. Auch die Uhren gehen hier anders. Und wenn auch die Geschichte schließlich albtraumhaft mit Panzerkettenlärm und Geheimpolizisten einbricht, so ist sie nur Teil einer fort gesponnenen Chronik der Gewalt. Von den Zügen in die Vernichtungslager, die hier vorbeifahren und aus denen .verzweifelte Juden ihre Kinder warfen, über die Partisanen, die erst gegen die Deutschen und später gegen die Russen kämpften, geflohene KZ-Aufseher aus der Ukraine, die ihr Unwesen noch lange nach dem Krieg trieben, bis hin zu brutalen Wilderern, perversen Sonderlingen und Kindsmördern ‑ die Landschaft ist vom Blut getränkt, ein Leichenacker, dessen genaue Topographie sich allerdings im Dunkel der Geschichte verliert. Schauermärchen alter Weiber und historische Wahrheit sind hier nicht auseinander zuhalten ‑ schon gar nicht für die kindliche Phantasie, die sich Geschichte nach dem Vorbild von Sciencefiction-Heftchen vorstellt. Topol spielt geschickt mit dem Muster des Pubertätsromans, dessen eigentlich heitere Themen ‑ erwachende Sexualität, jugendliche Streiche ‑ ins Unheimliche moduliert, ja zur gothic novel eingeschwärzt werden. Die geschwängerten Mädchen des Dorfes lassen ihr Kind von einer „Alten“ wegmachen oder gehen ins Wasser, die Mutprobe endet am Grab eines sadistischen SS-Manns, dessen Geist immer noch umgehen soll, die Jagd der grotesken „Bullen“ nach den offenbar staatsgeheimen Maschinen des Vaters führt auf die Spur eines grausamen Verbrechens. Das politische Geschehen, das schließlich die Bewohner zur Flucht über die nahe Grenze treibt, und damit die Gegend apokalyptisch entvölkert zurücklässt, dient nur als Katalysator der Vernichtung dieser todgeweihten Welt. Auf die „Nachtarbeit“, so die Titelmetapher für diese Arbeit in den giftigen Bleiminen der Geschichte, folgt keine Tagesschicht. Die Maschinen des Vaters, die angeblich das Wetter manipulieren sollen, werden als Vorboten einer neuen Zeit zu Klump geschlagen. Topol ist in seiner Heimat der bekannteste Autor seiner Generation. Sein Vater Josef war neben Havel einer der bedeutendsten Dramatiker der sechziger Jahre; sein jüngerer Bruder Filip ist Sänger der legendären Rockband „Psí vojáci“ (Hundesoldaten), für die Jáchym auch Texte schrieb. Obwohl Topol viel Zeit in Deutschland verbrachte ‑ sein erster Roman „Die Schwester“ (1994, deutsch 1998)wurde während eines Stipendiums vollendet ‑, blieb er hierzulande ein Autor für Kritiker. Die chaotische Struktur seine Romane, die langen, assoziativ dahin gleitenden Satzgefüge machten „Die Schwester“ und auch die Novelle „Engel Exit“ (deutsch 1997) schwer zugänglich. Der ehrgeizige Versuch, die „Explosion“ von 1989 und das soziale „Babylon“ des Postkommunismus abzubilden, ging am deutschen Leser vorbei. Doch bei aller mit Recht gerühmten Originalität waren erzählerische Schwächen auch unübersehbar. „Nachtarbeit“ dagegen ist streng durchgearbeitet und hält seine Erzählstränge an der kurzen Leine. Ein reduzierter, aber präziser Hauptsatzstil und schnelle Dialoge, von den Übersetzerinnen hervorragend in die Nuancen deutscher Umgangssprache übertragen, erzeugen atmosphärisch dichte Situationen, die fast wie Dramenszenen wirken und trotz aller Phantastik nie die Verankerung in der Realität verlieren. Topols Roman erinnert an manche Werke polnischer Autoren derselben Generation, wie Olga Tokarczuk oder Andrzej Stasiuk. Gemeinsam ist ihnen das mythische Geschichtsbild, das einen mitteleuropäischen Gedächtnisraum jenseits nationaler Grenzbefestigungen aufrichtet. Doch bietet Topol die allerfinsterste Variante dieses Mythos, in dem Gewalt in einer endlosen Kette Gegengewalt erzeugt. Sein Emblem ist nicht mehr Benjamins fortgetriebener „Angelus novus“, der auf die Schädelstätten zurückblickt sondern die Schlange, die sich selbst verzehrt ‑ ein sinnloser Kreislauf ohne jede eschatologische Dimension: „Die Welt ist wie ne Schere, klappt an meinem Hals zusammen.“. Die ewige Wiederkehr des Gleichen wird im Wetter symbolisiert: Obwohl die Handlung Ende August spielen muss, gehen herbstliche Unwetter nieder, am Ende treiben Eisschollen auf dem Fluss, der zur Lethe wird. Die einzige Hoffnung ist die Gemeinschaft der Brüder, sicherlich autobiographisch zu lesen. Topol löst die Ereignisse in Truggebilde auf, durchschossen von irritierend zeitlosen Bildern der Flucht, des heimatlosen Herumirrens, des Aufbruchs ins Ungewisse. Das entspricht einerseits der Perspektive eines Jungen am Ausgang der Pubertät. Es ist aber auch als Allegorie einer allgemeinen Geschichtserfahrung lesbar. Ein Zitat aus dem „Woyzeck“ steht dem Roman als Motto voran. Die bessere Zukunft ist kein Versprechen mehr, sondern eine Drohung: „Und da ist Widerstand zwecklos. Ein solches Glück setzt sich ganz von allein in dem Kerl fest. Wie ein winzig kleines Ei. Selbst wenn der Mensch sich unter die Erde verkriecht, das Glück schlüpft doch in ihm.“ Jáchym Topol hat einen großartigen Roman geschrieben, schwierig und anspielungsreich, düster und doch von grotesker Komik. An dieser Führung durch die unterirdischen Bunker und Höhlen des europäischen Bewusstseins teilzunehmen ist eine Herausforderung. Jáchym Topol: „Nachtarbeit“. Roman. Aus dem Tschechischen
übersetzt von Eva Profousová und Beate Smandek. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am
Main 2003. 314 S., geb. 22,90 €.
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"Pan Tau"-Regisseur gestorben
Der Regisseur der legendären tschechischen Fernsehserie "Pan Tau", Jindrich Polak, ist im Alter von 78 Jahren in der Nacht zu Freitag in Prag gestorben. Die Geschichten von "Pan Tau", aus der Feder von Ota Hofman (1928 bis 1989), war unter der Regie von Polak die erste der erfolgreichen Koproduktionen zwischen dem Westdeutschen Rundfunk und dem damaligen Tschechoslowakischen Fernsehen. Von 1969 bis 1978 entstanden insgesamt dreiunddreißig Episoden. Polak hatte schon in den fünfziger Jahren die Figur des Clowns Ferdinand erfunden. Es folgte sein stummer Held mit Melone und Regenschirm, Pan Tau; ebenfalls Regie führte Polak bei "Luzie, der Schrecken der Straße" und der Serie "Die Besucher".
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Margret Steenfatt sucht in Milena Jesenska die politische Frau
Margret Steenfatt überzeugt eher dort, wo sie sich in einem engen Raume bewegt und jenen Sommer 1920 ins Auge fasst, in dem Milena und Kafka im wahrsten Sinne des Wortes aneinander gerieten, in Wien (glücklich), im Grenzhotel in Gmünd (unglücklich). Er wollte sich ihr ganz unterwerfen, aber sie dachte nicht daran, als seine Muse oder Psychoanalytikerin zu funktionieren. Sie schämte sich ihrer Sinnlichkeit nicht, er hatte Angst – ob man daraus, wie es die Biographin tut, „mit einem Worte“ folgern darf, „die Angst vor dem Geschlechtsverkehr“ sei Kafka „Antrieb seines Schaffens“ gewesen, ist eine ganz andere Frage. Margret Steenfatt rühmt Milena Jesenska als ein bis heute „gültiges Vorbild einer politischen Frau“, aber so einfach ist das auch wieder nicht. Milena schrieb im Lauf der Zeit überall, anfangs auch in nationalen Zeitungen und Unterhaltungsblättern, und später, als Mitglied der Kommunistischen Partei, im intoleranten Zentralorgan der Stalinisten, ehe sie, nach den Moskauer Schauprozessen und mit einem neuen trotzkistischen Freund im Hause, an der Weisheit der Partei zu zweifeln begann. Endlich, um die Mitte der dreißiger Jahre, in der Epoche des Münchener Abkommens und vor ihrer Verhaftung durch die Gestapo, schrieb sie ihre bedeutendsten Arbeiten, auch die über die Tragik der deutschen Sozialdemokraten in den Sudeten, für die vom Staatspräsidenten T. G. Masaryk finanzierte Zeitschrift „Pritomnost“ (Die Gegenwart) und brachte, gemeinsam mit dem deutschen Arzt von Zedwitz, gefährdete Mitbürger über die polnische Grenze. Ihre neue Biographin liebt es leider, unsere Entweder-Oder-Ordnungskategorien allzu energisch in den altböhmischen Porzellanladen zu projizieren, wo alles noch ziemlich durcheinander ging, Juden, Tschechen oder Deutsche (Mama Kisch in der Melantrichgasse wäre erstaunt gewesen, dass ihr Egon Erwin plötzlich als Tscheche figuriert). Steenfatts historische Ausblicke sind eher diffuser Art (der Liberale Karel Havlicek, der 1856 starb, war gewiss nicht im gleichen avantgardistischen Jugendklub zu finden, den der linke Poet Stanislav Kostka-Neumann, geboren 1875, frequentierte), und wenn sie mehr als die deutschsprachige Sekundärliteratur gelesen hätte, wäre sie nicht dazu verurteilt, die ältesten Ladenhüter der Milena-Hagiographie abzustauben (die Jesenska als Kofferträgerin auf Wiener Bahnhöfen), die Marta Markova-Kotykova schon vor zehn Jahren in ihrer tschechischen Studie als sentimentale Legenden enthüllte. Margret Steenfatt wollte wohl
durch ihre popularisierende Darstellung zu einer neuen Beschäftigung mit Milena
Jesenska bewegen, aber sie handelt gegen ihre Interessen, indem sie alles, wo auch immer
Milena geht und steht, in einem dauernden Präsens erzählt, das in einem
Abenteuerroman oder in einer Filmstarreportage nicht fehl am Orte gewesen wäre,
hier aber ganz und gar. Die gewaltsame Nähe des immer Gegenwärtigen unterminiert
die Möglichkeit jeglicher Reflexion, die sich allein an der Distanz und am
Imperfektum zu entzünden vermag.
Margret Steenfatt. „Milena Jesenska“. Biographie einer Befreiung.Europäische
Verlagsanstalt/Sabine Groenewold Verlage, Hamburg
2002. 169 S., geb., 18,- €.
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Lange Zeit hat das Prager Nationaltheater, eine der drei Opernbühnen der tschechischen Hauptstadt, seinen durch den Namen verbürgten Auftrag ernst genommen: Pflege des musikalischen Erbes der Nation. Smetana, Dvorak, Janacek und Zdenek Fibich waren die tschechischen Hausgötter, um die das übliche internationale Opernrepertoire gelegt wurde. Wer also Mitglied des Ensembles dieser Institution ist, war zugleich auch Repräsentant nationaler Musik. Ivo Zidek ist seit 1948 eine der Stützen des Hauses gewesen und hat dort viele lyrische Tenorpartien in tschechischen Opern gesungen. 1926 bei Troppau geboren, hat sein
Debüt 1944 am Stadttheater von Mährisch-Ostrau
gegeben, kam dann zwei Jahre später nach Prag und gastierte seit den frühen
fünfziger Jahren auch in Wien, beim Holland Festival und in Edinburgh, wo er
mit der Prager Nationaloper 1970 an der englischen Premiere von Janaceks „Die
Abenteuer des Herrn Broucek“ beteiligt war. Von 1963
bis 1968 war Zidek Mitglied der Berliner Staatsoper,
1966 gab er sein Debüt in der New Yorker Carnegie Hall. 1989 hatte er noch
einmal Aufsehen erregt durch seine Beteiligung an Protesten gegen das
kommunistische Regime. Am Montag ist er im Alter von 76 Jahren gestorben. WWS.
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Zum besten tschechischen Film des vergangenen Jahres wurde am 01.03.2003 in der Prager Lucerna der Film „Rok dabla“ des Regisseurs Peter Zelenka gekürt. Die musikalische Mystifikation mit Jaromir Nohavica, Karel Plihal und der Gruppe „Cechomor“ verwandelte sechs von zehn Nominierungen. Zelenka konnte sich den „Tschechischen Löwen“ am 01.03. zu seinen zwei gläsernen Trophäen stellen, die er schon für Bühnenbild und Regie von „Knoflikari“ bekommen hat. Der Film „Rok dabla” erhielt hier einen weiteren zusätzlichen Preis: Im vergangenen Jahr hatte er schon auf dem Karlsbader Festival gewonnen, im Januar den Hauptpreis auf dem Festival in Terst; er wurde auf der diesjährigen Berlinale gespielt und im Februar hatte er großen Erfolg in Rotterdam. Auf den zweiten und dritten Platz kamen die Filme „Vylet“ und „Smradi”. Je zwei Preise gab es für die Filmemacher Alice Nellis mit „Vylet” und Zdenek Troska mit „Andelska tvar“. Von den acht nominierten Filmen, die im vergangenen Jahr gedreht wurden, haben sieben Auszeichnungen erhalten. Ohne eine Wertung blieb nur der Film Milan Steindlers „Pernikova vez“. Der tschechoslowakische Filmregisseur, Szenarist und Kameramann Juraj Jakubisko nahm in der Lucerna den „Tschechischen Löwen“ für seine jahrelangen künstlerischen Beiträge zur
heimischen Filmkunst entgegen. Er gesellt sich so zu seinen neun Vorgängern: Frantisek Vlacil, Jan Svankmajer, Karel Kachyna, Jiri Menzel, Milos Forman, Jiri Krejcik, Miroslav Ondricek, Vera Chytilova und aus dem vergangenen Jahr Otakar Vavra. Jakubisko, der Mitte
der 60er Jahre das Fach Regie an der Prager Filmakademie für Musikkunst
absolviert hat, lebt seit 1993 mit seiner Frau, der Schauspielerin Deana Horvathova, in Prag und hat
die tschechische Staatsangehörigkeit. Er ist Träger vieler Preise, z.B. der Preise der
tschechoslowakischen Filmkritik aus den Jahren 1967 und 1991 und einer Reihe von Ehrungen auf internationalen Filmfestivals.
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Die ausgestellten Universitätsinsignien, darunter Fakultätszepter und Medaillen von Würdenträgern, aber auch die einzigartige Gelegenheit, sich die historischen Räumlichkeiten der Karls-Universität (UK: Univerzita Karlova) anzusehen, lockten am Samstag mehr als tausend Menschen ins Carolinum. Der Tag der offenen Tür war Bestandteil der
Feierlichkeiten zum 655. Jahrestag der Universitätsgründung. Die Mitarbeiter
der Universität teilten mehr als 1400 Informationsflugblätter aus - an Besuchern
waren es freilich mehr.
Es gab auch die Möglichkeit, die historischen Repräsentations-
und Sitzungsräume, die Kellergewölbe und Garderoben der Professoren und
Rektoren zu besichtigen. Im Kreuzgang schließlich waren „Historische Erdbeben“
auf alten Kupferstichen ausgestellt.
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Bis zum 31. März kann man die Ausstellung in Brno besuchen Bis zum 31. März können Sie in Brno eine einzigartige Ausstellung über das Exil besuchen. Sie wurde von der Brünner "Spolecnost pro kulturu a dialog" vorbereitet und steht unter der Schirmherrschaft des tschechischen und slowakischen Präsidenten. Die Ausstelllung ist der Höhepunkt der Bemühungen der Gesellschaft K2001, deren Seele der Bildhauer Jan Kratochvil ist. Sein langfristiges Ziel ist es, in Brno ein ständiges Exil-Museum zu unterhalten.
In der ersten Etage befindet sich dann eine interessante Ausstellung unter den Bezeichnungen "Exil in die Tschechoslowakei" und "Exil aus der Tschechoslowakei". Diese Ausstellung, die Vladimír Bystrov für die Gesellschaft "Oni byli první" vorbereitet hat, skizziert die interessante Geschichte des russischen Exils der Zwischenkriegszeit in die Tschechoslowakei und die Schicksale einiger seiner Angehöriger, die nach dem Zweiten Weltkrieg in die Sowjetunion verschleppt worden sind. Teil des Projekts ist auch die Ausstellung von Fotografien Pavel Hrochs "Zapomenutí Cesi" in der Mährischen Landesbibliothek (Moravská zemská knihovna), die sich mit dem Leben in den tschechischen Dörfern im rumänischen Banat beschäftigt. Schließlich stellt noch die Ausstellung im Haus der Künstler (Dum umelcu), die die größte ist, die tschechoslowakische politische Emigration im 20. Jahrhundert dar. Ihre einzelnen Teile sind den bekanntesten Exil-Persönlichkeiten aus den Bereichen Politik, Wissenschaft und Kunst gewidmet, Exilorganisationen und dem Druck und den Methoden der unrühmlich ruhmvollen StB. Zu den Dominanten der Ausstellung gehört die Exposition, die sich mit den Sendungen Freies Europa, Stimme Amerikas und BBC vor dem November 1989 beschäftigt.
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Als Regisseur war er kaum einer breiteren Öffentlichlichkeit bekannt, weitaus populärer war er bei tschechischen Filmfans
Seine Tätigkeit am Theater war jedoch nicht weniger bedeutend als die bei Film und Fernsehen. Mitte der 50-er Jahre absolvierte er ein Regisseur-Studium auf der Theaterwissenschaftlichen Fakultät der Janacek-Akademie für Musik in Brno (JAM). Danach wirkte er fünf Jahre am "Vesnické divadlo" in Prag, wo seine Wanderschaft über viele tschechische Bühnen begann. Die meiste Zeit verbrachte er seit 1960 am J.-K.-Tyl-Theater in Plzen: Hier wirkte er in den Jahren 1971 bis 1980 und 1982 bis 1989 als Schauspielchef. Nach einer einjährigen Pause wurde er Regisseur am früheren S.-K.-Neumann-Theater in Prag. Damals war er auch Theaterdirektor am Staatlichen Theater in Brno, wo er insgesamt an die hundert Stücke inszenierte. Gastspiele gab er an weiteren Prager Theatern - "Národní divadlo", "Divadlo ABC" u.a. Hier inszenierte er "Funny Girl", "Cyrano z Bergeraku" und "Pygmalion". Er wirkte ferner als Dozent für Opernregie und Opernschauspiel auf der Prager AMU. ![]() |
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Mit dem Doppelakkord von Jaroslav Haseks „Urschwejk“ und „Gottes Regenbogen“ von Jaroslav Durych begann vor vier Jahren, im Frühjahr 1999, das durch die Robert-Bosch-Stiftung initiierte Projekt der „Tschechischen Bibliothek“. In 33 Bänden wollte man dem deutschsprachigen Leser die Literatur und Kulturgeschichte des kleinen europäischen Volkes näherbringen, das nach 1948 für fast vierzig Jahre hinter dem Eisernen Vorhang verschwunden war und damit vielfach auch aus dem Blickfeld des übrigen Europa. Als eine kulturelle Osterweiterung könnte man das ehrgeizige Unternehmen bezeichnen, zweifellos ein wichtiger Beitrag zur Sicherung der Fundamente der wachsenden EU. Denn wie sollte die zukünftige Gemeinschaft der europäischen Völker besser verankert werden, wenn nicht in der Kultur, in der Vielfalt der sich friedlich begegnenden, ergänzenden und aufeinander neugierigen Kulturen der einzelnen historischen Länder? In diesem Sinne ist die „Tschechische Bibliothek“ nicht nur ein Angebot, sondern auch eine Herausforderung, die durch die Teilung Europas verursachte Kenntnislücke zu schließen und die Werke der tschechischen Literatur zu einer Normalerscheinung auf den Tischen der deutschsprachigen Buchhandlungen werden zu lassen. Denktraditionen
Die dreizehn Namen des ersten Bandes – mit Ausnahme von Hus, Comenius (tschechisch Komenský), Palacký und Masaryk, vielleicht noch Bolzano und (Augustin) Smetana – wohl außer Bohemisten kaum jemandem bekannt. Bei den fünf Autoren des zweiten Bandes, Klima, Rádl, Patocka, Havel und Kosík, ist der Bekanntheitsgrad insbesondere bei den letzten drei, bei Václav Havel ganz besonders, schon wesentlich größer, was allerdings nicht mit der Kenntnis ihrer Werke gleichzusetzen ist. Der gemeinsame Titel der beiden Bände wurde allerdings nicht gerade glücklich gewählt. Eigentlich müssten die Bände den Titel „Tschechische Geistesgeschichte“ oder „Tschechische Denker“ tragen. Denn reine Philosophen sind unter den Autoren der Texte kaum zu finden. Dafür beziehen sie sich zu stark auf die aktuell gelebte Realität und die anstehenden Fragen ihrer Zeit. Dies macht aber gerade den charakteristischen Zug der tschechischen Denktradition seit dem Mittelalter aus. Die Tatsache, dass die tschechische Geistesgeschichte mit keinem großen systematischen Philosophen wie Kant oder Hegel aufwarten kann, hängt nicht etwa mit einer minderen Begabung der Tschechen für das philosophische Denken zusammen. Es hat eher mit ihrer wechselvollen Geschichte zu tun, in der es nur kurze Zeiten der Ruhe gab, in denen „reine“ Philosophie hätte gedeihen können. Fast hundert Jahre früher als in Deutschland begann in Böhmen die Reformation, von dieser Zeit an dauerten die Glaubenskämpfe bis zum Sieg der Gegenreformation nach 1848 mit dem ersten großen Exilantenstrom der tschechischen Geschichte. Kaum hatte das Land die Rekatholisierung verkraftet, meldete sich schon mit den nationalen Auseinandersetzungen in der Monarchie die Frage der weiteren Existenz der tschechischen Nation, die die Köpfe und Herzen der tschechischen geistigen Eliten ein volles Jahrhundert beschäftigen sollte. So fühlte sich auch der damals berühmte Biologie Jan Evangelista Purkyne genötigt, in seiner „Austria pollyglotta“ den Entwurf des mehrsprachigen Österreich gleichberechtigter Völker und der „Politik der Liebe“ niederzuschreiben, eine Vision, die heute in der „Europa polyglotta“ zu einer – nicht einfacheren – Wirklichkeit wird. Fast exemplarisch
kann man die verheerende Wirkung der äußeren politischen Umstände auf das Werk
bei Jan Patocka
verfolgen, der von allen Autoren der beiden Bände der akademischen Laufbahn
eines Philosophen am nächsten war. Nur knapp sechs Jahre war dem jungen Husserl-Schüler von 1934 bis 1939 vergönnt, Assistent an
der Universität und in dem phänomenologisch orientierten „Cercle
philosophique“ in Prag zu wirken. 1939, nach der
deutschen Okkupation wurden die Hochschulen geschlossen. Die Wiederaufnahme der
akademischen Laufbahn 1945 endete für den Nichtmarxisten Patocka definitiv 1950. Was
folgte, war eine Existenz in Bibliotheken und Archiven, die es kaum erlaubte,
die niedergeschriebenen Entwürfe der philosophischen Schriften zu vollenden.
Die Wiederaufnahme der Lehrtätigkeit an der Universität in der Zeit des Prager Frühlings
1968 war mit der „Normalisierung“ 1970 wieder zu Ende. Die halb illegalen,
berühmten philosophischen Hausseminare bildeten danach den Inhalt der „Vita activa“
des Philosophen, der zum Mitbegründer der Charta 77 wurde und nach einem
elfstündigen Verhör im März 1977 starb. Es ist das Gebot des „Treuehaltens der
erkannten Wahrheit“, das Patocka mit der
tschechischen Reformation verbindet. Dieses bildet das am praktischen Leben und
an seinen Aufgaben orientierte Leitmotiv der tschechischen Geistesgeschichte
und auch die Wurzel für deren Dramatik. Diese Entwicklungslinie wird auch in den kompetenten und engagierten Begleittexten des Herausgebers der beiden Bände, Ludger Hagedorn, deutlich. Unter Hagedorns Führung sollte sich der Leser in die beiden Bände hineinarbeiten und sich Zeit lassen, die einzelnen Texte nach und nach zu lesen. Der Schwerpunkt des Interesses wird verständlicherweise eher bei den Philosophen des 19. Jahrhunderts liegen, das mit Masaryks „Idealen der Humanität“ beginnt. Als ein kleines streitbares und mitunter umstrittenes Repetitorium der Philosophiegeschichte ist insbesondere „Trost der Philosophie“ von Emanuel Rádl zu empfehlen. Es stellt ein Vermächtnis des als „Don Quichote der tschechischen Philosophie“ apostrophierten Denkers aus der schweren Zeit der deutschen Okkupation dar. Eine Liebe zu Tschechien
Schade auch, dass
es die Deutsche Verlagsanstalt, bei der die „Tschechische Bibliothek“
erscheint, bis heute nicht verstanden hat, die Reihe ins Licht der
Öffentlichkeit zu rücken. Dieses Projekt ist kein kurzfristiger Event, sondern
ein nachhaltiges Ereignis, auf das der Verlag gerade im Hinblick auf die
bevorstehende EU-Osterweiterung stolz sein könnte. Ein Schattendasein hat es
nicht verdient.
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im Kloster Strahov Ältere
Geschichte - neue Probleme Lassen Sie sich über
den Petrínhügel durch Obstgärten und Wiesen zum Denkmal des Schriftstellers Jan Neruda und von dort zum Kloster Strahov und
seiner Bibliothek entführen. Durch ein kleines Wäldchen gelangt man nach wenigen Minuten
zum Kloster. Man betritt es durch ein barockes Tor. Der Kern der Anlage wurde
nach 1143 gebaut, aber bereits 1258 fiel der Komplex einem Brand zum Opfer.
Heute dominiert der Barock, aber auch Elemente aus Frühgotik und Renaissance
sind zu entdecken. Nur die Marienkirche läßt noch die Grundzüge einer
romanischen Basilika erkennen.
Größe und Umfang des Literaturmuseums (Bestand 2002) Zum Bestand gehören
mehr als sieben Millionen Objekte und den Nachlass von gut 2.000 tschechischen
Schriftstellern mit dem Sammelschwerpunkt Ende des 18. Jahrunderts bis zur
Gegenwart. Sie sind ihrem Charakter entsprechend in drei Sammlungsabteilungen –
Literaturarchiv, Bibliothek und Kunstobjekte-Abteilung
– gegliedert.
![]() 1953 Die Gründung des Museums im Jahr 1953 war mit dem in der damaligen tschechischen Gesellschaft herrschenden ideologischen Klima verbunden. Das Museum der tschechischen Literatur als eine durch das Kulturministerium vom Staat bestellte und kontrollierte Institution hat seine Tätigkeit im Mai 1953 im Prämonstratenser-Kloster, das 1950 „verstaatlicht“ worden war, aufgenommen. Die beiden reichen historischen Klosterbibliotheken (ca. 130.000 Bände) wurden in renovierten und prächtigen Klostersälen zu Dauerexpositionen des Museums. Den Bestand der Prämonstratenser-Bibliotheken haben mehr als 300.000 Bände, die aus den anderen in den 50er Jahren aufgelassenen Klöstern nach Strahov gebracht wurden, ergänzt. Die eigene literarische Dauerausstellung, die ebenso im Mai 1953 eröffnet wurde, entsprach völlig den ideologischen Prämissen, die im Statut des Museums festgesetzt wurden, in der tschechischen Literaturgeschichte die revolutionären Traditionen aufzusuchen und zu fördern. Aber in der Entwicklung und Wirkung des Museums war immer ein deutlicher innerer Zwiespalt bemerkbar. Einerseits musste man in der offiziellen Präsentationslinie auf Kompromisse eingehen, wenn man überhaupt ein kulturelles Ereignis veranstalten wollte. Andererseits begann das Museum von Anfang an allen ideologischen Kriterien widerstehende literarische Dokumente zu sammeln. Die Sammlungen sollten möglichst komplett sein und ihre Hauptaufgabe, die Literaturgeschichte zu dokumentieren, erfüllen. Diese apolitische Tendenz wurde besonders deutlich, nachdem das Museum der tschechischen Literatur im Jahr 1964 den enormen Bestand des Literaturarchivs vom Nationalmuseum übernommen hat. Der damalige Archivbestand mit seinen ca. 1.700.000 überwiegend aus der Epoche der nationalen Wiedergeburt stammenden Archivalien hat dem Museum ein großes kulturhistorisches Prestige verliehen. Die „goldenen“
60er Die goldene Zeit der 60er Jahre wurde drastischerweise durch die Okkupation der Warschauer-Pakt-Truppen abgeschlossen. Obwohl die „offizielle“ Präsentation des Museums wieder durch politische Postulate eingeschränkt wurde, wurden die Sammlungen (besonders das Literaturarchiv) ohne jede ideologische Rücksicht durch Materialien nicht nur von den Klassikern und offiziell „respektierten“ Autoren, sondern auch von den Dissidenten und Repräsentanten der Exil-Literatur ergänzt. Das deprimierende Schisma zwischen dem Offiziellen und Nicht-Offiziellen wurde erst im Jahr 1989 beendet. In dieser Wende-Etappe hat das Museum wie die ganze Gesellschaft große Veränderungen erfahren. 1990 Restitution
Das Museum der tschechischen Literatur möchte seine Sammlung von mehr als 7,000.000 Einheiten der europäischen wissenschaftlichen Öffentlichkeit gerne zur Verfügung stellen - gleichwohl ist die heutige Situation des Museums kompliziert, da der Zehnjahresmietvertrag im Jahr 2001 abgelaufen und es bisher nicht gelungen ist, ein anderes Gebäude für den reichen Bestand zu finden. Man hofft, dass die Königliche Prämonstratenser-Kanonie dem Museum auch weiterhin Obdach gewähren wird. Zurzeit arbeitet man an einem großen Datenbank-Projekt in Kooperation mit dem Zentral-Staatsarchiv und hofft, dass es gelingt, ein auch im internationalen Kontext gut funktionierendes System zu entwickeln. Die aktive Arbeit der Bibliothek Außerdem verwaltet das Museum das Lustschloß Stern auf dem Weißen Berg in Prag ein architektonisches Denkmal aus dem 16. Jahrhundert, wo Saisonausstellungen und Konzerte veranstaltet werden. An den zahlreichen kulturellen Museumsaktivitäten nehmen jährlich fast 35.000 Besucher teil. Die Bibliothek pflegt internationale Beziehungen. Besonders enge Kontakte unterhält sie zum Schiller-Nationalmuseum und dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar sowie zur Österreichischen Nationalbibliothek (zur Jahreswende 2000/2001 wurde z.B. die Ausstellung „Der literarische Einfall – Über das Entstehen von Texten“ drei Monate gezeigt). Man nutzt auch die vielfältigen und heute obligatorischen Wege der modernen Technologien und stellt die Literaturbestände Interessenten im Internet zur Verfügung: http://www.pamatniknarodnihopisemnictvi.cz/. Strahovské
nádvoří 1/132 |
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Eine neue Biographie über Antonin Dvorak aus der Feder
des bekannten amerikanischen Musikologen Michael Beckerman, die diesen berühmten tschechischen Komponisten in
einer neuen Sichtweise vorstellt, ist im Januar in den USA erschienen.
Eine Rezension darüber bringt die Zeitung „Herald Tribune“ (IHT) auf ihren Internetseiten. „Neue Welten Dvoraks – das Suchen des Komponisten nach dem Innenleben in Amerika“ („New Worlds of Dvorak – Searching in America the Composer’s Inner Life“) ist nicht das erste Werk Beckermans über den tschechischen musikalischen Genius. Der Professor an der Universität in Santa Barbara, der unter anderem Preisträger der Tschechischen Musik-Gesellschaft (Ceska hudebni spolecnost) für seinen Beitrag zur tschechischen Musikwissenschaft ist, hat schon früher zum Studium Dvoraks das Werk „Dvorak a jeho svet“ veröffentlicht. (S.V.; Radio Praha) |
Die
Burg Lipnice nad Sázavou ragt auf einem Hügel Mitten im Tschechischen Kessel hervor. Unweit davon befindet sich auf dem Gipfel Melechov eine der vielen geographischen „Mitten“ Europas.
Die Burg ist altertümlich, hat die Eigentümer mit den stürmischen Ereignissen
der tschechischen Geschichte gewechselt. Am Ende brannte sie aus, wird jetzt
schrittweise in Ordnung gebracht. Unter der Burg befindet sich das Gastwirtschaft
„U Ceské koruny“, in
der Jaroslav Hasek einen bedeutenden Teil seines
unsterblichen Švejk geschrieben hat. Ist dieses
Gebäude vom Geist des Schriftstellers durchdrungen? Hat es den Genius loci?
Die Entstehung des Ortes Von Generation zu Generation ändern sich Orte, so ähnlich wie der atmosphärischen Drucks wechselt. Als Hasek und sein Freund, der akademische Maler Panuska, am 25. August 1921 in der Gastwirtschaft in Lipnice nad Sázavou vom Bahnhof in Okrouhlice ankamen – von dem Fluss ist das Örtchen gute zwei Stunden Fußweg entfernt – waren beide gut gelaunt. Auf dem Weg befanden sich einige Gaststätten, und diese touristische Realität änderte die Pläne der Wanderer. Hasek war schon damals ein moderner flexibler Mensch. Er sagte: „Clovek míní, ale hospoda mení.“ („Der Mensch denkt, aber die Gaststätte lenkt.“) Der damalige Gastwirt, Herr Alexandr Invald, war ein großzügiger Mensch. Für den Maler hatte er ein Zimmer vorbereitet, aber den zweiten Herrn – den Schriftsteller - sah er zum ersten Mal. Er überraschte ihn damit, dass er kein Gepäck bei sich hatte. Ähnlich wie der Roman-„Held“ Josef Svejk auf die Frage: „Warum haben Sie nichts bei sich?“ auf der Gendarmerie-Station einfach antwortete: „Weil ich nichts brauche“. So wird ein Genius loci geboren, der allerdings auch mit der Zeit verblassen und dann wieder erneut aufleben kann. Etwas passiert, jemand kommt irgendwohin, bringt eine besondere Atmosphäre mit sich, geht oder bleibt, aber nach ihm bleibt eine Erinnerung zurück. Sei es in Form einer Erinnerung oder einer Gedenktafel oder von Gerüchten, ferner garantierter Reden, in Form von Denkmälern, die sich allerdings nichts merken, da sie in jener Zeit nicht gelebt haben. Ähnlich ist es mit der Gaststätte „U Ceske koruny“, in deren Fall es tradiert ist, an welchem Tisch Hasek seine Kapitel geschrieben hat, wo er saß, wohin er schaute und mit wem er sprach, wer ihm Inspiration lieferte. Glaubwürdige Informationen hat die Zeit verschüttet, und schließlich bleibt es nur der detaillierten Arbeit der Historiker überlassen, das soweit wie möglich zu rekonstruieren. Der brave Soldat Svejk ist im geistigen Schaffensschwung unauslöschbar gerade mit der Gaststätte „U Ceské koruny“ verbunden. Dort hat der Herr Schriftsteller gesessen, dem die dortigen Leute allerdings nicht geglaubt haben, dass er ein Schriftsteller war, ist umhergegangen, manchmal hat er Ausflüge organisiert und getrunken. Gleichzeitig war er schöpferisch tätig, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht so schien. Das letzte Jahr und das halbe Leben des zweifellos weltweit bekanntesten tschechischen Schriftstellers sind genau in der Gaststätte lokalisiert, was nicht bedeutete, dass er sonst vorher Gaststätten vernachlässigt hätte. Im Gegenteil, bis heute rühmen sich eine Menge Gaststätten damit, Jaroslav Hasek wäre dort eingekehrt. In Prag beispielsweise in „U kalicha“ oder „U Brejška“. Die Gaststätte war für Hasek eine ontologische Lebensgrundlage. Dass er sich dann eine für fast Ständig aussuchte, zeigt, dass ihm die Lokalität in Lipnice zugesagt hat. Großartige Sache! Der Archetyp der Gaststätte als Kommunikationsgrundlage ist zwar in wissenschaftlichen Werken ein wenig vernachlässigt, da die wortgewandten Professoren meistens Abstinenzler sind und bestenfalls über Kaffeehäuser zu sprechen bereit sind. Hasek lebte aber durch die Gaststätte, sie wurde für ihn zum Mutterschoß. „U Invalida“, wie man die Gaststätte auch nannte, begann Hasek den zweiten Teil seines Romans zu komponieren, der mit der Budweiser Anabasis beginnt. Das Wandern über die reizende Landschaft des Tschechischen Kessels und das Treffen auf die verschiedensten Leute stellen eine ausgezeichnete Soziologie des Alltags sowie auch eine tiefe Sonde in die tschechische nationale Mentalität dar. Beim aufmerksamen Lesen des Romans muss jeder Leser aufhorchen: der tschechische nationale Charakter? Kein Ruhm. Das dauert bis heute. Man trifft auf ängstliche Beamte, übergewichtige Karrieristen, Moralisten, auf bereitwillig eilende Denunzianten und vor allem auf Einzelgänger, die damit prahlen, wie sie die Behörden überlistet haben. Auf der anderen Seite auf gute und kluge Alte oder auf muntere Besucher von Gaststätten. Hasek hat auf Lipnice nicht nur seinen zweiten Teil abgeschlossen, sondern auch den dritten und den vierten angefangen, bis er im Guten wegging. Wandlungen des Ortes Jaroslav Hasek hat sich in der Gaststätte so eingewöhnt, dass er überhaupt nicht mehr reisen wollte. Er war überall, wo er sein wollte. Das heißt in der Küche, im Ausschank und im Lokal. Er wohnte im ersten Stock, in einem kleinen Zimmer, von wo er auf das örtliche Postamt schaute. Sonst bewegte er sich aber wachsam in den gesamten Räumlichkeiten der Gaststätte. Er liebte die Küche, die er für die Grundlage des menschlichen Lebens hielt. Manchmal ging er ins Innere der Burg, die nach der geschriebenen Geschichte zunächst Eigentum des Raimund z Lichtenburka war, Anfang des 14. Jahrhunderts Jindrich z Lipé gehört hat und schließlich unter die Herrschaft der tschechischen Krone fiel. Vielleicht heißt der Gasthof deshalb „U Ceské koruny“. Hasek ging auch vereinzelt in das sogenannte Maßhaus (tschechisch: „mázhaus“) im Erdgeschoss, das früher als Erfrischungsplattform für die Burgleute diente. Die Tage vergingen und zwischen feurigen Trinkgelagen schrieb Hasek bis zu dem Augenblick, bis er nicht mehr konnte. Als er 39 Jahre alt war, stellte er den Schreiber Kliment Stepanek ein und diktierte ihm die weiteren Schicksale des Soldaten des Herrn Kaisers. Schließlich schwanden ihm seine Kräfte und er starb in den 40ern dem Totenschein nach an Lungenentzündung und Herzstillstand. Vieles zeugt davon, wie das Ende des berühmtesten tschechischen Schriftstellers gewesen ist. Radko Pytlík, ausgezeichneter Kenner des Werks Haseks, sagt, er habe auf dem Tisch im Erdgeschoß des Hauses Nr. 185 gelegen, das er umbaute und in dem er einen ruhigen Lebensabend verbringen wollte. Der Schriftsteller war so schwer, dass man den Sarg nicht die Treppe nach oben tragen konnte, so dass man ihn durch das Fenster transportieren musste. Hasek starb am 3. Januar 1923, vor achtzig Jahren, und es trauerten hunderte von Menschen. Unweit vom Marktplatz ist der Friedhof, auf dem der Schriftsteller begraben ist. Auf dem Abhang erstrecken sich verschiedene, ziemlich vernachlässigte Gräber. Zum Autor Svejk zieht uns vom Eingang zum gesegneten Boden ein Denkmal, das ein aufgeschlagenes Buch darstellt. Die Atmosphäre ringsumher ist eigentümlich. Hier sind keine störenden akustischen Signale der modernen Zivilisation zu hören. Autos sind nicht zu hören, und den Friedhof besuchen auch nicht die aus den Reisebussen herausgepressten Touristen, da sie nach der Besichtigung der Burg und des Denkmals keine Kraft mehr haben, um sich vor dem genialen Humoristen zu verneigen. Entweder sie fahren wieder, oder sie enden im Erfrischungsraum unweit vom Sterbehaus oder in der Gaststätte „U Ceské koruny“, über die heute pan Richard Hasek herrscht, der Enkel des Schriftstellers – und er beherrscht sie gut. Noch vor ca. 15 Jahren sah die Gaststätte schrecklich aus. Abgebröckelte Decken, nikotinvergilbte bis leichenbraune Wände, ein peinliches Bild aus dem Ersten Weltkrieg, und furchtbare Toiletten. In Europa erkennt man den Standard eines öffentlichen Restaurants (Hotel, Restaurant, Weinstube, Bistro usw.) dann, wenn er dorthin geht, wo auch der Herr Kaiser zu Fuß hingeht. Heute ist es gut und schön. Der Herr Schriftsteller würde sich sicher lobend darüber aussprechen, wie gemütlich seine geliebte Gaststätte ist. Posthum kann er sie sehen. Luftlinie ist der Ort der letzten Ruhestätte des Schriftstellers in Sichtweite entfernt. Man könnte einen Stein werfen. Wortwörtlich. Alkohol, Erinnerung, Schaffenskraft Als Jaroslav Hasek für kurze Zeit in einer psychiatrischen Heilanstalt untergebracht war, führte er bei der Untersuchung an, er würde 35 Bier täglich trinken. Vielleicht ist das eine zu niedrig, vielleicht eine zu hoch geschätzte Angabe. Die Wahrheit beruht darauf, dass Hasek in der Gaststätte schöpferisch tätig war. Er war auch erfreut, wenn er auf Rat des Freundes Panuska auf Lipnice blieb. Als ständig wandernder Gast durch verschiedene Lokale war er von der Vorstellung ergriffen, sich irgendwo niederzulassen, ein ruhiges Lebens zu führen und mit der Schriftstellerei weiterzumachen, die nun zum Weltruf erwacht ist, da die Honorare für den ersten Teil flossen. Er selbst kommentierte dies mit den Worten: ... endlich wohne er in einer Gaststätte, und was könne er sich anderes wünschen? Dies war der lebendige Traum eines Menschen, der ein Katzenleben führte, oder eine Entscheidung für „den Geist des Ortes“. Wenn es dem ewigen Wanderer auf Lipnice nicht gefallen hätte, hätte er hier nicht den Anker geworfen. Das ist wichtig: Wenn der Mensch die Möglichkeit hat, bleibt er dort, wo es ihm gefällt. Aus Prag kam Šura dorthin, eine gute russische slawische Seele, die im revolutionären Russland seine Ehefrau wurde, ohne dass er sich vorher scheiden ließ. Ein vereinzelter Fall von Bigamie, der nicht einmal in den Unterlagen der Juristischen Fakultät verzeichnet ist. Die Zweitehe machte dem Schriftsteller nichts aus, er war woanders: in seinen geliebten Lokalen. Während der Chemiker an das Labor gebunden ist, kann ein Erzähler von Geschichten an einen öffentlichen Raum gebunden sein, in dem die Geschichten und Geschehnisse erzählt werden. Die Gaststätte kann verschiedenartig sein, freundlich oder abweisend, aber jedes Mal ist sie ein öffentlicher Raum, der in Abhängigkeit vom Naturell des Autors als eine ideale Arbeitsstätte fungieren kann. Lassen wir die heutigen Internetkaffees außer Acht, in denen virtuelle Einzelgänger in tiefer Schweigsamkeit aussitzen. Wir denken an eine Gaststätte wie diese. Wie eine Gaststätte, in der der „štamgast“ Gespräche führt und Ereignisse mithört. Und wo er auch hin und her geht und den Platz wechselt. Es wurde viel über die peripatetische Methode des Nachdenkens und Philosophierens geschrieben. Wenn wir mit freiem Gehen unseren Körper bewegen und die Gedanken auch in Bewegung kommen, dann fangen sie manchmal direkt an zu laufen an. Der Herr Schriftsteller saß entweder und schrieb, oder er wanderte hin und her. Aus dem Lokal in die Küche, ab und zu ging er hinaus, aber die Hauptaktivität war der Übergang. Von Stelle zu Stelle. Die hygienischen Vorschriften waren damals nicht so streng wie heute, so dass der Herr Schriftsteller in der Küche einsehen konnte, was ihm eine ungeheure Inspiration hinsichtlich der Küche der eigenen schöpferischen Gedanken, Vorstellungen und des Erzählens lieferte. Alle Ereignisse müssen irgendwo vorbereitet und verwurzelt sein. Die Küche ist aus bestimmter Sicht der ideale Ort für literarische Imagination. Es herrscht die allgemeine Überzeugung vor, Alkohol verwüste die Wirkung auf das Gedächtnis. Das ist ein verwurzeltes Vorurteil von Menschen, die von Kindheit an das Problem haben, sich überhaupt etwas zu merken. Es kann auch das Gegenteil der Fall sein, Alkohol regt an, unterstützt das Erinnerungsvermögen. An verschiedenen Stellen wird die Realität durch Fiktion ersetzt, aber das ist der philosophische Anteil allen Erzählens von Geschehnissen. Einige Autoren erschaffen auf der Grundlage des Nacherzählens oder von angelesenen Realien, andere haben eine abgehörte Sprache und aus ihr erneuern sie die Nacherzählungen. Viele gute Gedanken sind direkt in Kaffees oder in Wirtschaften geschrieben worden, was verständlich ist: das Zuhause kann ablenken, da der Mensch sich hier allem anderen als seiner Arbeit widmet. Ganz anders konzentriert er sich in öffentlichen Räumen. Ich kenne einige bedeutende Literaten, die ihre besten Gedanken gerade in Gaststätten oder Kaffees bekommen. Sie hören sie und merken sie sich. Nach einiger zeitlicher Verzögerung schreiben sie alles auf. Geist des Ortes? Im früheren Regime hat man viel an Hasek erinnert. Jedes Jahr wurde die sogenannte „Haskova Lipnice“ begangen, was eine besondere Mischung von Estraden, komischen Auftritten, dem Trinken der Besucher und eine Gelegenheit für politische Manifestationen von Dissidenten. Die Auftretenden und Zuschauer fuhren nach einigen Tagen ab. Die Gaststätte blieb einsam zurück, ausgestreckt am Anfang des Dorfplatzes, der auch den Marktplatz darstellen kann. Sie siechte dahin, aber sie war doch ständig da, unerschütterlich. Ihre Wände erinnerten an die Ankunft von E.A. Longen oder Matej Kudej. Jeder weitere Besucher konnte nach seinen Vorstellungen die Zeit beleben, als hier Hasek gelebt hat, und Geschichten ausdenken, die sich aber gesetzmäßig auf Gaststättenerzählungen stützten. Die Ausflugsgaststätte funktionierte seit 1832, und die Keller reichen bis tief ins 15. Jahrhundert. War dort irgendein latenter Geist von Schaffenskraft oder nicht? Ein Genius loci? Die Antwort ist nicht schwer. Jede Lokalität hat einen gesetzmäßigen Betrieb in der Zeit, abhängig vom Anteil der menschlichen Tätigkeit oder dem Desinteresse. Zunächst ist da überhaupt nichts, dann entsteht ein Gebilde, dieses bewohnen Menschen und prägen ihm den „Geist des Ortes“ auf. Es kommen Ereignisse, gehen in das allgemeine Bewusstsein ein, gehen in die Öffentlichkeit. Plötzlich hört das alles auf, da das Wesen, das diesen Ort besonders gemacht hat, verstirbt. Es tauchen Legenden, Erzählungen, Erinnerungen auf. Die Macht ergreift gerade jener „Geist des Ortes“. Alles andere hängt von den Ankommenden ab. Der Geist des Ortes ist allerdings keine primitive religiöse Vorstellung einer verstorbenen Größe. Nach Haseks Tod haben sich einige Gebildete entschieden, mit seinem Erzählen weiterzumachen. Wenn wir den misslungenen Versuch der Fortsetzung des Romans von einem bestimmten Vanek übergehen, müssen auch an den urdummen Einfall einiger Spiritisten erinnern, gerade in jener Gastwirtschaft den Geist des Schriftstellers anrufen und den Roman zu Ende schreiben zu wollen. Es geschah nichts. Keine weitere Fortsetzung. Die Seance ist gescheitert. Der Geist des Ortes existiert, lässt sich aber nicht neu beleben. Allerdings bei jedem Besuch neu durchleben. (Der Autor, Michal Cernousek, ist an der Fakultät der Sozialwissenschaften UK tätig; Quelle: Reflex 4, 23.01.2003; Übersetzung (z.T. mit Freihteiten: Susanna Vykoupil) Siehe auch den Artikel vom 06.01.2003. |
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Die tschechische Kultur
erhält schon jetzt finanzielle Mittel aus europäischen Quellen
für eine Reihe von Aktivitäten. Beispielweise nehmen tschechische
Organisationen an 18 Kunst-Projekten teil, die die EU im Rahmen des Programms
Kultur 2000 unterstützt hat. Unter den erfolgreichen Bewerbern waren
das Kunstgewerbe-Museum (Umeleckoprumyslové muzeum) in Prag, die
Mährische Galerie (Moravská galerie) in Brno und der Verlag
One Woman Press.
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Jaroslav Hasek war selbst das, was sein Schwejk später werden sollte: ein Prager Original. 1883 als Sohn eines Oberlehrers geboren, kehrte er früh der bürgerlichen Welt den Rücken. Eine Banklehre brach er ab und vagabundierte als Gelegenheitsarbeiter durch die Slowakei, Ungarn und Galizien. Dabei entstanden seine ersten literarischen Arbeiten. Für einige Jahre schloss sich Hasek den Anarchisten an, weil er in ihnen die konsequentesten Kämpfer gegen Kirche und Militarismus sah. 1908 brach er aus persönlichen Gründen diese Verbindung ab und gründete drei Jahre später die »Partei des maßvollen Fortschritts in den Grenzen der Gesetze«. Als ihr Kandidat bei den im gleichen Jahr stattfindenden Wahlen, wusste er in stundenlangen, improvisierten Reden Losungen wie »Das arme Volk muss strenger behandelt werden« wohl zu begründen und schloss immer entweder mit dem Versprechen, jeder Wähler werde ein kleines Taschenaquarium bekommen oder mit der Ankündigung, die Parteiführung werde gegen das Erdbeben in Mexiko Protest einlegen. Im Februar 1915 wurde Hasek eingezogen, und im September ließ er sich mit seinem Truppenteil von der russischen Armee gefangennehmen. Doch der Glaube, dass der Zar seine slawischen Brüder mit offenen Armen empfangen würde, schwand spätestens im Lager Tozkoje: Mehr als ein Drittel der 16.000 Gefangenen starb im Winter an Typhus. Nach der Oktoberrevolution trat Hasek in die Rote Armee ein und wurde im März 1918 Mitglied der Bolschewiki. Im Herbst 1920 forderten ihn seine Prager Freunde auf, zurückzukehren und in der Tschechoslowakei als Revolutionär zu arbeiten. Doch bei seiner Ankunft musste Hasek feststellen, dass die Arbeiterbewegung geschlagen und die bürgerliche Ordnung fest etabliert war. Er begann wieder zu schreiben. Von einem Verleger, dem er die »Abenteuer des braven Soldaten Schwejk während des Weltkrieges« anbot, bekam er zur Antwort: »Das ist nur Literatur für Kommunisten, nicht aber für tschechische Menschen.« Hasek veröffentlichte daraufhin den »Schwejk« als Fortsetzungsroman in Heftchen, die an Zeitungskiosken vertrieben wurden. Aber nicht immer konnte der Leser auch das nächste Heft bekommen, denn der Autor verkaufte sie oft gleich von der Druckerei weg in den Prager Bier- und Weinstuben, um seine Zeche bezahlen zu können. Die Bevölkerung nahm den Roman mit Begeisterung auf, weil der Krieg bei den Tschechen ganz im Gegensatz zu den Deutsch-Österreichern von Anfang an nicht populär gewesen war. Die Soldaten waren mit leeren Bierflaschen auf ihren Bajonetten durch Prag zum Bahnhof gezogen, hatten ihre Offiziere bedroht und offen ihre Meinung über Kaiser und Vaterland ausgesprochen. Den Höhepunkt der tschechischen Verweigerung bildete die Desertion des Prager 28. Regiments, das sich mit wehenden Fahnen und der Musikkapelle an der Spitze von einem russischen Bataillon gefangennehmen ließ. Schwejks Odyssee durch den Krieg gab Hasek die Möglichkeit, die Stützen der Habsburgermonarchie, Beamte und Offiziere, zu porträtieren. Da ist beispielsweise ein Oberst, der an unerschütterlicher Beschränktheit leidet. Analysieren wir seine geistigen Fähigkeiten, so gelangen wir zu der Überzeugung, dass sie nicht besser waren als die, welche den großmäuligen Habsburger Franz Josef als notorischen Idioten berühmt machten. Fürchterlich regte Kraus sich jedesmal auf, wenn er in der Zeitung las, dass man wiederum Gefangene eingebracht hatte. Er sagte: ›Wozu Gefangene einbringen? Erschießen soll man alle!‹« Die andere tragende Säule des Habsburgerstaates war die katholische Kirche. Nicht zufällig beginnt Schwejks militärische Laufbahn als Offiziersdiener bei einem Feldkuraten, dem ewig besoffenen Otto Katz. Und der meint zu seinem Priestertum: »Solange der Staat nicht einsieht, dass die Soldaten, bevor sie in die Schlacht gehen, um zu sterben, dazu nicht Gottes Segen brauchen, ist das Feldkuratentum ein anständig bezahlter Beruf, in dem sich der Mensch nicht zu sehr schindet.« Nach dem Ende des ersten Teils mußte das Publikum lange auf die Fortsetzung warten, denn Hasek war aus Prag verschwunden. Schließlich entdeckte man ihn in dem kleinen ostböhmischen Ort Lipnice. Hasek stellte einen Schreiber an und diktierte ihm den Text meist im Wirtshaus des Ortes, inmitten der Gäste, mit denen er sich unterhielt. Manche der Anekdoten, die er dort hörte, flossen in den »Schwejk« ein. Denn typisch für die Gestalt des Prager Hundehändlers ist, dass er in jeder und für jede Situation des Lebens eine Geschichte oder einen Sinnspruch parat hat: »Wenns auch war, wies halt war, irgendwie wars, denn noch nie wars, dass es nicht irgendwie war.« Der Roman blieb unvollendet, denn am 3. Januar 1923 starb Jaroslav Hasek an einer Lungenentzündung. Doch damit schwand keineswegs, wie viele glaubten, das Interesse der Leser am »Schwejk«. Das Gegenteil war der Fall: Der »brave Soldat« ist zu einer Gestalt der Weltliteratur geworden. Einerseits ist er eine geschichtliche Figur, ein Geschöpf des alten Österreichs. Er konnte nur in jener Atmosphäre von Borniertheit, Schlamperei, gutmütiger Perfidie, anachronistischem Absolutismus und nationaler Unterdrückung entstehen, die die Habsburgermonarchie kennzeichnete. Nur in diesem Staat konnte er zum lächerlichen, blöd-verschlagenen Helden werden. Andererseits ist Schwejk die Verkörperung all jener, denen der Mut zum offenen und die Bereitschaft zum kollektiven Kampf gegen einen verhassten Staatsapparat fehlt, und die, ihre Not zur Tugend machend, diesen durch ihre bewusste und geniale Dummheit sabotieren. (Karl Unger, Jungewelt, 03.01.2003, eingesandt von Dr. Thomas Baum, herzlichen Dank) |
Bedrich (Friedrich) Smetana, am 2.3.1824
im tschechischen Litomysl (Leitomischl) geboren, studierte auf der Musikhochschule
von Joseph Proksch (1794-1864) in Prag Klavierspiel und Musiktheorie.
Zunächst war er als Hauslehrer und Musikkritiker tätig und komponierte
nur gelegentlich, gründete dann aber eine Musikschule, an der er selbst
unterrichtete. In den Jahren von 1856 bis 1861 war er in Göteborg
(Schweden) Leiter einer Philharmonischen Vereinigung und schuf seine ersten
sinfonischen Dichtungen - u.a. »Richard III.« und »Wallensteins
Lager« - , die ihm aber wenig Erfolg brachten und bald wieder in
Vergessenheit gerieten. Nach einem kurzen Aufenthalt bei Liszt in
Weimar kehrte Smetana wieder nach Prag zurück und übernahm 1866
eine Stelle als Kapellmeister am tschechischen Nationaltheater. Im Jahre
1874 musste er dieses Amt aber aufgeben, da er völlig ertaubte und
unter Schwindelanfällen litt. Seine beiden letzten Lebensjahre verbrachte
Smetana in geistiger Umnachtung und starb am 12.5.1884 in Prag in
einer Heilanstalt.
Auch seine erste Oper, »Die Brandenburger in Böhmen«, brachte Smetana nicht den erhofften Erfolg. Ebenso erging es dem Komponisten mit dem 1866 fertiggestellten und im gleichen Jahre in Prag uraufgeführten Bühnenwerk »Die verkaufte Braut«, einer idealen Volksoper, die von der musikalischen Genialität Smetanas zeugt. Dieses Werk wurde erst nach der Aufführung bei der Wiener Theaterausstellung im Jahre 1892 ein großartiger Erfolg. Die Opern »Dalibor« (1868), »Die zwei Witwen« (1874) und »Das Geheimnis« (1878) blieben trotz mancher Schönheiten und nationalmusikalischer Eigenarten auf die tschechische Kultursphäre beschränkt, lediglich die Bühnenschöpfung »Der Kuss« (1876) vermochte sich iin größerem Maße durchzusetzen. Smetana hat in seinem sinfonischen Schaffen wesentliche Anregungen durch Liszt erhalten, was sich z.B. in seinen Tondichtungen äußert. Das größte Werk dieser Art ist der in den Jahren 1874 bis 1879 entstandene Zyklus »Mein Vaterland«, der sich in sechs Teile gliedert: »Vysehrad«, »Die Moldau«, »Sarka«, »Aus Böhmens Hain und Flur«, »Tabor« und »Blanik«. Darin ist es Smetana gelungen, eine Programmiermusik zu schaffen, die über das gegebene »Programm« hinaus noch typische volkstümliche Merkmale aufweist und so die nationaltschechische Musik aufleuchten lässt. Das kammermusikalische Schaffen Smetanas umfasst das 1855 geschriebene Klaviertrio g-Moll, das 1876 vollendete Streichquartett e-Moll » Aus meinem Leben«, in dem Smetana im Stile der Programmusik ein Lebensbild in Tönen wiedergeben wollte - eine charakteristische Stelle ist das viergestrichene e, das symbolisch die plötzliche Ertaubung darstellen soll -, und das 1883 komponierte Streichquartett d-Moll. Daneben schuf Smentana noch mehrere Stücke für Klavier und einige Lieder. Smetanas Verdienst besteht zu einem wesentlichen Teil darin, dass er entscheidende Beiträge zur Ausprägung der tschechischen Nationalmusik geliefert hat, indem er es verstand, die volkstümliche Musik seiner böhmischen Heimat mit einer Klangwelt von hohem künstlerischen Anspruch (deutscher Einfluss) zu einem eigenen Stil zu verschmelzen. Er leitete damit eine Entwicklung ein, die dazu führte, dass die Musik seines Landes Weltgeltung erhielt. S.V. |
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Die Ausstellung Ceskoslovenský socialistický
realismus wird im kommenden Jahr zweifellos eine großartige Übersicht
zu diesem Thema bieten. Sie führt thematisch die Exposition Agitace
ke stestí von 1994 fort, die sich mit der stalinistischen Kultur
in der Sowjetunion beschäftigt hat. Die Tschechoslowakei als ein fleißiger
Lehrling folgte dem Großen Bruder und bemühte sich, seine Ideologie
auf alle Bereiche des Lebens zu übertragen, die bildende Kunst eingeschlossen.
Es wurde gemäß dem sozialistischen Realismus propagiert: "Aus
dem Bild muss eine neue Welt erscheinen, die sich der Arbeiterklasse öffnet.
Auf diese Weise belehrte der damalige Chefideologe für kulturellen
Geschmack, Zdenek Nejedlý, die Maler. Und viele ergriffen denn die
Gelegenheit und feierten in ihren Werken Arbeiter, Soldaten, Politiker
genauso wie die Errichtung von Hüttenwerken, Schützengräben
und allerlei Verstellungen der Natur, damit sie den Bedürfnissen der
Arbeitenden dienten.
Der sozialistische Realismus stand in direkter Opposition zu den modernen Richtungen. Wer den Surrealismus, Abstraktes oder den Expressionismus pflegen wollte, war dazu verurteilt, für einige Zeit vergessen zu werden, zu schweigen und es drohten ihm Schikanen. Der sozialistische Realismus schwelgte dafür in Beschreibungen, die zurück an das 19. Jahrhundert anknüpften. Das deshalb, damit jeder gleich erkannte, "um was es ging", und nicht vielleicht in den Bildern oder Statuen irgendetwas anderes suchte, als dargestellt war. Die Ausstellung beschäftigt sich mit diesem Phänomen eingehend bis ins Jahr 1958, als in Brüssel auf der EXPO im Rahmen der staatlichen Propaganda erstmals nicht-konforme Künstler zu Wort kamen. Die Ausstellung wird ergänzt durch das Filmfestival der sozialistischen Kinematografie im Kino "Konvikt" sowie durch Seminare und Musikabende. (Nach "Reflex" Dez. 2002) Galerie Rudolfinum, Alsovo nábrezí 12, Praha 1,
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Jirí Kolár Jirí Kolár ist am 24.9.1914 im südböhmischen bei Písek gelegenen Protivín als Sohn eines Bäckers und einer Näherin geboren. Seine wichtigsten Lebensstationen führen in weiten Schritten über Kladno ins Café Slavia nach Prag, dann nach Paris und wieder zurück. In Kladno verbringt Kolár eine von sozialen Nöten geprägte Kindheit und Jugend, die in ihm eine starke Abneigung gegen ein Leben auslösen, das nur dazu da ist, um „überlebt“ zu werden. Er arbeitet als Bäckergehilfe und später als gelernter Tischler. Bei dieser Tätigkeit verliert er einen Finger. Zwischendurch ist er arbeitslos und schlägt sich auch in ungelernten Berufen, so z.B. als Kellner und Kanalarbeiter, durch. Auf diese Weise sammelt er viele Erfahrungen, lernt das Stadtleben kennen und nutzt die Möglichkeit, diese Erkenntnisse künstlerisch zu verwerten. Eine erste Ausstellung von Collagen findet in Prag im Jahr 1939 statt. Im zweiten Kriegsjahr kommt Kolár als Arbeiter mit einem kleinen Manuskript aus Kladno nach Prag und schockiert mit der Neuartigkeit seiner dichterischen Sprache die snobistisch angehauchte Prager Gesellschaft, die in unzeitgemäßer Metaphysik schwelgt. Gehör findet er in der Gesellschaft der „gröberen“, aber demokratischeren Künstler, von denen der Großteil der „Gruppe 42“ angehört. Er wird zu ihrem Protagonisten. Das künstlerische Ziel der „Gruppe 42“, deren Hauptvertreter außer ihm der Theoretiker J. Chalupecký sowie die Dichter Josef Kainar, Ivan Blatný, Jan Hans und Jirina Hauková werden, ist es, den Zusammenhang zwischen moderner Kunst und moderner Welt darzustellen, die moderne Zivilisation zum Teil der modernen Poesie zu machen und so auch diese Poesie zum Teil der modernen Zivilisation. In dieser Zeit beginnt Kolárs Publikationstätigkeit mit dem Gedichtband „Krestný list“ (1941). Nach seiner zweiten Sammlung „Sedm kantát“ (1945), die die Atmosphäre der Mai-Revolution einfängt, zeigen sich in seiner Poesie thematisch, formal sowie in der Bildlichkeit eigene Charakterzüge, die vor allem in der Ablehnung des traditionellen Verständnisses von Poesie liegen. Thema seiner Dichtung wird die Monumentalität des Alltags mit dem alltäglichen Lebenskreislauf in seiner vielseitigen gegenständlichen Perspektive, die auch die unschönen Seiten des Lebens in der modernen Wüste der städtischen Hochhäuser einbezieht. Die aus der Ferne unbewegliche Alltäglichkeit wird in einem Stil der poetischen Montage dargestellt, in der Stücke des Alltagsgesprächs mit metaphorischen Bildern, die in ihrer Schärfe überraschen und auch rhythmisch nuanciert werden, zusammengesetzt sind. Das Thema der Stadt mit ihrem Alltag und dessen auf den ersten Blick unpoetischen Winkeln hat bis dahin noch keinen Eingang in die tschechische Dichtung gefunden. Nach dem Zweiten Weltkrieg überzeugt Kolár als einer der begabtesten Dichter mit antikommunistischer Lyrik, so z.B. mit „Ódy a variace“ (1946) und dem Tagebuch „Dny v roce“ (1948). Das letztere handelt von der Bedrohung des Menschen durch den Kommunismus, insbesondere in dem Gedicht „Vezmi stát po státu“. Kolár wird nach der kommunistischen Machtergreifung zwar nicht direkt zu einem Rädelsführer der Dissidentenszene, ihm wird jedoch nach 1948 zunächst fast jede Publikationsmöglichkeit genommen. Er muss auf Übersetzungen ausweichen und erschafft die schönsten Nachdichtungen aus dem Französischen. Für die Schublade und die Freunde produziert er unermüdlich weiter neue Texte. So entsteht um 1950 die
Sammlung „Prometheova játra“, die in Tschechien erst 40 Jahre später
offiziell publiziert wird. Sie bildet den Höhepunkt seines dichterischen
Werks. 1953 wird das Manuskript bei einer Hausdurchsuchung entdeckt und
Kolár kommt ins Gefängnis, wird aber durch Stalins
und Gottwalds Tod und die folgende Labilität des Regimes nach
einigen Monaten wieder freigelassen.
Kolár publiziert
nun vereinzelt weiter: 1957 aber erscheint das Buch „Mistr Sun o básnickém
umení“, eine Sammlung von Meditationen über die moderne Poesie,
die auf einer Parallele zu einem alten chinesischen Traktat über die
Kriegskunst basiert.
In der ersten Hälfte
der sechziger Jahre zeichnet sich ein zweifacher Wandel in Kolárs
Schaffen ab: Einerseits verlässt er die klassische Poesie,
widmet sich dem lyrischen Drama und begibt sich nach kurzer Zeit der Beschäftigung
mit der „konkreten Poesie“ („Básne ticha“) in den Dienst der Kollage,
deren verschiedene Techniken er nicht nur nutzt, sondern auch erfindet.
Andererseits widmet er sich nun zunehmend der Bildhauerkunst. Die Aufnahme
einer Ausstellung im Jahr 1962 in Mánes ist jedoch nicht nur positiv
– einige halten seine Werke für ein zeitweiliges Abgleiten von der
Dichtung, wieder andere atmen auf, dass sie einen Konkurrenten weniger
haben.
Obgleich Erfinder neuer
optischer Welten - Kolár bleibt in seiner Künstlerseele
immer Poet, und – er bleibt eine führende Autorität im Prag der
sechziger Jahre. Dies findet seine Äußerung in dem ruhmreichen
Ritual, welches sich in der liberalen Atmosphäre der sechziger (bis
in die frühen siebziger) Jahre jeden Mittag in dem berühmten
Prager Café Slavia an der Moldau wiederholt: An einem stets reservierten
Tisch im Hintergrund des Lokals nimmt Jirí Kolár Platz
und trifft sich hier nicht nur mit seinen Freunden Lhoták,
Novák, Urbánek, Hiršal u.a., sondern
auch mit den Jüngeren, die nicht den Weg der offiziellen Literatur
gehen wollen, unter ihnen auch Václav Havel. Ihre Diskussionen
verlaufen mitunter polemisch.
Kolárs
künstlerische Entwicklung ist nicht zu stoppen: 1966 erscheint die
Sammlung „Vršovický Ezop“, eingerahmt von dichterischen Dokumenten
über die Grausamkeiten des Nationalsozialismus' und die Schicksale
literarischer und kultureller Persönlichkeiten des Jahrhunderts. An
der Wende zu den Siebzigern erscheint die Sammlung „Návod k upotrebení“
(1969), in der sich Kolárs Entwicklung zum experimentellen
Überschreiten der Grenzen der Poesie zeigt. Von hier an wird das Wort
als graphisches Zeichen Teil eines künstlerisch verstandenen Ganzen,
der Collage.
Die siebziger Jahre bedeuten
für Kolár mitunter wenig erfreuliche Zeiten. Zum einen erleidet
er 1970 einen Schlaganfall und verliert ein Jahr, bis er seine rechte Hand
wieder frei bewegen kann. Aufgrund der politischen Restriktionen nach der
Zerschlagung des „Prager Frühlings“ unterschreibt auch er im Jahr
1977 die Charta 77. Die Rache des Regimes besteht darin, dass man ihm die
Rückkehr von einem Studienaufenthalt in Frankreich unmöglich
macht, indem er 1981 ausgebürgert wird.
Kolár wählt
Paris für sein Exil im Rentenalter, und Frankreich mit seiner Liebe
zur Kunst gestattet ihm weitere freie künstlerische Entfaltung. In
Paris findet er durch die Vermittlung des Centre Pompidou ein Atelier und
mit Hilfe seiner Galerie ein gutes Auskommen. Doch hält er nicht nur
Kontakt zu Prag – vor allem zur jungen Künstlerszene –, sondern finanziert
immer wieder künstlerische Projekte, kauft Kameras, Bildmaterial,
vergibt unter der Hand private Stipendien. Er erlangt hier einen Ruhm,
der höchstens dem von Milan Kundera vergleichbar ist.
Nach der „Samtenen Revolution“
ruft Václav Havel persönlich Kolár nach Prag
zurück und sorgt dafür, dass er sein dortiges Atelierhaus, das
noch unter dem Husák-Regime gebaut worden ist, ebenso zurückerhält
wie seine wunderbare Sammlung tschechischer Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts,
von der er schließlich Teile der Nationalgalerie stiftet. Nach seinen
letzten von Krankheiten und Schlaganfällen gekennzeichneten Lebensjahren
stirbt Kolár in Prag am 11. August 2002 im Alter von 87 Jahren.
Der Dichter und Bildhauer ist vollständig rehabilitiert. Eine Gesamtausgabe
seiner Werke liegt vor, und noch 2002 wird sein letzter Band „Záznamy“
verlegt, den ihm der Tod buchstäblich aus den Händen gerissen
hat. (S.V.) Siehe auch Walk-Lexikon.
Einige Impressionen
seiner Werke:
![]() Rollagen: Kopien berühmter Bilder in Streifen geschnitten und wieder für das Auge irritierend zusammengesetzt. |
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Haben Sie schon einmal die Uhren in Bratislava
bewundert? In dem malerischen Eckhaus "Zum Guten Hirten" ("Dom u Dobrého
pastiera") an der Ecke Zidovská/Mikulásská unter der
Burg kommt man als Uhrenliebhaber auf seine Kosten. Das 1760 im reinen
Rokoko-Stil erbaute Häuschen mit dem feinen Gelbputz beherbergt ein
Uhrenmuseum. Der Rokokotraum ist so schmall, dass die Besucher auf den
Treppen seitwärts gehen müssen und jedes Stockwerk nur aus einem
Raum besteht. Die wertvollen Uhren dieser Sammlung stammen von bekannten
Uhrmachern aus dem 18. und 19. Jahrhundert, aus der Glanzzeit der Stadtgeschichte
Bratislavas als wichtiger wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Faktor
von Österreich-Ungarn.
Die Stücke reichen vom blendenden Prunk des Barock über Frühkunst-Deco-Uhren bis zu gewöhnlichen Gebrauchsuhren. Interessant ist z.B. ein winziger Uhranhänger mit rotem Rosenkranz auf einer Silberdose glitzernd. Oder die in einem bukolischen Bild aus dem 18. Jahrhundert mit einer Szene am Flussufer verborgene Uhr, die, im Hintergrund am Kirchturm zu sehen, sowohl funktional als auch dekorativ war. Tischuhren des 19. Jahrhunderts aus dunklem Holz erinnern an die gelangweilten Aristokraten, denen sie verstohlene Blicke während der Mahlzeiten erlaubten. Bemerkenswert ist auch eine Uhr, die Sklaven mit Körben auf ihren Köpfen abbildet, die am Sockel eines großes Uhrengesichts stehen. Ein Blickfang des 2. Stocks ist eine Uhr aus dem 18. Jahrhundert, die - auf einer Kommode montiert - von Goldfiguren, einem knorrigen Baum und einem Engel darüber umgeben ist. Diese schulterhohe Struktur ist von Jacob Guldan signiert - dem führenden Uhrmacher des Bratislava des 18. Jahrhunderts. Guldans Arbeiten sind auch im Palais Palffy in der Altstadt zu finden, einem ehemaligen Palast des österreichisch-ungarischen Adels, der heute eine Galerie beherbergt. (SV) |
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Eine traurige Nachricht für alle, ob jung
oder alt, für die z.B. "Die schöne Arabella und der Zauberer",
"Der fliegende Ferdinand", "Das Mädchen auf dem Besenstiel" oder "Ein
Hamster im Nachthemd" und viele andere Märchengestalten ein Begriff
und damit auch Bestandteil ihrer Kindheit waren. Der Dichter, Schriftsteller
und Filmschaffende, kurzum der beliebte Erzähler phantasievoller Geschichten
, Milos Macourek, ist gestorben. " Die von ihm gelegte Messlatte
wird kaum jemand überspringen". So äußerte in einer Reaktion
auf diese Nachricht die renommierte tschechische Theater- und Filmschauspielerin
Iva Janzurova, die eine der Hauptrollen in der jüngsten Verfilmung
von Macoureks Buch "Paul und Brigitta" spielte, die Meinung vieler,
die ihn kannten. Das tschechische Original mit Geschichten zweier Kinder,
die einen magischen Telefonhörer besitzen und mit dessen Hilfe samt
ihrer Lehrerin und ihren Klassenkameraden durch die Zeit reisen, sich schrumpfen
oder Hunde in Menschen verwandeln, wurde in mehrere Sprachen übersetzt
und fand dadurch weltweit begeisterte Leser, oder aber auch Zuschauer einer
TV-Filmserie und schließlich auch eines Spielfilms. (Mehr zu
Macourek siehe z.B. im Walk-Lexikon.
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Das nationale Kulturdenkmal RípDie Rotunde des Hl. Georg (Sv. Jirí) und des Hl. Adalbert (Sv. Vojtech)
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Stand: 07.01.2003